Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

142 – Die Zigarette danach

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Liebe Frauen,

da haben wir Männer gerade Sex mit Euch gehabt, ja, wir haben es uns und Euch so richtig gegeben, wie es so schon prolomäßig heißt, nassgeschwitzt sind wir und seid Ihr, erschöpft und außer Atem, es war so richtig gut, für beide natürlich, ich will ja hier keine Diskriminierung schaffen, und ich will, natürlich, auch nicht, dass Ihr jetzt denkt, ich vertrete die Meinung, der Mann muss es der Frau besorgen, weil sie selber ja nur eine Frau ist und blablabla, nein, ich bin, natürlich, für Gleichberechtigung, auch beim Sex, und wenn man gleichberechtigt Sex hat, kommt, natürlich, jeder Mal dran. Und dieses Mal waren halt wir es, wir Männer, und dass wir es waren, war zu Eurer vollsten Zufriedenheit, so viel kann ich Euch sagen. So, also ziehen wir ihn raus, unseren Penis aus Euch, und wir legen uns neben Euch, und Ihr liegt neben uns und alles ist gut.

Alles? Nein, irgendetwas fehlt da. Plötzlich verspüren wir, sofern wir Raucher sind, eine unbändige Lust, uns eine anzustecken. Und da stehen wir vor dem Dilemma: Wollen wir jetzt wirklich zum Nachtkasten greifen, oder zur Hose, die irgendwo liegt, oder, noch schlimmer, aufstehen und von woanders die Zigaretten holen? Und dann im Bett eine rauchen? Wollen tun wir schon, doch dürfen wir auch? Im Schlafzimmer rauchen? Einfach so? Und dabei das Klischee schlechthin erfüllen?

Bei Paaren, wo beide rauchen, stellt sich die Frage nicht wirklich, denn dann kann die Frau diesen unseren männlichen Wunsch gut nachvollziehen und macht ganz einfach mit. Wenn aber nur wir Männer rauchen, Ihr Frauen aber nicht, überhaupt die Tatsache, dass wir rauchen nur von Euch missbilligend geduldet wird, dann haben wir ein Problem.

Dabei ist die Zigarette danach ein Zeichen, dass wir es toll fanden. Die meisten Raucher rauchen gerne. Und die meisten Raucher verbinden verschiedene Gefühle mit dem Rauchen. Eines davon ist: geschafft. Ein zufriedenes Innehalten, nachdem man etwas vollbracht hat, was einen so richtig und komplett erfüllt. Zum Beispiel ein Klavier mit der eigenen Hände Kraft in den fünften Stock geschleppt. Geschafft. Päuschen. Zigarette. Und den Rauch nach einem ersten tiefen Zug gen Himmel stoßend betrachten wir unser Werk, auf das wir stolz sind, auf das wir stolz sein dürfen, auf das auch Ihr stolz seid, immerhin hat Euer Mann das gerade geschafft, habt Ihr also doch nicht irgendeinen Waschlappen an Eurer Seite, der für alles immer nur hilflos die Handwerker ruft.

Und so ist es eben auch mit der Zigarette danach. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, es ist das, was Ihr Euch wahrscheinlich wünscht, wenn Ihr nach dem Sex noch ein wenig kuscheln wollt. Ja, sicher, ichweißichweiß, Kuscheln hat was mit Nähe zu tun, Ihr wollt nach dem natürlich zutiefst befriedigenden Sex nicht gleich alle Bande lösen, Ihr wollt den Kontakt aufrechterhalten, den körperlichen meine ich jetzt, Ihr wollt gemeinsam nachspüren, was Ihr gemeinsam mit uns erlebt habt. Und die Zigarette steht dem im Weg, denn Ihr schickt uns ja raus aus dem Schlafzimmer, weil der Rauch und das stinkt und überhaupt. Und dann liegt Ihr frustriert da, allein, und seid sauer auf uns, weil wir den Glimmstengel Euch vorgezogen haben und von dem ganzen super Gefühl, das Ihr gerade noch nach dem Sex hattet, ist nichts mehr übrig, toll, danke aber auch.

Und wir?

Nein, nicht dass Ihr denkt, wir sitzen derweil woanders und rauchen genüsslich unsere Tschik und lassen es uns gut gehen und die Sonne auf den Bauch scheinen, nein, denn wir wissen, wie Ihr da so rumliegt wie ranzige Butter, und auch wir können aber sowas von gar nicht genießen. Und auch uns ist das tolle Gefühl, weswegen wir ja überhaupt erst die Zigarette rauchen wollten, flöten gegangen.

Und nun?

Keine Ahnung.

Kompromiss?

Entweder Ihr begleitet uns zur Zigarette, wo wir dann Euch in den Arm nehmen, während wir rauchen. Oder …

Jajaja, ich weiß, jetzt habt Ihr alle gedacht: Oder Ihr, Männer, verzichtet darauf. Stimmt’s?, das habt Ihr gedacht. Das wär aber kein Kompromiss. Also kein Oder. Also: So lange kein besserer Vorschlag kommt, bleibe ich bei meinem: Wir rauchen, während wir mit Euch kuscheln.

Euer Adam

Bild: Thomas Rowlandson

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© Raoul Biltgen

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