Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

232 – Die Sonnenbadenden

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Liebe Frauen,

der Sommer ist da, hurra, und wir reißen uns alle die Kleider vom Leib und springen in die nächsten Fluten und schmeißen uns auf die nächste Sonnenwiese und lassen uns brutzeln, bis wir schön angebrannt sind.

Bild: Rainer Weisflog

Und das geht ganz besonders gut, wenn wir so aussehen, wie wir aussehen, nach dem letzten Winter, nämlich käseweiß.

Und der erste Sonnenbrand der Saison ist vorprogrammiert und wird wie ein alter Freund, der ab und zu nervt, freudig begrüßt.

Natürlich gibt es ein paar unter uns, die von Natur aus braungebrannt sind. Und es gibt ein paar, die der Natur vorzeitig nachhelfen, indem sie winters die Sonnenstudios dieser Welt aufsuchen und sich die Haut zu Leder gerben lassen. Und es gibt die besonders Cleveren, die sich, sobald das erste Mal Haut an die freie Luft gelangt, einen dieser Selbstbräunerlotionen draufhauen, die man schon in den 80ern hätte verbieten sollen, und zwar aus ästhetischen Gründen, denn orangen gestreifte Haut sieht einfach Scheiße aus.

Und es gibt jene unter uns, zu denen auch ich mich zähle, die sich dieses Mal den guten Vorsatz genommen haben, sich brav einzucremen, bevor es in die Sonne geht. Obwohl Sonnencreme eklig ist. Schmierig und klebrig und kalt beim Auftragen und überhaupt. Und das muss ja erst sein, wenn das T-Shirt fällt, andere Körperteile sind doch sicher nicht so empfindlich. Arme und Nacken und Stirn und Nase zum Beispiel. Ja, das sind auch die, die auf der Badewiese besonders hervorstechen, denn sie leuchten in rot und weiß, wie die österreichische Fahne oder das Rote Kreuz auf weißem Grund, dessen Kunde sie wohl auch demnächst werden dürften, denn sie sind eingeschlafen, als der Schatten des Baumes noch über ihnen war, haben dabei aber nicht an die Erdrotation gedacht, wer tut sowas auch, wir sind ja keine Astronomen.

Und was ist für diese erbarmungswürdigen Wesen die Alternative?

Nicht in die Sonne gehen.

Wir lungern wie die Vampire stets im Schatten, wenn die Sonne die Gemüter aller anderen erhellt, und statt unseren Vitamin D-Haushalt wieder auf Vordermann zu bringen, versinken wir in düsterer Depression, die im krassen Gegensatz zum ewig weiß bleibenden Körper steht, ja, selbst nach Monaten des Sommers, wenn alle braun gebrannt und gesund und vor Vitalität strotzend aus den Urlauben kommen, sind wir immer noch so quarkig wie zuvor, und wir schämen uns in Grund un Boden, wenn wir die mitleidigen Blicke auf unseren speckigen Fettpölsterchen spüren, denn Rettungsringe am Bauch sehen noch blöder aus, wenn sie weiß sind, braun macht schlank und weiß trägt auf, das weiß doch jedes Kind, und sexy ist anders.

Und weil wir uns schämen, ja, schämen, verlassen wir unsere Wohnungen überhaupt nicht mehr, um Euch Schönheiten nicht zu begegnen, bis der Winter kommt, endlich endlich, wo wir wieder einen guten Grund haben, mit langenbeinigen Hosen und langärmeligen Hemden rumzulaufen, um unsere Blässe zu verstecken.

Und wie der moderne Vampir überlegen wir uns, wo es wohl keinen Sommer, den man als solchen bezeichnen kann, gibt, um gegebenenfalls dorthin auszuwandern, Kanada vielleicht, Grönland und Island und die Arktis auch.

Nur ist es da so bitterkalt.

Und wir wollen schon auch, dass es warm ist.

Wenn nur die Sonne nicht wär, die böse böse Sonne, die uns den Sommer nur verdirbt.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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