Liebe Frauen,
schon in der vergangenen Woche habe ich mich dem Thema “Schamhaare” gewidmet. Und da will ich heute weiter machen. Doch bevor ich zum eigentlichen komme, hier noch ein paar Gedanken zum Namen dieser Sache, mit der ich mich hier beschäftigen will.

Das Schamhaar. Die Behaarung der Scham. Wir müssen uns also schämen für das, was dort derart behaart ist, nämlich unsere primären Geschlechtsorgane. Woher dieser Zwang zur Scham nun wieder kommt, ist leicht erklärt: Durch die christlich geprägte Gesellschaft, in der wir leben. Die Kirche hat schon immer gewusst, wie sie die größtmögliche Macht an sich binden kann, nämlich durch die absolute Kontrolle über Tun und Denken und vor allem Fühlen der Menschen. Das Persönlichste, das ein Mensch hat, ist seine Sexualität. Wenn ich also die kontrolliere, kontrolliere ich alles. Also schnell mal sagen, dass das alles pfui ist, Sünde, darf man nicht, und schon läuft der Hase in die Falle.
Also: Auch wenn ich nichts gegen die Bezeichnung „Scham“ unternehmen kann, niemand, weder Frau noch Mann, sollte sich für seine Geschlechtlichkeit schämen. Ohne die geht es nämlich nicht. Sex ist das Wichtigste der Menschheit, denn ohne ihn gibt es keine Menschheit. Ohne Sex keine Fortpflanzung und aus. Dann kommt die Ernährung, denn ohne Essen sterben wir, bevor wir überhaupt Sex haben können. Nur die Eintagsfliegen essen nicht einmal, die haben nur Sex. Dann kommt lange nichts, was wirklich für uns Menschen wichtig wäre. Und dann erst kommt der ganze Rest, mit dem wir uns tagaus, tagein beschäftigen, Geld und Macht und Liebe und Status und Fernsehprogramm…
Aber zurück zur Scham. Ja, die Haare da unten eignen sich tatsächlich sehr gut, wenn man sich für seinen Penis oder seine Vagina schämt, weil mit ordentlich Haar im Schritt lässt sich das ganz gut verstecken. Und das ist auch ein Grund, warum ich durchaus dafür bin, sich darum zu kümmern, wie die Haare dort zu wachsen haben, denn wenn einem das nicht mehr egal ist, dann ist einem auch das dahinter nicht egal. Und erst, wenn einem das eigene Geschlechtsorgan nicht mehr egal ist, kann man anfangen, sich nicht mehr dafür zu schämen. Erst seit den letzten Jahren wird den Mädchen empfohlen, sich mal mit einem Spiegel hinzusetzen, und selber zu erkunden, was es da unten so alles gibt. Und dass sich damit beschäftigen gut ist und wichtig und auf keinen Fall böse. Es ist noch nicht
allzu lange her, da wurde sowohl den Jungen wie den Mädchen empfohlen, mit Badewäsche unter die Dusche oder in die Badewanne zu gehen, damit man sich nur ja nicht zufällig da unten berührt. Erstens verhindert das eine ordentliche Hygiene, zweitens ist es einfach nur Schwachsinn. Berührt Euch, Jugendliche dieser Welt (und Erwachsene auch), beschaut Euch und befingert Euch und, ja, befriedigt Euch selbst. Es geht nicht aufs Rückgrat und man wird auch nicht blind dadurch, im Gegenteil, man wird sehend, man sieht sich selbst, man erkennt sich selbst, esst vom Baum der Erkenntnis, ich hebe hiermit das Verbot Gottes, den Paradiesapfel zu pflücken, auf.
Ja, Ihr merkt, liebe Frauen, ich habe noch gar nichts Konkretes zur Schambehaarung gesagt, aber das hier war mir jetzt wichtiger: Keine Scham. Das gilt genau so für die Männer.
Es geht nicht darum, dass ich jeden zum Nudisten machen will, jeder soll damit umgehen wie er/sie will, aber wenn es Euch hilft, Euch nicht mehr für Eure „Scham“ zu schämen, dann schon mal so viel: Rasiert die Haare weg, gewährt zuallererst Euch selber freien Einblick aufs/ins Allerheiligste. Nein, nicht das Allerheiligste, das hat mit „heilig“ nichts zu tun, worum geht es?, um Schwanz und Muschi, um Penis und Vagina, wie Ihr es auch immer bezeichnen wollt, das ist egal, so lange Ihr Euch damit auseinandersetzt.
Und beim nächsten Mal schreib ich auch was zu den gängigen Schamhaarfrisuren, ohne in einen solchen Aufruf zu verfallen, versprochen.
Euer Adam
Bilder: Johannes Ewald
