Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

144 – Die Liebe auf den ersten Blick

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Liebe Frauen,

es war einmal ein Mann, der war auf Skiurlaub. Er fuhr da rum und hatte seinen Spaß. Und dann sah er eine Frau, eingemümmelt in ihren Anorak, Handschuhe, Mütze … Und sie gefiel ihm. Und er ist zu ihr hingegangen und hat gesagt: „Du bist die Mutter meiner Kinder.“ Blöder Spruch? Wie auch immer, in der Zwischenzeit sind sie verheiratet und haben einen Sohn und eine Tochter.

Und dann sage man noch, die Liebe auf den ersten Blick gäbe es nicht.

Die Liebe auf den ersten Blick gibt es nicht.

So, gesagt.

Oh, ich böser böser Mann, sowas zu sagen. Wenn es die Liebe auf den ersten Blick nicht gäbe, dann gäb es doch auch keine Hollywood-Filme. Es gibt auch keine Zauberer und Trolle und kinderfressende Hexen. Außer in Märchen. Und die cinematographischen Ergüsse, die weltweit über die Kinoleinwände flimmern, sind nichts anderes. Weil wir doch so gerne daran glauben, an die Märchen, an die Liebe auf den ersten Blick. Ja, genau, an das Märchen von der Liebe auf den ersten Blick.

Es gibt so einiges auf den ersten Blick. Und zwischen Männern und Frauen gibt es die sexuelle Anziehung auf den ersten Blick. Vielleicht gibt es sogar die Sympathie auf den ersten Blick. Ja, bin ich dabei, habe ich erlebt. Und daraus kann sich dann gerne und gerne auch hoffentlich eine Liebe entwickeln, eine die lange hält, ein Leben lang, bis dass der Tod …, ach was, darüber hinaus. Ja, bin ich dabei. Da ich noch lebe, habe ich es noch nicht erlebt (das darüber hinaus jetzt), aber das ist super, schön, wunderbar. Ich wünsche es jedem und jeder. Aber es hat nichts mit Liebe auf den ersten Blick zu tun. Denn was ist denn das, diese Liebe? Eine Verbundenheit mit einem anderen Menschen, ein Gefühl, dass man diesen anderen Menschen will, braucht, in ihm aufgeht, dieses nicht erklärbare Ding, was dazu führt, dass man einen ganz bestimmten Menschen nie mehr missen will.

Und was sieht man auf den ersten Blick? Ob dir jemand gefällt. Aus. Rein optisch. Es geht um das Aussehen, jene so oft ins böse Eck gestellte Oberflächlichkeit. Das gibt uns der erste Blick. Ob man jemanden mögen könnte, kann man vielleicht auch noch ablesen: Steht man auf schicke Schnösel, wird einem ein erster Blick auf einen rastagelockten Alternativo wohl eher abschrecken. Aber was ist, wenn dies nur eine Verkleidung ist, wenn unter den verfilzten und nach Gras riechenden Haaren eben der erwünschte Schnösel steckt, den man sein Leben lang lieben könnte. Aber er läuft gerade an diesem Tag so abartig rum, weil er eine Wette verloren hat, Fasching ist, keine Ahnung. Oder natürlich umgekehrt: Ihr steht auf Hippie und der Hippie vor Euch trägt Anzug und Krawatte, weil er eben von einer Beerdigung kommt. Ihr könnt es nicht wissen. Und Ihr werdet Euch nicht auf den ersten Blick verlieben. Ihr könnt nur gut finden, was Ihr da seht, oder eben nicht.

Und erst, wenn Ihr jemanden kennenlernt, wirklich kennenlernt, seine tiefsten Gedanken, Wünsche, Gefühle und auch Abgründe, dann könnt Ihr diesen Menschen auch lieben lernen. Für immer und ewig.

Also: Bitte nicht den ersten Blick unterschätzen, nur weil ich behaupte, er hätte nichts mit Liebe zu tun, denn es ist ja doch dieser eine kurze Blick, der eine Fülle an Möglichkeiten eröffnet, von denen eben eine die unüberbrückbare Liebe ist.

Ach, wisst Ihr was? Nennt es doch meinetwegen Liebe auf den ersten Blick, wenn aus einer ersten und spontanen rein äußerlichen und banalen Anziehung tatsächlich die Liebe Eures Lebens geworden ist, denn es klingt ja dann doch viel schöner, ich gebe es ja zu.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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