Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

134 – Die platonische Liebe

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Liebe Frauen,

Eine der meistgestellten Fragen, seit es Männer und Frauen gibt: Ist eine Freundschaft zwischen Mann und Frau möglich? Und wenn ich Freundschaft sage, dann meine ich eben diese tiefe Verbundenheit zweier Menschen, ohne dass Sex eine Rolle spielt. Wie die aufmerksame Leserin wohl weiß, habe ich diese Frage schon mal beantwortet (Folge 17 – Die Freundschaft). Und meine Antwort lautete: Ja, das ist möglich. Und kann sehr schön sein. Und kommt leider viel zu selten vor, nämlich aus dem einfachen Grund, dass sich die wenigsten sowas vorstellen können. Viele Menschen glauben einfach, wenn der eine Mensch einen Pimmel hat und der andere eine Vagina, dann gehören diese beiden Körperteile einfach ineinander.

Was aber, wenn man das Wort Freundschaft durch Liebe ersetzt, und trotzdem Sex außen vor lassen will? Immer noch möglich? Was ist dann der Unterschied zwischen Liebe und Freundschaft, wenn es nicht der Geschlechtsverkehr ist?

Also wirklich, ich hoffe doch sehr, dass Ihr, liebe Frauen, Liebe nicht gleichsetzt mit Sex. Ja, Sex ist sehr sehr wichtig, und eine Beziehung baut maßgeblich darauf auf, dass es auch im Bett mit dem Nachbarn klappt, aber doch ist das alleine noch nicht Liebe. Und ebenso ja: Meiner Ansicht nach ist Liebe etwas, das eine besonders intensive Freundschaft umfasst. Und doch ist Freundschaft und Liebe nicht das Gleiche. Liebe ist ein Ausnahmezustand, viele beschreiben ihre Symptome jenen einer Sucht ähnlich: Man braucht den geliebten Menschen, man muss ihn sehen, ihn spüren, mit ihm reden, ohne ihn stürzt man unwillkürlich in ein tiefes Loch, man ist traurig, sehnt sich nach ihm, denkt an nichts anderes als ihn und tut alles, um ihn endlich wieder bei sich zu haben. So wie der Süchtige mit seinem Suchtmittel. Und dabei wird auf vieles andere im Leben einfach mal geschissen. Eine gute Freundschaft aber hält Abwesenheit aus. Ja, man sehnt sich auch nach einem Freund, aber die körperlichen Symptome sind doch meistens gering. Wenn nicht, sollte man mal darüber nachdenken, ob das, was man als Freundschaft wahrnimmt, nicht doch ein wenig mehr ist.

Wenn aber nun diese körperlichen Erscheinungen so wichtig sind, heißt das dann nicht auch, dass das Körperliche an sich eine bedeutende Rolle spielt? Mit anderen Worten: Sex?

Ich bin mal ganz mutig und sage: Nicht unbedingt.

Ja, ich glaube, es gibt sie, die platonische Liebe, die Liebe ohne Sex. Ich bin überzeugt davon, dass man einen Menschen lieben kann, und zwar wirklich ehrlich intensiv, und trotzdem muss man nicht mit ihm ins Bett. Tatsächlich gehe ich davon aus, dass es solche Beziehungen weit mehr gibt, als man denkt. Ist es nicht so, dass in vielen Partnerschaften die Lust auf Sex mit den Jahren schwindet? Das könnte man nun als schlecht darstellen, muss aber nicht sein. Vielleicht ändert sich nur die Art der Liebe. Und vielleicht leidet die Beziehung in einem solchen Fall im Grunde gar nicht darunter, dass nicht mehr miteinander geschlafen wird, sondern darunter, dass die gesellschaftlichen Normen und Vorstellungen vorgeben, dass man, wenn man sich liebt, auch ein supertolles und langandauerndes und ständig stattfindendes Sexuallleben haben muss.

Muss man nicht. Wenn man nicht will. Blöd ist es halt nur, wenn diese Art der Liebe nur einseitig ist. Aber das ist ja immer das Problem bei sich liebenden Menschen, wenn Wünsche voneinander abweichen. Hat also mit Sex erstmal nichts zu tun.

Und dann gibt es sogar die Asexuellen, jene Menschen, die ganz bewusst keinen Sex haben wollen, die gar keine Lust auf Sex verspüren, die ohne auskommen. Könnte man nun als gestört bezeichnen, aber so lange es die Betroffenen nicht stört …

Also: Ja, platonische Liebe ist möglich und sollte nicht unterschätzt werden.

Aber trotzdem bitte mich nicht missverstehen: Ich selber steh auf Sex. Und ich steh auf Liebe. Und ich steh auf Liebe mit Sex. Und dem möchte ich wahrlich nicht entsagen, nur weil da so ein Kolumnist behauptet, es geht auch anders …

Euer Adam

Bild: Simon Perele

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© Raoul Biltgen

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