Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

158 – Die zu dir oder zu mir-Frage

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Liebe Frauen,

ach wie schön ist es doch, wenn man einmal im Leben vollkommen ernsthaft jene Frage stellt, die man sonst nur in schlechten Fernsehfilmen zu hören bekommt, weil doch jeder weiß, dass es sowas in Wirklichkeit nie und nimmer gibt. Ich spreche von der unglaublich tollen, weil alles beinhaltenden Frage „Zu dir oder zu mir?“

Ja, damit ist alles gesagt, wenn sie nach einem Date gestellt wird, welches nur damit enden kann, dass man es gemeinsam in einem Bett verbringt und es lediglich zu klären gilt, wessen Bett es denn sein soll, wohin man den Taxifahrer lenkt, während man knutschend und fummelnd auf der Rückbank sitzt. Zu dir oder zu mir. Mehr braucht es nicht.

Eine Frage, die leider viel zu selten gestellt wird. Ja, auch deswegen leider, weil sie doch so unglaublich cool ist, dass man sich selber so unglaublich cool vorkommt, wenn man sie mal stellen darf, weil es keine andere Frage zu stellen gibt, weil es die einzig zulässige Frage in dieser einen Situation ist. Leider aber auch deshalb, weil man sich meistens doch eher blöd vorkommt, sie tatsächlich zu formulieren. Zu dir oder zu mir? Sind wir in einer Romantikkomödie aus den 80ern? Hoffentlich nicht, so viel Kitsch hält doch kein Mensch aus. Oder aber die Situation erlaubt es einfach nicht, diese eine Frage zu stellen, weil es dann doch nicht so sonnenklar ist und man mit dieser allzu eindeutigen Frage alles in den Sand setzen könnte, was man mühsam und über Stunden aufgebaut hat. Weil wir Männer ja wissen, dass allzu forsches Voranschreiten mit einer Abfuhr enden kann. Allzu langsames natürlich auch. Aber das ist eine andere Geschichte. Es bleibt einem also nichts anderes übrig, als auf die Gelegenheit zu warten, ein verhuschtes „Noch ein Absacker?“ in den Nachthimmel zu werfen, in der Hoffnung, es möge nicht falsch aufgenommen und als aufdringlich empfunden werden. Und in der Hoffnung, es möge nicht überhört werden. Man könnte sagen, der Absacker-Weg ist der vorsichtige Weg, denn jeder hat die Gelegenheit, Müdigkeit, frühes Aufstehen, Gassi gehen müssende Hunde, totkranke Eltern oder unpassende Schuhe vorzuschieben, um den Absacker sein zu lassen, ohne den anderen damit zutiefst zu kränken, obwohl natürlich klar ist, was gemeint ist: „Zu dir oder zu mir?“ – „Du zu dir und ich zu mir.“ Niemand wird verletzt. Jeder glaubt die Lüge. Und alles ist gut. Mit anderen Worten: Der Absacker-Weg ist zugleich auch der feige Weg. Und manchmal ist Feigheit auch nicht so schlecht.

Übrigens: Absacker wird auf wikipedia mit „Scheidebecher“ erklärt. Und das lässt mal wieder vieles offen, nämlich wie denn das gemeint ist: ein Becher, bevor wir scheiden, auseinander gehen, uns nicht mehr wiedersehen? Oder aber: Ein Becher, um in deine Scheide …

Neinneinnein, jetzt mal nicht derb werden hier. Ein Absacker ist auch ein Verdauungsschnaps: Entweder man muss den Abend verdauen, weil er einem so im Magen liegt. Oder aber man muss die Verdauung ein wenig ankurbeln, damit nicht etwa ein übervoller Magen beim anstehenden Sex im Weg ist.

Ein Absacker ist auch ein Fluchtachterl. Und der echte Wiener weiß, dass ein Fluchtachterl keineswegs jenes Achterl Wein ist, das einen in die Flucht schlägt, sondern vielmehr jenes, das dann getrunken wird, wenn sich keiner traut, die Frage „zu dir oder zu mir“ zu stellen.

Und nicht nur die Wiener wissen, dass mehrere Fluchtachterl zwar irgendwann die Hemmschwelle so tief sinken lassen, dass man sie stellt, die Frage aller Fragen, dass man ihr aber nicht mehr gerecht werden kann, denn Alkohol kann durchaus ab einer bestimmten Menge dem Vollzug des Geschlechtsverkehrs im Wege stehen, um es mal so zu sagen. Oder um es anders zu sagen: Besoffen fickt sich’s schlecht.

Deswegen jetzt mal in aller Deutlichkeit: Liebe Frauen, solltet Ihr irgendwann in der Situation sein, in der sich diese eine und einzige Frage stellt, dann wartet nicht darauf, dass es der Mann mal wieder in die Hand nimmt, sagt es selber. Oder wollt Ihr etwa feige Hühner sein?

Euer Adam

Bild: Henri Gerbault

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© Raoul Biltgen

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