Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

226 – Das Kind im Mann

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Liebe Frauen,

oh, wir Männer, wir sind ja manchmal nicht zum Aushalten, echt, geht gar nicht.

Bild: Henri Gerbault

Da kommt so ein erwachsener Mann daher und stellt sich vor die Auslage eines Spielzeuggeschäfts und begafft stundenlang die Elektroeisenbahn und zeigt mit dem Finger drauf, wenn der Zug aus dem Tunnel tuckert, und der Mund steht offen und der Sabber rinnt und er ist und ist nicht mehr wegzubringen. Wie ein kleines Kind. Nein, schlimmer, denn der Mann, der überlegt sich ernsthaft, reinzugehen und diese Eisenbahn zu kaufen. Nein, nicht diese, eine, einen Bausatz, Schienen und Züge und Häuser und Berge und Straßen, um sich seine eigene kleine Welt zu erbasteln. Und in seinem Schädel ist der Keller bereits leergeräumt und macht Platz für eine ganze Landschaft mit Stadt und Feldern und ein Flugzeug fliegt auch noch darüber und das macht auch richtig Krach. Und weil Ihr, liebe Frauen, ihm das verbietet („Jetzt sei doch mal vernünftig“), wird er in nächster Zukunft immer mal wieder aufs Kondom vergessen, denn wenn er einen Sohn hätte, dann könnte er mit dem Eisenbahn bauen, Tag und Nacht und Tag und immer mehr und besser und größer und …

Gut, manche Männer machen es auch etwas dezenter. Deren Leidenschaft ist dann zum Beispiel ein onine-game. Da kauft er sich für seinen Avatar eine supertolle Rüstung, die ihn viel besser schützt und die einen grünen Edelstein auf der Brustplatte hat, der … nichts kann, aber cool ausschaut, und das Schwert ist auch cool, und der Schild passt zum Schwert, da hat er sich sein Wappen draufgeben lassen, das er sich extra hat kreieren lassen, da steht sein Alias drauf, und zwar in Krkztnmu, was nämlich die Sprache seiner Rasse ist, weil er ist ein Halbschattengewächselb aus dem Land der tröpfelnden Kristallberge, da spricht man so. Und wehe, wenn er an seinem heiligen Donnerstagabend, wenn er mit seinen Halbschattengewächshausfreunden den bösen Obertroll bekämpfen will, mit dem Hund raus muss. Da schlägt er aber zu, der Zorn des Gründervaters der Halb- und Ganztagsgewächshausgnome, und der Zorn ist rot und schimmert über seinem Kopf und dann sollte man ihm nicht zu nahe kommen, denn dann ist seine Resilienz auf hundert und seine Energie auf tausend und da kennt er nix.

Oder aber er steht auf Sport. Ist ja auch gesund. Besser als den ganzen Tag vor dem PC sitzen. Er fährt Rad, er hat sich da diese Spezialanfertigung aus den USA schicken lassen, mit der damals Lance Armstrong gefahren ist, als er gerade mal nicht gedopt war, an diesem einen Mittwochnachmittag, erinnert Ihr Euch?, da ging der ab wie Schmidts BMW, den er selber tiefergelegt hat, und die Flammen auf den Seiten, die sind echt super, die hat er sich selber draufgemalt, dafür hat er einen Airbrushkurs besucht, damit er das auch hinkriegt, und er hat eine ganze Kiste voll Spraydosen an die Hauswand versprüht, um zu üben.

Und er gibt gerne unbelebten Dingen Namen. Seinem Auto, seinem Computer, seinem Penis.

Der Mann ist und bleibt ganz einfach ein Kindskopf. Ist so. Bleibt so. Könnt Ihr nichts machen. Müsst Ihr mit leben.

Aber heißt es nicht, man soll sich sein inneres Kind bewahren?

Na also, hört jetzt auf, rumzumeckern und einen auf Mutti zu machen, und setzt Euch hin und spielt mit Eurem Mann und seinem Spielzeug. Wenn er Euch denn mitspielen lässt. Nur nichts einfach so wegnehmen, denn sonst weint er und man kann ihn nur mit einem Schokoeis trösten, aber das gute, das von Häagen Dasz, schließlich ist er kein kleines Kind mehr, das sich mit einem banalen Nogger zufrieden gibt, weil es denkt, das ist die Erfüllung all seiner Träume.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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