Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

246 – Das Schenken

| 3 Kommentare

Liebe Frauen,

bekommt Ihr gerne Geschenke?

Bild: John William Godward

Was für eine Frage, natürlich bekommt Ihr gerne Geschenke, wer bekommt nicht gerne Geschenke, jeder bekommt gerne Geschenke, und vor allem Frauen bekommen gerne Geschenke, und zwar vor allem von ihren Männern. Nicht wahr?

Gut, lassen wir das Frauen-Klischee weg und auch die Pauschalisierung und sagen: Die meisten Menschen bekommen gerne Geschenke, und zwar meistens von ihren Partnern. Warum? Weil Geschenke etwas beweisen. Weil sie für etwas stehen. Weil sie zeigen: Ich denk an dich, ich schenk dir was, das bist du mir wert, ich freu mich, wenn ich dir eine Freude machen kann, ich will dir damit meine Liebe vergegenständlichen.

Und dann?

Dann kommt die Forderung.

Geht es Euch, liebe Frauen, nicht doch hin und wieder so, dass Ihr von Eurem Mann, oder von irgendeinem Mann ein Geschenk bekommt, Blumen oder Schmuck oder ein Buch oder was auch immer, und Ihr wisst es ganz genau: Der Schenker will etwas dafür? Und recht oft seid das Ihr. Oder Euer Körper. Oder Euer Vergeben. Oder Eure Zuneigung. Oder Euer Wohlwollen. Oder Euren Kuss. Oder nur die Dankbarkeit, denn wehe, man bedankt sich nicht höflich, dann ist der Schenker gleich mal zutiefst beleidigt.

Aber meistens klappt das ganz gut. Weil wir so getrimmt sind, dass ein Geschenk ein Gegengeschenk verlangt. Sonst stehen wir in der Schuld von wem anderen, und das wollen wir doch nicht, nein, auf keinen Fall.

Aber.

Ist es dann ein Geschenk?

Nein, es ist ein Handel, ein Tausch, ein Geschäft.

Ein Geschenk erwartet nichts zurück. Nicht einmal ein Danke. Ein Geschenk ist ein Geschenk. Und aus. Ein Geschenk bezieht sich ausschließlich auf den Beschenkten, der Schenker bleibt außen vor, der hat, im Grunde, nichts damit zu tun. Zumindest sobald das Geschenk geschenkt ist. Und das ist nicht so einfach, gar nicht so einfach. Und doch essentiell. Denn erst wenn ich etwas schenke, ohne dafür etwas zurückzuverlangen, kann auch mich das Schenken glücklich machen. Denn ich habe keine Erwartungen an das Geschenk oder den Beschenkten. Und wenn ich keine Erwartungen habe, können auch keine Erwartungen enttäuscht werden. Und alles was trotzdem vom Beschenkten zurückkommt, ist dadurch wiederum was? Genau, ein Geschenk. Denn ich bekomme es nicht für etwas, das ich geschenkt habe, sondern eben einfach nur so. Und darüber freue ich mich doch auch viel mehr, wie wenn es halt nur ein Geschenk zurück ist, nicht?

Doch.

Euer Adam

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3 Kommentare

  1. Deine Erläuterungen sind sehr treffend.

  2. Oft fragen andere Frauen die Ehefrau: Was hat dir dein Mann zum Geburtstag geschenkt? Um dann still zu bewerten: Hat der nicht mehr für dich übrig?
    Es wird doch – hoffentlich – aus der gleichen Kasse genommen. Kauft man Dinge, die benötigt werden (Bohrmaschine, Küchengeräte), dann wird gelästert. Unnötige Sachen ist Verschwendung und das kann sich nicht jeder leisten.
    Ich hatte schon in meiner Jugend das Schenken unter Freunden abgeschafft.

    • Gerade unnötige Sachen zu verschenken ist nicht Verschwendung. Und um nötige Sachen anzuschaffen, sollte man nicht ein Geschenk vortäuschen. Das Nötige schafft man sich an, weil es nötig ist. Die Gelegenheit des Schenkens hingegen ist die Gelegenheit, eine Freude zu machen, die über das Nötige hinausgeht. Warum? Weil es einfach nur darum geht, jemand anderem eine Freude zu machen. Und sei es nur für einen kurzen Moment. Da geht es nicht um teures Zeug. Man kann auch eine Blume schenken, die man am Wegesrand gepflückt hat. Sie sagt aus: Ich habe diese schöne Blume gesehen und habe an dich gedacht und hatte in dem Moment den Wunsch, dir eine Freude zu machen. – Na gut, ich revidiere, ich empfinde dieses Schenken sogar als unbedingt nötig. Und wenn andere über eine Blume lästern wollen, dann sollen sie doch.

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© Raoul Biltgen

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