Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

173 – Der Telefonsex

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Liebe Frauen,

wir alle wissen, und Ihr natürlich auch, dass Sex längst nicht nur das ist, was sich zwischen den Beinen abspielt, sondern vor allem das, was sich zwischen den Ohren abspielt. Richtig, im Kopf. Was wir uns vorstellen, ist das, was uns geil macht.

Bild: angrylambie

Natürlich spielt da die körperliche Berührung keine unwesentliche Rolle, aber selbst dann geht es doch immer noch vornehmlich um das, was wir uns dabei vorstellen. Wir sehen, wie unser erigierter Penis in die Vagina einer Frau eindringt, und wichtig ist, was im Kopf abgeht. So ist das. Und damit meine ich nicht, dass wir uns dabei eine andere vorstellen. Das soll es geben, und ich möchte absolut nicht darüber urteilen, die Gedanken sind ja schließlich frei, und was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß und so weiter und so fort. Wobei in dem Fall sollte mich schon etwas heiß machen, aber das kann ja auch etwas anderes sein als das, was den anderen heiß macht. Trotzdem muss ich sagen, dass ich Gedanken an etwas anderes als den gerade stattfindenden Sex oder an einen anderen Menschen als den, mit dem ich den gerade stattfindenden Sex habe, eher abtörnend, aber jeder wie er oder sie mag, nicht wahr?

Jaja.

Aber selbst dann, wenn ich voll und ganz bei der Frau bin, die ich gerade ficke oder von der ich gerade gefickt werde, ist mein Hirn ja nur selten komplett außer Dienst gestellt. Und das ist, sofern das, was im Hirn so abgeht, nicht dem widerspricht, was rein körperlich passiert, auch vollkommen ok.

Und ich möchte jetzt mal nicht von den Momenten reden, in denen es leider doch so ist, dass da Gedanken sind, die den Sex zu eher lahmem Sex machen, aus welchem Grund auch immer. Stattdessen möchte ich genau den anderen Fall beleuchten, in dem es nur die Gedanken sind, die eine Rolle spielen. Wenn ich also meiner Phantasie freien Lauf lasse, mir vorstelle, was ich mir auch immer vorstellen mag, um eine körperliche Reaktion zu erzeugen, die mich erfreut. Die mich erregt. Die mich geil macht. Das kennen wir alle, und wir wissen, wozu das führt. Und auch das ist nicht das Schlechteste.

Und meistens ist es doch so, dass wir unsere Phantasie für uns alleine haben. Siehe weiter oben: Was der andere nicht weiß, macht nur mich alleine heiß. Und so.

Aber dann gibt es noch den ganz besonderen Fall, dass der eine den anderen in seine Phantasie eindringen lässt. Ihn teilhaben lässt. Ihn einbaut. Das kann erotisches Geplänkel sein, welches zu Sex führt, handfestem und zu zweit ausgeführtem, es kann aber auch, weil die Umstände es so wollen, bei der Phantasie bleiben. Weil man zum Beispiel örtlich voneinander getrennt ist. Und nur miteinander sprechen kann. Per Telefon. Und man weiß ja, wie das ist: Wenn man weiß, dass es unmöglich ist, will man nichts sehnlicher, als vom Partner oder der Partnerin berührt zu werden, wo’s am schönsten ist. Und weil das nicht geht, sagt man es sich. Und es entsteht ein Dialog der Phantasien. Und die Unmöglichkeit der Umsetzung stachelt das Ganze nur noch an. Und plötzlich ist all das, was sonst so normal ist, wenn man nebeneinander im Bett liegt und ein Liebesspiel beginnt, wieder hochinteressant. Wenn man sich vorstellt, wie ein Finger über den Penis, eine Zungenspitze über die Brustwarze, ein Mund auf einem Mund sich anfühlt. Dann ist ein Kuss plötzlich vollkommen neu und die nicht gespürten Lippen fühlen sich so sinnlich und so voll an, wie sie es noch nie getan haben. Und dazu kommt ja die Vorstellung, dass der/die andere gerade genau dasselbe macht. Und vielleicht, wahrscheinlich, sich gerade dabei berührt. Und die Vorstellungskraft ist die größte Kraft im Universum. Und man kann Dinge per Telefon erleben, die einem sonst womöglich auf ewig verwehrt geblieben wären.

Weshalb ich dringlichst dazu aufrufe, die Gelegenheiten zu nutzen, die sich ergeben. Ja, dann ist man mal getrennt voneinander und vermisst einander und wär so gerne zu Hause und schliefe so gerne vor dem Fernseher ein. Nein. Die Stimme ist machtvoll. Also sprecht miteinander. Tut es. Springt über Eure Schatten, ich weiß, dass man sich am Anfang dämlich vorkommen kann dabei, aber das tut man unter Umständen auch, wenn man sich zum ersten Mal voreinander nackig macht.

Und plötzlich ist eine erbärmlich einsame Selbstbefriedigung in irgendeinem anonymen Hotelzimmer irgendwo in der Pampa eine sexuelle Erfahrung, die man zusammen mit dem Menschen erlebt, den man liebt.

Und da haben wir dann auch den Unterschied zu den bezahlten Telefonjobs dieser Welt.

Und bevor jetzt alle aufschreien: Der Mann hat doch keine Ahnung, redet der was von Telefonsex, dabei gibt es doch längst skype und Konsorten … Ja, das weiß ich auch. Doch das ist ein anderes Thema. Welches nächste Woche behandelt werden will.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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