Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

127 – Der Reiz des Bösen

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Stockfinster liegt das Schlafzimmer vor ihren weit geöffneten Augen. Der Wind peitscht gegen die geschlossenen Fensterläden, laut und unaufhörlich. Sie kann nicht schlafen. Sie hat das Gefühl, schon seit Stunden wach zu liegen, ihr ist warm, heiß, sie spürt, wie die Schweißtropfen über ihren Hals rinnen, der Pyjama klebt an ihren Armen und Beinen, viel zu spät hat sie die Heizung abgedreht, zu spät bevor sie zu Bett gegangen ist, es herrschen sicher 25 Grad in ihrem Zimmer, dabei mag sie es kühl. Nicht kalt, besonders nicht im Winter, aber auf keinen Fall zu warm. Sie strampelt die dicke Daunendecke von ihrem Körper, doch jetzt liegen ihre Füße auf einem übergroßen Knäuel, was unbequem ist. Mit festen Tritten versucht sie, Platz zu schaffen, die Decke weg zu drücken, weg von ihr, da hört sie ein Geräusch.

Was war das?

Den Atem anhaltend lauscht sie in die Wohnung, doch nur der immer lauter werdende Wind von draußen ist zu hören.

Nein, sie hat sich geirrt, was soll sie gehört haben?, sie hat sich selber gehört oder auf der Straße ist etwas umgefallen oder im Badezimmer, hat sie die Fenster alle geschlossen?, ja, oder?, ja.

Wieder.

Nein, das kommt von der Wohnungstür, ganz sicher, wie wenn… Wie wenn jemand am Schloss drehen würde, es dreht jemand am Schloss und…

Nichts mehr.

Doch nun hört sie es überdeutlich: Die Tür wird geöffnet. Jemand öffnet ihre Wohnungstür, jemand kommt in ihre Wohnung. Wer kommt in ihre Wohnung? Niemand kann in ihre Wohnung kommen, niemand anderer hat den Schlüssel zu ihrer Wohnung, sie ist allein, sie lebt allein, seit Monaten, und niemand hat einen Zweitschlüssel, niemand, und selbst wenn, sie hat doch ihren Schlüssel innen im Schloss stecken lassen, dann kann man keinen von außen reinstecken, dann… Dann versteht sie nicht, wer gerade wie in ihre Wohnung gelangt ist.

So vorsichtig wie möglich verlässt sie das Bett und schleicht zur Schlafzimmertür. Sie presst ein Ohr gegen das glatte Holz und lauscht. Da geht wer, in ihr Wohnzimmer, da schleicht wer, Schritte, sie zittert, ihre Hände zittern, ihr ganzer Körper zittert. Neben der Tür steht im Eck ein zusammengeklappter Mikrofonständer. Sie greift danach und öffnet ganz langsam die Tür. Den Mikrofonständer wie einen Baseballschläger vor sich haltend geht sie Schritt für Schritt durch den Flur, ihre Füßen sind unendlich laut auf dem Parkettboden, ihr Atem rasselt, der schweißnasse Pyjama stört sie am Hintern beim Gehen, egal.

Da, ein Lichtschein einer Taschenlampe. Sie späht vorsichtig durch die sperrangelweit geöffnete Wohnzimmertür und sieht ihn. Er steht da, gebeugt, durchwühlt eine Schublade. Mit der Linken schiebt sie die Tür weiter auf und positioniert sich im Türrahmen, bereit.

Dann dreht er sich um, der Einbrecher, groß, sicher ein Kopf größer als sie, ganz in schwarz gekleidet, wie in einem schlechten Krimi, nur die Augen blitzen blau, als er sie anschaut.

Lange stehen sie so da und bewegen sich nicht.

Sehr lange.

Plötzlich setzt er sich in Bewegung, kommt auf sie zu, sie sieht in sein Gesicht, in sein fremdes Gesicht, doch sie rührt sich nicht, sie kann sich nicht rühren, nicht einmal, als er die Taschenlampe weglegt, ihr den Mikrofonständer abnimmt, seine Hand auf ihre Hüfte legt, nein, er legt sie nicht hin, er schiebt sie weiter, zu ihrem Hintern, unter ihrem Pyjamaoberteil den Rücken entlang nach oben, sie wundert sich kurz, dass er keine Handschuhe trägt, müssen Einbrecher nicht Handschuhe tragen?, sein Arm schiebt den Pyjama nach oben, sie spürt einen kalten Luftzug am unteren Rücken, wo die Haut jetzt frei liegt, seine Hand liegt an ihrem Nacken, dann streichen seine Finger über die Schulter nach vorn, zeichnen das Schlüsselbein nach, legen sich auf ihre Brust. Erschrocken stellt sie fest, dass ihre Brustwarze steif ist. Sie schließt die Augen und legt ihren Kopf nach hinten, wieder zittert sie, doch es ist nicht mehr die Angst, es ist die Erwartung, die Hoffnung, die plötzliche Gier, sie wünscht sich seine Lippen auf ihrer Kehle, auf ihrer Brust, sie spürt, wie ihre eigenen Finger die Knöpfe des Pyjamas öffnen, dann, endlich, fließt der warme Hauch seines Atems über ihren Körper, zwischen ihren Brüsten bis zum Bauch, er kniet vor ihr, er zieht die Hose mit einem Ruck hinunter und saugt ihren Geruch. Als er sich wieder aufrichtet, spürt sie seine Nacktheit an ihrer, wann hat er sich ausgezogen?, egal, egal jetzt, er verlangt nach Einlass und sie gewährt ihm Einlass, sie spreizt ihre Beine und er hebt sie mit beiden Händen am Hintern hoch und setzt sie auf sich, dringt in sie ein, tief und fest, und trägt sie, er in ihr, ihre Finger um seinen Rücken gekrallt, zum Schlafzimmer.

Liebe Frauen,

zu sehr Klischee? Zu sehr Porno? Zu sehr Groschenroman?

Oder ist was dran, am Reiz des Unbekannten, des Fremden, Wilden und Unkontrollierbaren, des Dominierenden und Gefährlichen, am Reiz des Bösen?

Ehrlich sein!

Euer Adam

Bild: Gustave Doré

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© Raoul Biltgen

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