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124 – Die schlimme Phantasie

21. Mai 2012

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  • Sex

Liebe Frauen,

nun habt Ihr ihn endlich, den perfekten Mann an Eurer Seite, liebe- und verständnisvoll, kein Machoarschloch, nein, einer, der Euch respektiert, Euch auf Händen trägt und immer für Euch da ist. Einer, der Euch zuhört, wenn Ihr redet und redet und redet, einer, der es ehrlich meint, und das merkt Ihr ihm an, der sich nicht versteckt hinter der undurchdringlichen Fassade seiner Männlichkeit, die Ihr besonders an ihm schätzt. Ja, auch sexuell hat es von Anfang an mit Euch geklappt, Ihr habt Offenbarungen mit ihm erlebt, er scheint Euch Eure Wünsche von den Augen abzulesen…

Naja, nicht alle, jetzt, wo Ihr darüber nachdenkt, denn nun läuft es schon so lange so gut, da tauchen plötzlich in Eurem Hinterhirn Dinge auf, die Ihr Euch vielleicht doch noch vorstellen könnt. 124 - die schlimme Phantasie | Adam sprichtAm Anfang, ja, da habt Ihr Euch hemmungslos durch die Betten gewühlt und alles war neu und super, und auch jetzt, ganz ehrlich, ist es noch immer ganz ganz toll, und doch, bisher hat er Euch noch nie vollkommen spontan am Küchentisch genommen und, wie im Film, Salz und Pfeffer und Marmeladenglas von der Platte gefegt, wurscht, wenn der Boden verdreckt war nachher. Ja, das liegt auch an Euch, weil Ihr ja wisst, und er weiß es auch, dass die Sauerei halt nachher wieder weggewaschen werden muss. Oder er hat Euch noch nie mal so ordentlich gegen die Wand geknallt, um Euch zu knallen. Oder gewürgt. Oder sich als mexikanischen Flüchtling ausgegeben, während Ihr die taughe Sheriffin aus Texas gegeben hat, die sich in der brütenden Sonne in staubtrockener Wüste einen feuchten Traum erfüllen lässt. Oder sonstige Phantasien, wild und abgefahren und schmutzig und schlimm. Denn die hat doch jeder. Die hat jede. Perverses Zeug.

Ist es perverses Zeug? Selbst wenn man sich mal anpinkeln lassen will? Oder es unter Beobachtung machen? Oder wen Dritten dazu einladen…

Nein, ist es nicht, es ist die Phantasie, die gute alte, die uns vielleicht schlimm vorkommen mag, aber so lange es legal ist und alle damit einverstanden sind, ist die Phantasie nicht schlimm, niemals. Und doch: Anfangs ist alles supergeil und es gibt nicht den Wunsch nach mehr. Bis selbst der beste Sex zur Routine geworden ist (was immer noch besser ist als schlechter Routinesex). Doch dann hat man das Gefühl, dass der Zug abgefahren ist, die tiefsten Phantasien zu äußern, seine geheimsten Wünsche. Denn was denkt denn der jetzt von mir? Oder die? Mach ich nicht alles kaputt, wenn ich sage, dass ich es geil fände, wenn mein supermuskulöser Mann mal meinen Spitzen-BH überstreift? Oder mich wüst beschimpft („ gib mir böse Tiernamen!“ – „Mehlwurm!“).

Wenn es passt, dann passt es. Und wenn es passt, kann man sich trauen. Was soll sein? Er findet es abartig? Na und? Dann wisst Ihr es und lasst es bleiben. Es kann aber auch sein, dass er sich genau das Gleiche heimlich wünscht und sich ebenso bisher nicht getraut hat, es auszusprechen. Oder er kommt durch Euch auf den Geschmack. Oder er probiert es mit Euch aus, und Ihr kommt zusammen drauf, dass es zwar eine schöne Phantasie war, aber in Wirklichkeit doch eher peinlich rüberkommt. Und dann? Ist es nicht schön, auch mal zusammen so richtig tief in die Lächerlichkeitskiste zu greifen? Man kann ja nachher sagen: „Na schön, ich brauch’s nicht mehr.“

Gut, manches klingt schon recht blöd, wenn man es ausspricht. Vielleicht ist es auch nicht der richtige Zeitpunkt, beim Kaffee und der Morgenzeitung anzumerken: „Du Schatz, wie wär’s, wenn wir uns mal so Latexzeugs anschaffen würden?“ Für solche Fälle ist meistens das Tun ganz gut. Fesselt und knebelt ihn, wenn Ihr grad dabei seid. Oder erwartet ihn am Abend gefesselt und geknebelt im Schlafzimmer. Oder schickt ihm eine SMS, er soll doch bitte schön mal ins muffige Kellerabteil kommen. Und dort erwartet Ihr ihn dann mit flackernden Fackeln.

Oder aber…

Ihr nehmt Eure Phantasien als das, was sie sind, als Phantasien. Als Wünsche, die nicht gedacht sind, jemals in die Tat umgesetzt zu werden, die Euch selige Stunden allein bescheren oder auch nur in Euren Köpfen jene zu zweit versüßen. Dann wisst halt nur Ihr, dass es gerade der mexikanische Flüchtling ist, der Euch, in einem Lackganzkörperkostüm mit bösen Schimpfwörtern traktiert, während er Euch von oben bis unten vollspritzt, weil er von einer Horde weiterer Männer dazu angefeuert wird, weil sie das alle dermaßen anmacht, dass sie sich kaum noch zurückhalten können… Auch wenn es für ihn einfach nur der gute alte Missionar ist (ja, genau, und Ihr seid eine unschuldige Eingeborene, der das Evangelium eingetrichtert wird, oh Gott, oh Gott, oh Gooooooottttttt…)

Euer Adam

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