Liebe Frauen,
Vielleicht habe ich letzte Woche ein paar von Euch ein wenig verwirrt, indem ich meiner Kolumne den Titel „Das Arschloch“ gegeben habe. Manche haben dies wohl im wörtlichen Sinn verstanden, weswegen ich heute genau das tun werde.

Und dabei geht es mir nicht um den Arsch, auch wenn es dazu viel zu sagen gäbe, sondern tatsächlich ums Loch. Es geht um den Mythos Analverkehr.
1. Warum stehen so viel Männer auf Analverkehr?
2. Warum ekelt es so viel Männer vor Analverkehr?
Ad 1.: Es gibt eine nicht unbeträchtliche Azahl an Männern, die Frauen anal penetrieren wollen. Warum? Weil es in den Pornos so vorgemacht wird? Aber wird in den Pornos nicht das vorgemacht, was (von Männern) gekauft wird? Weil sie drauf stehen? Weil sie es auch machen wollen? Und nicht dürfen? Ja, ein Anus ist eng, in den meisten Fällen enger als eine Vagina, und es hat also wohl was mit dem unterschiedlichen (rein mechanischen) Gefühl zu tun. Kann es aber vielleicht auch mit dem Animalischen an dieser Stellung zu tun haben? Wie die Tiere…? Oder hat es was damit zu tun, dass dem Mann durch diese Position durchaus ein Gefühl der Macht über die Frau vermittelt wird? Man(n) ist über ihr? Man(n) sieht nicht in ihr Gesicht? Man(n) kontrolliert die Situation? Ich bin kein Psychologe, aber mein Bauchgefühl (oder ist es das Lendengefühl?) sagt mir, dass da durchaus was dran ist.
Ad 2.: Sobald aber der Mann selber penetriert werden soll (mittels Finger, Dildo…), krümmt und windet er sich, findet es abstoßend, da vergeht es ihm. Und wieder würde die pseudopsychologische Erklärung von ad 1 greifen: Man(n) will sich nicht kontrollieren lassen. Vordergründig wird diese Sexualpraktik gerne in die Schublade mit der grellrosa abschreckenden Beschriftung „schwul“ abgelegt. Und die Schublade wird abgeschlossen und der Schlüssel in hohem Bogen in die Donau geschmissen. Dabei gibt es dieses kleines Ding Prostata. Und die spielt eine nicht unbeträchtliche Rolle beim Sex. Und die haben nicht nur Schwule. Auch der heterosexuelle Mann könnte durchaus was davon haben, wenn die so ein wenig angestupst wird. Und nicht nur die Prostata will bedient werden, auch der Anus selber, der Schließmuskel, durch den ein Finger gleitet, kann Empfindungen beim Mann hervorrufen. Gute Empfindungen. Sofern man nicht vergisst, ein wenig Gleitgel auf den Finger aufzutragen. Und all die Heteros dieser Welt, die bei diesen Zeilen denken: „Pfui, wäh, iih“, verschenken damit leichtfertig Gefühle, die sie vielleicht sogar mögen würden.
Aber was könnt Ihr, liebe Frauen, nun tun? Ausprobieren. Lasst einfach mal die Fingerkuppen über den Anus Eures Mannes streifen, wenn Ihr die Gelegenheit habt, und wartet ab, wie er reagiert. Wenn er nichts sagt, ist es gut, dann könnt ihr auch ein wenig Druck darauf ausüben. Sofern er immer noch nicht negativ darauf eingeht, habt ihre freie Bahn…
Macht nur einen Fehler nicht: Wenn er nicht selber sagt, dass er es genossen hat, ihn danach zu fragen, wie er es fand, denn dann schaltet sich wieder sein Hirn ein, das währenddessen einfach mal auf Kurzurlaub war, und schon schießt ihm der Gedanke: „Ich bin doch nicht schwul“ durch den Kopf. Und dann ist er unter Umständen auch noch sauer auf Euch. Obwohl er es vielleicht gar nicht mal so schlecht gefunden hat. Und hat er es nicht gemocht, wird er es Euch schon zu verstehen geben.
Euer Adam
Bild: Édouard-Henri Avril
