Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

181 – Die 80er

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Liebe Frauen,

Bild: still aus dem Video „boys boys boys“ von Sabrina, welches eine der meistgestellten Fragen der späten 80er beantwortet: Ja, man hat ihren Nippel gesehen.

den aufmerksamen Leserinnen unter Euch wird es schon aufgefallen sein: Ich schwelge nicht nur gerne ab und zu mal in Nostalgie, wenn ich dies tue, dann bezieht es sich doch meistens auf die 80er. Und was wissen wir von den 80ern? Genau, da gab es Klamotten, die einfach nur geschmacklos waren, und es gab Musik, die ganz gut zu diesen Klamotten passte.

Nein, eben nicht, es gab noch mehr, viel mehr. Wenn man, wie ich, in den 80ern ein Teenager war. Denn dann gab es all das, was es für Teenager gibt, und für sonst niemanden. Es gibt das erste verknallt Sein, das erste verliebt Sein, die erste Liebe, das erste Mal. Es gibt Pickel, wo man sie am wenigsten gebrauchen kann, weil sie auf der Nasenspitze besonders auffällig sind. Und es gibt die Meinung, dass man Pickel nicht ausdrücken sollte, weil sie sich sonst entzünden und nur noch schlimmer werden. Also läuft man mit einem gelben Pustel auf der Nase rum und hofft, dass er niemandem auffällt. Das tut er aber. Und irgendwann erkennt man, dass ausdrücken ok ist. Auf jeden Fall besser, als nicht ausdrücken. Egal was Eltern sagen. Überhaupt erkennt man, das Eltern nur äußerst selten recht haben. Dass sie aber besonders empfindlich darauf reagieren, wenn man es ihnen sagt. Und selber reagiert man besonders empfindlich, wenn sie einem sagen, dass man in ein paar Jahren anders denken wird. Was man natürlich nie und nimmer tut. Neinnein.

Naja. Dann doch. Gottseidank. Weil als Teenager ist man quasi dazu verpflichtet, Dinge zu tun und zu denken und zu sagen, die einem später peinlich sind. Wem die eigene Pubertät nicht zumindest in Teilen peinlich ist, war ziemlich uncool. Und in den 80ern war nichts wichtiger, als cool zu sein. Und dazu hat man so manches ausprobiert. Man hat gedacht, Schulterpolster erwecken den Eindruck, breite Schultern zu haben. Haben sie nicht. Man hat gedacht, es reicht aus, sich eine Hantel zu kaufen und sie unters Bett zu rollen, um so muskelbepackt wie Arnold Schwarzenegger zu sein. Hat es nicht. Man hat gedacht, es ist besser, bei einem Song, den man gut findet, mitzusingen, auch wenn man gar kein Englisch konnte, als den anderen dabei zuzuschauen. Ist es nicht. Man hat gedacht, man muss saufen, bis es einem wieder hochkommt. Muss man nicht. Man hat gedacht, rauchen ist cool. Ist es nicht. Man hat geglaubt, die Rolling Stones sind auf Abschiedstour. Gut, das waren sie, aber es war nicht die letzte Abschiedstour. Man hat gedacht, Dauerwellen sehen gut aus, sonnengebräunt sieht gut aus, Kajal unter den Augen sieht gut aus, auch und vor allem bei Männern, man ist der Held, wenn man eine 20 MB Festplatte hat, am Computer wohlgemerkt, nicht am Handy, Handy?, was soll das sein? Ihr seht, liebe Frauen, es gibt unendlich viel, was in den 80ern einfach nur Scheiße war.

Und was soll ich sagen? So wie in den 80ern die 60er revitalisiert wurden und wir uns geärgert haben, dass die älteren Geschwister ihre original-Klamotten aus der Zeit einfach mal entsorgt haben, so stehen plötzlich wieder die Teenys in Neonfarben da, und wir wissen: Erstens waren die 80er nicht so, wie H&M es Euch vormachen will, zweitens wird es Euch trotzdem früher oder später peinlich sein. Also: Viel Spaß.

Aber bei all dem Getue der 80er, es ging ums Aussehen, ums cool Sein, darum, wie man ankommt, war das doch alles auch irgendwie unschuldig. Habe ich so das Gefühl. Die heutigen Kids kennen doch schon alles, haben den Durchblick, denen macht man nix vor. Und, ja, jetzt rede ich von Sex. Musste ich mich damals noch heimlich in der Nacht vor den Fernseher stehlen, um wenigstens mal nackte Brüste zu sehen, reicht heute ein Klick, und die Pornos flimmern in allen Varianten über den Schirm. Und war es damals noch das höchste der Gefühle, mal die Brust eines Mädchens beim engen Tanzen an der eigenen zu spüren, so schicken sich heute die Kids Fotos ihrer Genitalien per Handy zu, und wundern sich, wenn die Bilder irgendwann im Netz auftauchen und jeder sie sieht. Und dabei machen die Kids heute nichts anderes, als wir damals gemacht haben: Die Jungs haben auch untereinander geredet, welches Mädel größere Brüste hat und wie sie sich beim Tanzen angefühlt haben und ob diese oder jene schon geknutscht hat und wenn man mal einen Blick in ein Dékolleté werfen konnte, wussten es die anderen auch gleich und eine kleine harmlose Brustwarze wurde in den schillernsten Tönen geschildert und war wie die Entdeckung des Grals. Nur haben sie heute andere technische Mittel. Und während man über unser Verhalten schmunzeln kann, stellt es heute ein Problem dar. Und da lob ich mir meine 80er Jahre, denn trotz aller Peinlichkeiten, es war eine schöne Zeit, die mir die Möglichkeit gelassen hat, mich selber und die anderen gemütlich zu erkunden.

Und damit habe ich den Bogen zurück zum nostalgischen Blick auf die Jugend doch noch geschafft, hurra.

Und deshalb verbleibe ich mit einem fröhlichen „I’m looking for the good time“.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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