Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

182 – Der Sex der Musik

| 3 Kommentare

Liebe Frauen,

was gehört zu einem romantischen Abend?

Bild: Thomas Rowlandson

Ok, schon falsch angefangen, denn jetzt kommt neben Kerzen und ruhiger Musik und lauen Sommerabenden in Hörweite des Meeres: gutes Essen. Dabei wollte ich ganz auf etwas anderes hinaus, was aber Frauen nicht direkt mit Romantik verbinden, nämlich Sex. Also meine Frage neu:

Was gehört zu gutem Sex?

Und schon wieder falsch, denn jetzt kommen die gutgemeinten Tipps, wie mann frau befriedigen kann.

Dabei wollte ich doch nur auf die Begleitmusik kommen.

Also ohne gefinkelte Einleitung: Musik, die man abspielt, wenn man Sex haben möchte. Welche?

Was fällt einem als erstes ein? Natürlich irgendwas Schmalziges, was Romantisches, was Smoothes, etwas mit Sex eben. Das wär dann weniger „Mr. Lover Lover“, als vielmehr „Sexual Healing“. Oder „Lady Marmalade“. Oder auch „Like a Virgin“. Na schön, es geht auch weniger offensichtlich, wenn man bei Madonna bleiben will, und man nimmt „Rain“. Geht auch. Gleiche Liga. Und wer hört schön auf den Text, wenn er gerade dabei ist. Eben.

Nur drängt sich mir eine Frage auf: Warum sind es diese Lieder? Wer sagt uns, dass die uns anmachen? Dass die die richtigen sind, um dabei zu vögeln? Oder anders: Sind es wirklich die?

Ich gebe zu, ich kann mir jetzt auch weniger gut vorstellen, beim Schlümpfelied zu ficken. Aber vielleicht gibt es ja irgendwelche Fetsischisten, die drauf stehen, wenn ihre Sexpartner blau angemalt sind und eine weiße Mütze tragen. Andererseits ist mir mal ein Filmchen untergekommen, Ihr wisst, welche Art ich meine, ein Blasevideo, auf dem im Hintergrund ziemlich lautes Metall-Gehämmer zu hören war. Eine Musikrichting, die ich nun auch nicht unbedingt mit Sex in Zusammenhang gebarcht hätte. Und im Video wurde nicht etwa wild rumgefickt, der Akt an sich hätte auch mit anderer Musik unterlegt sein können. Mit Vivaldi. Bach. Take That. Worauf ich hinaus will: Es geht auch anders. Und wer auf Country steht, wird wohl auch im Schlafzimmer Counrty hören. Oder Schlager. Oder Volksmusik.

Und da ich nicht unbedingt auf Schmalzpop steh, brauch ich die üblichen Sexlieder auch weniger währenddessen. Was ich aber gar nicht brauchen kann, das sind die Songs, die mir auch noch vorgeben, was ich wie zu tun habe. Ich denke an den Klassiker „You can leave your hat on“. Kein schlechter Song an sich, aber muss ich oder meine Partnerin sich dann auch so bewegen, wie Kim Basinger. Und ohne Hut geht schonmal gar nichts. Und wo ich letzte Woche über die 80er geschrieben habe: Das war vielleicht damals das non plus ultra an Sexiness, heute … Naja.

Nur, was wäre wenn wir es ganz ohne Musik machen würden?

Das geht doch nicht.

Warum nicht?

Ganz ehrlich: Bevor ich mir den Kopf zerbreche, was ich auflegen soll, um mich und meine Partnerin in Stimmung zu bringen, lass ich es lieber sein. Auflegen jetzt, trotzdem Sex. Musik spielt man doch nur ab, weil man sonst vielleicht drauf kommt, dass man etwas sagen müsste. Oder Laute von sich geben. Und die hören sich dann irgendwie peinlich an. Aber Musik kleistert alles zu, da muss man sich keine Sorgen machen, und dann drehen wir noch das Licht ab und gut ist. Ich brauch keine Musik beim Sex. Viel lieber höre ich den Menschen, der bei mir ist. Selbst wenn dieser Mensch keine Laute von sich gibt. Dann ist es ein Atmen, ein sich Bewegen, ein Herzklopfen … Und das kann mir keine Musik der Welt ersetzen.

Euer Adam

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3 Kommentare

  1. Sorry, habe gerade erst Punkt 228 “Vorspiel” gesehen, hätte wohl eher dazu gepasst. Und ja, Aznavours She ist ein echter Schmachtfetzen (sonst versucht es halt mit Franie Valli und Can’t take my eyes off of you – geht fast immer – oder das gute alte Samba pa ti von Santana, oder oder oder), aber ebenso eine tolle Liebeserklärung an die Frauen der Welt. Ohne sie wären wir deutlich ärmer dran, nicht wahr?

  2. Hallo Adam!

    Meine Frau hat mich an den PC gesetzt und gebeten, mir doch einmal ein paar Themen durchzulesen (sie hatte dich kontaktiert mit der Bitte um das Thema männliche Hingabe). Ich muss sagen: Klasse gemacht und superinteressant. Oh ja, hin und wieder muss ich zustimmend heftig mit dem Kopf nicken.

    Der Sex der Musik? Ich möchte Musik bei der schönsten Nebensache der Welt ebenfalls nicht haben. Du hast vollkommen Recht, was will man: Den Atem des Partners/der Partnerin hören, das Herzklopfen usw.

    Allerdings vertrete ich die Ansicht, dass Musik vor dem Sex durchaus geeignet ist, möchte man vielleicht eine Stimmung herbeiführen. Und ich glaube, sogar der größte Tanzmuffel unter uns Männern schafft es, seine Frau im Arm zu halten und sich ein wenig im Kreis zu drehen. Empfehlung dafür ist beispielsweise She von Charles Aznavour, sehr stimmungsvoll. Und um Himmels Willen beim nächsten Versuch einen anderen Titel aussuchen, bevor sie denkt, das wird zur Masche. Aber bitte nicht den in Verbindung mit Sex so abgenudelten Bolero von Ravel, Susanne würde ich damit verscheuchen (mancher kann das natürlich anders sehen).

    Mit einem “weiter so” schicke ich einen Gruß aus Köln, und lese nun noch etwas weiter, Anregung schadet nie!

    Stephan

    • Lieber Stephan,
      sag deiner Frau vielen Dank, dass sie dich dazu genötigt hat, mein Zeug zu lesen ;-)
      Und ich denke, über Tipps für gute Musik als Vorspiel (oder je nach Geschmack meinetwegen ja auch währenddessen) freuen sich so manche, die sonst tatsächlich geglaubt hätten, Bolero ist gut. Jedes Mal.
      Liebe Grüße und noch viel Spaß auf der Seite
      Adam

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© Raoul Biltgen

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