Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

126 – Die Meldepflicht

| 2 Kommentare

Liebe Frauen,

stellt Euch vor, Ihr seid single. War ja jede schon mal, dürfte also nicht so schwer sein.

Stellt Euch weiter vor, Ihr seid unterwegs, wo auch immer, tanzen, im Kino, im Theater, im Park, vollkommen wurscht. Und dort, wo Ihr unterwegs seid, trefft Ihr auf einen Mann, der so ganz nach Eurem Gescgmack ist. Wie auch immer Euer Geschmack ist, Ihr könnt Euch ja selber ausmalen, wie dieser Mann zu sein hat. Auf jeden Fall findet Ihr ihn gut, und Ihr kommt mit ihm ins Gespräch, und auch das Gespräch ist gut, also kein Typ, der zwar äußerlich alle Kriterien erfüllt, aber sobald er den Mund aufmacht, bitte nicht. Nein, alles super, und Ihr verbringt eine schöne Zeit mit ihm. Nein, ich meine jetzt wirklich nur redend. Ihr habt Spaß, versteht Euch auf Anhieb hervorragend, habt den gleichen Humor, ähnliche Interessen und so weiter. Und Ihr verabredet Euch für ein weiteres Treffen.

Auch das nächste Treffen verläuft super, genau so wie das danach und das nochmal danach.

Und, ja, Ihr spürt, dass Ihr was für diesen Mann empfindet, Ihr habt Euch verknallt, vielleicht sogar verliebt, wie Ihr es auch immer nennen wollt, Ihr merkt auf jeden Fall, Ihr wollt ihn wiedersehen und wieder wiedersehen und Ihr wollt mehr, weil Ihr Euch mehr vorstellen könnt.

Und Ihr denkt Euch: Hey, diese Sympathie beruht doch eindeutig auf Gegenseitigkeit, das dürfte was werden.

Aber es wird nix. Zumindest nicht mehr. Nicht soviel, wie Ihr wollt. Mit anderen Worten: Es bleibt platonisch.

Bis Ihr Euch eines Tages traut und aussprecht, was Euch seit Wochen beschäftigt: Dass Ihr mehr wollt.

Und dann eröffnet er Euch, dass er Euch zwar auch sehr mag, wirklich und ehrlich, aber dass da von seiner Seite nicht mehr ist und auch nie war, denn er hat eine Freundin, die er liebt, und warum ist es denn nicht möglich, dass man einfach nur befreundet ist als Mann und Frau, weil man sich ja offensichtlich super versteht, muss es denn immer mehr sein? Peinlich.

Wie reagiert Ihr?

Fühlt Ihr Euch mies? Seid Ihr enttäuscht? Seid Ihr verletzt? Seid Ihr sauer, weil er nicht von Anfang an Klartext mit Euch geredet hat? Hat er denn Andeutungen gemacht, dass da auch von seiner Seite aus mehr gewollt sein könnte? Wenn Ihr ehrlich seid: Nein.

Und nun stellt Euch die Situation umgekehrt vor: Ihr seid in einer festen und glücklichen Beziehung, trefft auf einen Mann, und denkt Euch: Ja, mit dem könnte ich befreundet sein. Mehr nicht. Habt Ihr gleich am ersten Tag, beim ersten Treffen gesagt, dass Ihr einen Freund habt? Wahrscheinlich nicht, denn wie kommt denn das rüber, dann muss der doch denken, Ihr seid eine eingebildete Schnepfe, die sich denkt, dass jeder Mann sie haben will mit Haut und Haaren und alles anderem.

Bis der Mann mal einen Schritt weitergehen will. Für Euch einen Schritt zu weit.

Deswegen mein Aufruf an alle: Sagt es. Schafft klare Situationen. Nein, man muss nicht mit der Tür ins Haus fallen, aber es gibt immer, wirklich immer die Möglichkeit, in irgendeinem Nebensatz mal kurz anzumerken, dass man eine Beziehung hat und deswegen nicht an etwas anderem interessiert ist. Es wird übers Wetter geredet? „Mein Freund hasst ja diesen ständigen Regen.“ Die Wirtschaftskrise? „Wenn in der Wirtschaft der Wirt schafft, ist mein Freund nicht weit, haha.“ Die Arbeit? Die Hobbys? Die neuen Schuhe? Wurscht, es geht immer immer immer. Ohne großes Trara. Und schon weiß jeder bescheid. Und jeder kann sich auf das einlassen, was dann Sache ist. Zum Beispiel auf eine nette Bekanntschaft, sogar eine Freundschaft, und mehr nicht.

Und würde diese Meldepflicht für Menschen in Beziehung eingeführt (und würde sich auch jeder dran halten), wüsste man zugleich: Wenn das Gegenüber niemanden erwähnt, ist klar: Da gibt es auch niemanden. Also ist diese Hürde auf dem Weg zum Mehr schon mal genommen.

Dass man auch als Single nur an einer Freundschaft interessiert sein darf, das ist eine andere Geschichte.

Euer Adam

Bild: Edmund Blair Leighton

Dir gefällt das? Dann sag's bitte weiter:

2 Kommentare

  1. Wie verbreitet sind wohl “platonische Freundschaften” zwischen Mann und Frau?

    • liebe Claudia,
      ja, platonische Freundschaften ist ein großes Thema, das die Männer/Frauen-Welt immer und immer wieder beschäftigt. Also Danke für den Hinweis, ich werde mich in den nächsten Wochen auch mal damit auseinandersetzen… Ich denke, sie sind verbreiteter, als man allgemein annimmt…
      Dein Adam

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*

Captcha Captcha Reload


 

© Raoul Biltgen

Top