Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

128 – Das Händchen Halten

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Liebe Frauen,

wisst Ihr noch, damals, vor zehn Jahren, vor zwanzig Jahren, vor dreißig Jahren, rechnet es selber aus, als wir noch Teenager waren und das höchtse Glück auf Erden eine simple Berührung war, nur mal eben schnell mit dem kleinen Finger einen kleinen Finger streifen, wie unabsichtlich, im Vorübergehen? Und dann dieses Gefühl auf der Haut nicht mehr vergessen können, es hegen und pflegen und hinaustragen in den Tag, in die Woche…

Und dann, eines Tages, war es dann soweit, dann war die Berührung eine absichtliche, eine bewusste, da hat man dann die Hand mit einem Finger angestupst und die Augen nicht aus den Augen gelassen, ob es eh richtig war, ob man es eh nicht übertrieben hatte, ob es eh gewollt war. Und wenn ja, was für ein Glück, dann wurde der zweite Finger dazugelegt, der dritte und vierte, es wurde diese Hand genommen, diese schöne, fremde Hand, diese Hand eines anderen Menschen, und mit der Hand der ganze Mensch, Wärme durchfloss die Hände und man konnte da sitzen, sich bei der Hand halten, sich anschauen, nichts weiter als sich anschauen und sich spüren und dieses Gefühl genießen, diese neue, wunderbare Gefühl, unerklärlich und unbeschreiblich, groß, überwältigend. Glücklich machend.

Ja, damals taten sich neue Welten auf, die plötzlich alles andere in den Schatten stellten. Und was brauchte man dazu? Zwei einander berührende Hände, mehr nicht.

Und dann ging sie los, die schöne Zeit, in der man Hand in Hand war, immer und überall, sich immer mit den Fingern festhaltend durch alle möglichen Lebenssituationen ging, loslassen war nicht möglich. Händchen haltende Pärchen, Teenager halt, die die allerersten Knospen dessen erfuhren, was in den nächsten Jahren zu der seltsam anmutenden Blume namens Liebe werden sollte.

Ist Euch das alles grad zu kitschig?

Mir doch wurscht, ich liebe Kitsch, hin und wieder liebe ich es ganz einfach, und da kann mir niemand was dagegen halten.

Und ja, ich erinnere mich gerne an diese unschuldigen Zeiten zurück. Nein, nicht weil ich sie mir wieder herbeisehne, ich will wahrlich kein Teenager mehr sein, ich bin sehr gerne so alt, wie ich nunmal bin, aber schön war’s trotzdem. Und hin und wieder spüre ich tatsächlich selbst heute noch diese allererste Berührung.

Und hin und wieder passiert es mir auch heute noch, diese allererste Berührung.

Und ich sehe ihr tief in die Augen und unsere Hände halten sich und unsere Finger umschließen einander und mein Kopf wird mir ganz schwindelig vor Kitsch.

Und das ist gut so.

Und dann bin ich gerne wieder Teenager, der zwar irgendwie auch weiß, dass das nur der Anfang von etwas viel Größerem ist, aber es ist ihm egal, denn es ist einfach nur dieser eine Moment, der grad wichtig ist.

Und den kann mir niemand nehmen, niemals.

Euer Adam

Bild: Leo Feist

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© Raoul Biltgen

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