Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

214 – Die blinde Liebe

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Liebe Frauen,

Liebe macht blind.

Bild: Félicien Rops

So heißt es, und so können wir es auch alle bestätigen, nicht wahr? Da trifft man auf einen Menschen, man versteht sich mit ihm, man findet ihn sexy, man verliebt sich, man liebt ihn. Und alles ist gut und alle sind glücklich und es gibt kein Wölkchen am Himmel, das sich vor die schön und warm strahlende Sonne schieben könnte.

Und die Zeit vergeht.

Und irgendwann fällt es einem auf: Der hat aber einen dicken Bauch, die hat aber seltsame Zähne, der hat aber wenig Haare, die hat aber struppige Haare, der hat aber einen kleinen Schwanz, die hat aber einen fetten Hintern, der erzählt aber immer den gleichen Scheiß, die hat aber gar nichts zu sagen, der stinkt, die mieft, der nervt, die sollte man mal lieber wieder loswerden.

Gut, so weit muss es nicht kommen.

Und doch: Es kommen die Momente, in denen man sich jener anderen Momente erinnert, in denen Freunde skeptisch waren. Warum nur, ach, warum? Weil sie diesen Menschen nicht geliebt haben. Und deshalb seine Fehler gesehen haben.

Der Beweis ist also erbracht: Liebe macht blind.

Viktor Frankl aber sagt: Liebe macht sehend.

Und ich gebe ihm recht. Denn ich finde es schön anzunehmen, dass wir den Menschen, den wir lieben, so sehen, wie er tatsächlich ist. Liebenswert. Ja, er hat krumme Beine, ja, sie hat eine überdimensional große Nase, na und? Trotzdem ist er einfach nur schön, gerade deswegen ist sie nicht ein langweiliges Püppchen. Wenn wir lieben, sehen wir, dass der Mensch so viel mehr ist, als das, was wir in ihm sehen, wenn wir ihn nicht lieben. Und ist es nicht das, was Liebe ausmacht? Und ist es nicht das, was langandauernde Liebe, meinetwegen sogar Liebe bis in den Tod ausmacht? Dass man die vielen kleinen Fehler, die nunmal jeder von uns hat, zwar irgendwann ebenfalls wahrnimmt, aber all das andere, was vielleicht wirklich sonst niemand sieht, ist einfach um so vieles besser, als dass uns diese nichtigen Details stören könnten?

Und deshalb: Wenn Ihr liebt, seid froh, denn Ihr seht einen Menschen. Und fragt nicht Eure Freundinnen, was die zu sehen glauben, denn die sehen nichts, sie sind blind.

Nur dürft Ihr nicht den Fehler machen, zu glauben, dass verliebt Sein schon Liebe ist. Denn verliebt sein macht zwar auch nicht blind, manchmal aber schielend. Das vergeht zwar, ist aber nicht immer von Vorteil.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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