Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

178 – Das Tanzen

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Liebe Frauen,

Bild: Thomas Rowlandson

als Clubs noch Disko hießen und einmal im Halbjahr im Turnsaal der Schule abgehalten wurden, sprang auch ich zu Van Halens „Jump“ und schrie „Ua ua uh“ zu Bon Jovi und hoffte, dass mit „The Final Countdown“ nicht das letzte Lied des Abends gespielt wurde, obwohl meine Swatch doch unmissverständlich anzeigte, dass es Zeit war, höchste Zeit, denn es war 23 Uhr und der letzte Bus wartete nicht.

In dieser Zeit gehörte ich allerdings auch zu jenen wangenbeflaumten Jungs, die bei „Eternal Flame“ schüchtern an der Wand lehnten, ein Bein hochgestellt, möglichst cool wirkend, darauf hoffend, dass bald wieder die Musik gespielt würde, zu der man keine Partnerin zum Tanzen brauchte. Denn ich war schüchtern. Und angesprochen wurde ich auch nicht.

Ja, Danke, Ihr könnt Euch Euer mitleidiges „oooh“ sparen, ich bin trotzdem zu meinem gekommen.

Meinem was?

Meinem was auch immer.

Letztens aber hatte ich das Vergnügen bei einer Veranstaltung anwesend zu sein, bei welcher eine Coverband eben jene Songs spielte, die ich damals in den entlegenen 80ern gut fand. Und Männer und Frauen meines Alters und ein wenig darüber standen nicht nur auf der Bühne und strampelten sich einen ab, nein, sie strampelten auch vor der Bühne, ja, da wurden Arme hochgerissen und Pos geschüttelt und nicht mehr vorhandene Haare zum headbangen herangezogen. Und diesmal habe ich mir die Erlaubnis gegeben, nicht nur bei den langsamen Nummern mich nicht auf die Tanzfläche zu stürzen, sondern dem seltsamen Getue insgesamt nur zuzuschauen. Was besonders deswegen ein Spaß war, weil eine nette junge Dame neben mir stand und mir den durchaus auch schon vor 25 Jahre geltenden Spruch „An der Art, wie jemand tanzt, erkennt man, wie jemand im Bett ist“ ins Ohr schrie.

Und ich muss zugeben, auch wenn ich nicht viel von alten Sprüchen halte, ich bin überzeugt, dass er in diesem Fall zutrifft. Denn natürlich stellte ich mir alsobald die Tänzer alle beim Geschlechtsverkehr vor. Und natürlich war es schier unmöglich, einen stocksteifen Lulatsch, der gerade mal die Handgelenke abknackste und kleine Trippelschritte machte, als wilden Hengst in der Kiste zu imaginieren. Oder jenes Paar, welches einfach nicht zu einem gemeinsamen Rhythmus finden konnte. Nicht einmal zu einem gemeinsamen Tanzstil, er wollte so etwas wie Rock’n’Roll probieren, während sie es mit einem Walzer (?) versuchte. Die beiden Sex? Naja. Und dann gab es noch die eine Frau, die sich immer noch so jung fühlte, wie sie vor 20 Jahren war. Nur dass ihre Knochen wohl nicht mehr mitmachten. Die war sicher ziemlich ekstatisch im Bett. Oder hyterisch. Oder beides.

Jetzt, da ich diese Momente Revue passieren lasse, finde ich das alles irgendwie gar nicht mehr so lustig. Mir wird fast schwermütig dabei. Warum? Weil die Tänzer so ziemlich alle eine schlechte Figur abgaben? Und es daher wohl nicht ganz so toll in den Schlafzimmern der Welt zugeht? Zumindest bei den Mittelaltrigen? Oder aber, weil sich vielleicht irgendwo noch jemand beobachtend aufgehalten haben mag, mit den gleichen Gedanken wie ich zum Tanzstil der Menschen und den Fertigkeiten im Bett? Und dann hat der irgendwann mich gesehen. Und er hat sich gedacht: Gut, die arthrosekranken und hüftsteifen Typen auf der Tanzfläche haben nicht den besten Sex der Welt, aber der Typ da, der einfach nur rumsteht? Der hat dann wohl keinen.

Und so möchte ich mich bei allen, die an diesem Abend anwesend waren, entschuldigen, und ich hoffe, Ihr hattet noch eine schöne Nacht und Ihr seid unglaublich befriedigt, was das Sexuelle angeht, und Tanzen wird sowieso überbewertet. Und zwar so lange, bis ich mich trau und eine kesse Sohle aufs Parkett lege, mit meiner Freundin, und es wird so sein wie in den Filmen der 80er, als am Schulball plötzlich ein Paar gezeigt hat, was es drauf hatte, und alle anderen haben aufgehört zu tanzen und haben einen Kreis um das wirbelnde und tolle Tanzpaar gebildet und haben ehrfurchtsvoll zugeschaut und haben sich gedacht: „Na wenn die so ficken, wie sie tanzen, dann aber Hallo.“ Oder so.

Euer Adam

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4 Kommentare

  1. Na wenn du beim tanzen gut warst, kann es sonst ja auch nur gut gewesen sein ;-)

  2. Na wenn du beim tanzen gut warst, kann es sonst ja auch nur gut gewesen sein ;-)

  3. Also, ich fand mich gut an dem Abend. Beim Tanzen :-) ))

  4. Also, ich fand mich gut an dem Abend. Beim Tanzen :-) ))

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© Raoul Biltgen

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