Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

157 – Das Selbstbewusstsein

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Liebe Frauen,

Ich seh Euch, Euch alle, wie Ihr da steht, vor Euren Spiegeln, und Euch mal wieder nicht schön findet. Diese Haare, die sind ja viel zu strähnig, die Augen müde, Tränensäcke, Krähenfüße, die Haut ist fahl und pickelig, die Mundwinkel ziehen nach unten, der Hals ist faltig, die Brüste zu klein oder ungleich groß oder zu hängend, der Bauch zu dick, die Hüften zu ausladend, der Hintern, ach, über den müssen wir gar nicht reden, so dick ist der, genau wie die Oberschenkel, schwabbelig, spitze Knie, selbst die Füße sind irgendwie nicht gut, und an den Oberarmen hängt das Fett und die Wurstfinger und die Fingernägel mal wieder angeknabbert und … Nein, Ihr findet Euch einfach nicht schön, aber sowas von gar nicht.

Und der einzige Trost, den Ihr habt, ist, dass selbst die Topmodels dieser Welt, die doch einfach nur perfekt sind, dass selbst die sich nicht immer so perfekt finden, dass selbst die wochenlang hungern, ehe sie für Victoria’s Secret auf den Laufsteg gehen, dass selbst deren Gesichter und Beine und Hintern gephotoshopped werden. Was die werten Models ja auch immer in allen Interviews stets und pflichtbewusst betonen. Niemand ist peferkt. Oder: Niemand ist so, wie sie sein will.

Und wir Männer kennen das. Und wir Männer lassen das über uns ergehen. Und wir Männer stehen da und sagen brav: “Neinnein”, wenn Ihr uns nach unserer Meinung fragt, denn wir wissen, dass Ihr doch wohl kaum hören wollt: “Ja, du hast recht, dein Arsch ist zu fett, deine Beine zu kurz, und zu Weihnachten schenk ich dir mal einen facelift, Schatz.”

Oh, klar, Ihr wollt natürlich die Wahrheit hören, was sonst? Aber nur, so lange die Wahrheit ein Kompliment ist. Gebt es zu, es ist so.

Und tatsächlich wollen wir Männer die Wahrheit sagen. ganz ehrlich. Und wir würden es tun. Wüssten wir nicht um die daraus folgenden Konsequenzen.

Und nun möchte ich Euch, liebe Frauen, mal ein kleines Geheimnis verraten: Wir Männer sind beeinflussbar. Aber sowas von. Heißt: Wenn Ihr ständig sagt, was an Euch und Eurem Körper alles nicht so gut ist, finden wir das auch. Wodurch wir ja überhaupt erst in das Dilemma kommen, das dann nicht sagen zu können. Aber umgekehrt geht auch: Frauen, die selbstbewusst auftreten, egal wie sie aussehen, haben dadurch einen direkten Einfluss darauf, wie sie von Männern gefunden werden. Würde die ganze Welt Beth Ditto super finden, wenn sie in jedem Interview über ihre zu vielen Kilos jammern würde? Wohl kaum. Dann würden alle, Männer und Frauen sagen: “Na, dann mach halt was, du fettes Schwein.” So aber: “Ja, echt, die ist toll.” Und das gilt noch viel stärker im privaten Bereich. Es fällt uns leicht naiven Männern einfach viel leichter, eine Frau schön zu finden, die sich selber schön findet. Oder zumindest nicht ständig auf ihren Makeln rumreitet. Selbstbewusste Frauen sind sexy. Egal wie sie aussehen. Frauen, die zufrieden mit sich sind, strahlen das aus. Und dann sind auch ihre Männer zufrieden mit ihnen. Ist so.

Und nun höre ich Euch schon, wie Ihr augenverdrehend ausruft: “Ja, aber. Wie soll ich mich schön finden, wenn ich es doch nicht bin?”

Da müsst Ihr nun Euch selber überlisten. Zuerst müsst Ihr Euch belügen. Ist so. Oder uns. Gleichzeitig. Sagt, auch wenn Ihr es nicht denkt, dass Ihr Mördertitten habt, einen sexy Arsch und überhaupt auch sonst alles gut an Euch findet. Denn, wie meine gerade erbrachte Folgerung ergeben hat, dann werden auch wir das so sehen. Und dann werden wir Euch das auch so sagen. Und dann werden wir tatsächlich die Wahrheit sagen. Und wenn Ihr uns dann glaubt, was Ihr dann ja auch könnt, kommt Ihr vielleicht selber drauf, dass da was dran ist. Naja, so stell ich mir das zumindest vor. Aber ich bin ja nur ein verblendeter Mann, der keine Ahnung hat, nicht wahr?

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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