Adam spricht es aus

was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

25 – Der Fußball

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Liebe Frauen,

es ist Fußball.

Gut, eigentlich ist ja immer mehr oder weniger Fußball, aber jetzt ist WM, da ist außer Fußball nichts. Die schnellsten, stärksten und schönster Männer der Welt treten gegeneinander an, um die allerschnellsten, allerstärksten und allerschönsten Männer unter ihnen zu ermitteln. Sie brüllen ihre Brunftschreie in den südafrikanischen Himmel, sie stoßen sich die geweihlosen Köpfe aneinander, sie umtänzeln sich und stecken ihre Reviere ab, sie tun all das, was man halt so aus der männlichen Tierwelt kennt.

Doch die Tiere tun das, um die Weibchen zu beeindrucken. Aber wer schaut Fußball? Wieder nur die Männer. Ja, sicher, es gibt auch Frauen die Fußball schauen, aber ich denke, jede Fernsehanstalt der Welt kann mittels Statistiken belegen, dass der weibliche ein nach wie vor verschwindend geringer Anteil der Zuschauerquoten ausmacht. Man muss sich nur die Werbung zwischen den Spielen anschauen: Bier, Rasierer und die allerneueste Technik. Also auch komplett auf die holde Männlichkeit ausgelegt.

Aber ganz egal, ob nun auch Frauen Fußball schauen oder nicht, die Fußballer selber führen ihre Balzrituale ja eh nur mehr aus einem einzigen Grund auf: Um Geld zu verdienen, denn damit kann man sich jenes bunte Gefieder zulegen, das tatsächlich in der Menschenwelt auf Frauen wirkt: Häuser, Yachten, Autos.

Die Frage aber bleibt, warum sich gerade Männer anschauen, wie andere Männer, also eigentlich ihre Konkurrenten, all das tun, um die potentiellen Geschlechtspartnerinnen von sich zu überzeugen, wozu sie selber gar nicht in der Lage sind. Das ist doch reiner Masochismus, da kann man doch als normal-durchschnittlicher Mann nur sagen: So einen Body werde ich nie haben, so einen Ruhm werde ich nie genießen, so viel Kohle werde ich nie scheffeln. Und wen schleppen die Fußballer dann ab? Eben jene Frauen, die alle Männer doch eigentlich haben wollen, aber niemals bekommen werden: Models, Fernsehsternchen und Popprinzessinnen (oder sollte ich gleich „Poppprinzessinnen“ schreiben?).

Nun, liebe Frauen, wenn Ihr es also unbedingt wissen wollt, warum wir Männer Fußball schauen, obwohl wir selber nichts als langweilige Couchpotatoes sind, dann werde ich Euch den Gefallen tun:

1. Weil wir ganz clevere Kerlchen sind. Warum sollten wir uns selber die schön frisierten Köpfe einschlagen, wenn es ein paar Hohlköpfe gibt, die das für uns erledigen? Die Fußballer sind Helden im Sinne der Antike: Statt dass sich alle Hals und Beine brechen, tun das nur ein paar wenige im Zweikampf, der für ein ganzes Volk entscheidet. Die Zurückgebliebenen aber, die Fans, können sich mit dem erhofften Sieg ihres Auserwählten brüsten. Einer zieht in den Kampf und siegt für alle.

2. Weil wir ziemlich feige sind. Wir wissen ja, dass wir das nicht können, was die von uns erkorenen Helden so drauf haben. Also schieben wir lieber mal die ganze Verantwortung ab. Sollen die die Sache richten. Und wenn meine Mannschaft verliert, kann ich mich immer noch über den Trainer auslassen oder den parteiischen Schiedsrichter oder den zu glatten Ball. Mit anderen Worten: Siege gehören allen, Niederlagen nur den Ausführenden.

3. Weil wir Kinder sind. Lief in den frühen Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als ich also ein Kind war, sonntagnachmittags ein Piratenfilm im Fernsehen, dauerte es nach dem damals noch obligaten „The End“ nur geschätzte dreißig Sekunden, bis der Nachbarsjunge an der Tür klingelte. Und dann schrien wir zugleich: „Ich bin der Rote Korsar.“ Weil wir natürlich nach dem Film selber Piraten spielten und über Sessel und Sofa hinweg die prunkvollen spanischen Dreimaster enterten. Heute klingeln wir vielleicht nicht mehr bei den Freunden, aber trotzdem denken wir nach einem sauber ins lange Eck platzierten Freistoß: „Ich bin Ronaldo, ich bin Messi, ich bin Lahm.“

Naja, Lahm vielleicht weniger, aber was sucht der sich auch so einen blöden Namen aus? Aber beobachtet mal Eure Männer, liebe Frauen, wenn sie nach einem gewonnenen Spiel aufs Klo wanken: Ihre ganze Haltung wird die eines Rooney sein, der gerade den entscheidenden Elfmeter ins Netz gebracht hat. Und ich sage Euch: Wir hören den Jubel und genießen ihn und den angenehmen Schmerz in der Wade, weil den hat uns kein geringerer zugefügt als Frank Ribéry, dieses hinterlistige Aas.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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