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101 – Die Fickfreunde

12. Dezember 2011

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  • Sex
  • Singles

Liebe Frauen,

nein, ich habe mir den Film nicht angeschaut, dessen Titel ich nicht einmal weiß, auch wenn er gerade sehr gehypet wird. Justin Timberlake spielt einen Typen, der sich zusammen mit einer Frau, beide natürlich unglaublich attraktiv und trotzdem unglücklich auf ihrer Suche nach der großen Liebe, dazu entschließt, „Fickfreunde“ zu werden, also Freunde, die sich nicht lieben, sondern einfach nur gut verstehen, und weil sie es beide nötig haben, auch noch regelmäßig in der Kiste landen. Ich vermute mal, es wird so ablaufen: Beide sind nach der einen oder anderen komischen Nummer sehr zufrieden mit ihrer Regelung, bis sich einer der beiden (oder auch beide) auf einen anderen Menschen einlässt, eine Beziehung eingeht, und die Fickfreundschaft nicht mehr funktioniert. Und dann? Dann merken sie, dass sie sich eigentlich eh schon immer lieben und sie gestehen es sich endlich und nach einigen Wirrnissen ein und Happy End und alle sind glücklich und zufrieden und leben ein moralisch einwandfreies Leben, so wie es sich die Gesellschaft vorstellt, in dem eben nur dann gefickt wird, wenn es innerhalb einer festen Partnerschaft, die auf Liebe basiert, passiert.

101 - die Fickfreunde | Adam sprichtUnd damit bin ich beim Grundproblem. Ist es möglich, so wie es immer wieder von Männern behauptet wird, Sex ohne Liebe zu haben?

Natürlich ist es möglich. Aber ist es erstrebenswert?

Und ich rede jetzt nicht von den üblichen One-Night-Stand-Geschichten, die eindeutig ohne Liebe, ja, ohne Zuneigung ablaufen können, sich sogar dadurch definieren, nein, ich meine das ganz konkret: Ist es möglich, dass man mit ein und demselben Menschen regelmäßig Sex hat, so wie man mit ihm auch ein Bier trinken oder Bowling spielen gehen könnte? Freunde, die zusammen mit dem Spaß haben, das ihnen Spaß macht. Die halt auch ficken.

Mit sind durchaus schon ein paar Menschen über den Weg gelaufen, die es zumindest ausprobiert haben. Frauen und Männer. Und? Und es war nie so unkompliziert, wie man sich das vorstellt. Denn entweder ließ sich mindestens ein Teil der Sexgemeinschaft nur deshalb auf den Deal ein, weil er eigentlich viel mehr wollte, aber nicht bekommen konnte, und so zumindest ein wenig doch noch abstaubte oder aber dachte, dadurch den Rest auch noch irgendwie herbeivögeln zu können. Oder aber im Laufe der Zeit stellte sich bei dem einen oder anderen das Gefühl ein, dass da Gefühle sein könnten, die über eine Freundschaft hinausgingen. Oder der Sex war einfach nicht so toll, wie vorgestellt, und einem Freund zu sagen, dass er mies im Bett ist, ist was anderes, als ihm beim dritten Bier zu verklickern, dass er einen schlechten Musikgeschmack hat. Oder die Freundschaft war nicht so stark, wie gedacht, und man verstand sich dann doch nicht so gut, als dass man einfach mal schnell die Körperteile ineinanderstecken konnte, denn irgendwelche Animositäten kann man beim bereits erwähnten Bier locker unter den Tisch trinken, nicht aber, wenn der eine den Schwanz des anderen im Mund hat, unters Bett fallen lassen. Oder man stellte fest, dass Sex ohne Liebe auf die Dauer dann doch nur die halbe Miete ist.

Irgendwie komme ich drauf, dass es darauf hinausläuft, dass eine Fickfreundschaft tatsächlich nicht möglich ist. Immer kommt irgendwas dazwischen, und selten sind es die von der Filmindustrie propagierten moralischen Gründe. Sind es etwa biologische? Ist der Mensch darauf progarmmiert, nur mit den Menschen auf regelmäßiger Basis Körperflüssigkeiten auszutauschen, die er liebt?

Was ist Liebe?, muss man sich dann fragen.

Ist Liebe nicht, wenn man mal vom Sex absieht, die beste, intensivste Form aller Freundschaften? Die Steigerung von Freundschaft? Das non plus ultra dessen, wie sehr man einen Menschen mögen kann. Und könnte Sex dann vielleicht eigentlich erst das Resultat dessen sein? Sex, den man immer wieder mit dem gleichen Menschen in vollen Zügen genießt?, genießen will?, ausschließlich genießen will?

Man mag mir widersprechen, aber ich finde schon, dass mein bester Freund die Frau sein sollte, die ich liebe. Das heißt nicht, dass ich nicht auch andere Freunde haben kann, dass ich nicht auch mit anderen Freunden Dinge tu, die ich mit meiner besten Freundin/Liebe lieber mal auslasse, Dinge berede, mich auf einer ganz anderen Ebene wohl fühle … Aber die Frau, die ich liebe, der ich mein vollsten Vertrauen schenke, mit der ich am liebsten zusammen bin, sollte auch meine Fickfreundin sein.

Obwohl ich zugeben muss, dass ich irgendwie doch hoffe, dass dieses theoretische Konzept der Fickfreundschaft ohne Liebe irgendwie möglich ist. Fänd ich irgendwie gut. Irgendwie.

Euer Adam

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0 Kommentare zu "101 – Die Fickfreunde"

  • ja, das gibt es tatsächlich! sagen wir mal, ich kenne Leute, die Freunde haben, wo es funktioniert … oder eine Zeitlang funktioniert hat – das Ende einer Fickfreundschaft bedeutet ja nicht deren Scheitern, sondern sie kann einen natürlichen Verlauf nehmen …

  • Lieber Adam/Raoul!
    ich bin ja schon grundsätzlich ein großer Fan deiner Kolumne. Diesmal aber hast du mich im Vollen erwischt 🙂
    Ich gestehe: nach ca. einem Monat im Selbstversuch muss ich dir in allen Punkten beipflichten – v.a. was die Vermutung betrifft, dass zumindest eine/r der beiden das Experiment aus nicht ganz so pragmatischen Motiven betreibt, sondern sehr wohl hofft, dass sich daraus vielleicht dann mal das ergibt, was er/sie in Wirklichkeit will – nämlich eine \“richtige\“ Beziehung, Liebe inbegriffen.
    So gesehen komme ich (für mich!) zu dem Schluss, doch ganz konservativ deiner Schlussbemerkung zugeneigt zu sein: Letztendlich wünsche ich mir doch, dass sich mein bester (Fick)Freund auch meiner Liebe würdig erweist … auch wenn mich die Erkenntnis jetzt ein bisschen ernüchtert ….
    Herzlich
    Gabi

    • Liebe Gabi,
      vielen Dank für deinen sehr offenen Kommentar. Und vielen Dank für die Komplimente, auch wenn es die Momente gibt, in denen man sich als Kolumnist wünscht, nicht recht zu behalten, und dass es eben doch funktioniert bei dem einen oder der anderen … Tja, die Ernüchterung gehört nunmal scheinbar dazu, immer wieder und wieder und wieder … Bis man vom Leben vielleicht ja doch noch überrascht wird 😉
      Alles Liebe
      Adam (Raoul)

      • Lieber Adam / Raoul,
        Dann hoffe ich einfach mal , dass der Kolumnist in diesem Fall doch Recht behält 😉
        … Und freu mich schon auf deine nächsten Ausführungen 🙂
        Herzlich
        Gabi

  • Normalerweise schreibe ich auf Artikel nichts, allerdings reizt es mich diesmal.
    Bei den meisten funktioniert es wirklich nicht. Gefühle abschalten und einfach nur die Lust genießen ist wohl schwieriger, als es sich die meisten vorstellen.
    Komischer Weise sind es bei mir immer die Männer, die es nicht verstehen können, das ich, wie es einer ausdrückte \“so abgebrüht\“ sein kann.
    Und ja, ich bin fähig zu Beziehungen die ernst sind und in diesen dann auch treu aber wenn ich solo bin, warum nicht. Einige meiner \“Fickfreunde\“ sind schon Jahre lang meine Begleiter auf Freundschaftlicher Basis und wenn es passt, läuft halt mal mehr. Also auch wenn zwischendrin eine Part (oder auch beide) in einer Beziehung war(en). Da ist von keiner Seite mehr als Freundschaft und genau aus diesem Grund geht es. Aktuelle Partner können das allerdings seltenst verstehen und so kommt es oft vor, dass man in der Zeit einer Beziehung wenig von den Fickfreunden hört. Mein Fazit es geht, aber leider nicht oft gut. Klare Worte helfen.

    • Liebes Inneres Ich (das ist, finde ich, eine Anrede, die man viel öfter im Leben mal aussprechen sollte)
      es freut mich, dass du dich dazu entschlossen hast, deine Erfahrungen zu teilen. Und zudem sind es ja sehr aufmunternde Erfahrungen, die Sache mit den Fickfreunden nicht gleich als unmöglich abzutun. Vielen Dank.

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