Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

255 – Die Strenge

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Liebe Frauen,

kaum schreibe ich davon, dass es ein sinnloses Unterfangen vieler Frauen ist, sich den Mann so zu erziehen, wie sie ihn haben wollen, schreien manche auf, dass Erziehung doch auch was durchaus Gewolltes sein kann.

Bild: Luc Lafnet

Und sie meinen Sex.

Und sie schwingen die Peitschen und zitieren aus den 50 shades of grey und empören sich darüber, dass sich wer darüber empört, dass ein hierarchisches Gebahren lustvoll sein kann.

Also: Ich empöre mich nicht, denn das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Und deswegen versuche ich mich nun ein wenig in der Auseinandersetzung mit der neunschwänzigen Katze und der dominierenden Ledertussi und dem unterwürfigen CEO des lokalen Großbetriebs. Denn das ist doch das Klischee, das wir alle in unseren Schädeln haben, nicht?, dass es die Manager dieser Welt sind, die den ganzen Tag mit Millionenbeträgen jonglieren und dabei Menschenleben in der Hand haben, die ohne mit der Wimper zu zucken zugunsten eines persönlichen Bonus mal eben schnell ein paar Hundert Menschen auf die Straße setzen, die ihre Sekretärin nach Brustumfang und den Chauffeur nach seiner Verschwiegenheit anstellen, dass es genau diese Männer sind, die sich vom verschwiegenen Chauffeur am Abend in die vernebelten Vororte der Kleinstadt fahren lassen, wo sie in einem von außen äußerst bieder anmutenden Reihenhaus auf allen vieren über den verfliesten Kellerboden robben, weil eine blondierte Weißrussin ohne Aufenthaltsgenehmigung aber mit rauchiger Stimme und Autorität im Handgelenk ihn dazu nötigen, nackt bis auf eine Ledermaske, den Hintern von roten Striemen übersät, um sich schließlich und endlich ans Andreaskreuz ketten zu lassen, wo es ihm kommt. Wofür er natürlich bestraft wird, harr harr.

Das ist die eine Variante. Die andere ist das, was wir aus dem pseudoerotischen Machwerk in Grau kennen: Der Prinz, der nicht mehr auf dem Schimmel, sondern im Helikopter kommt, zeigt einer unbedarften Studentin, was Sex so alles kann, und unterwirft sie, dominiert sie, und befriedigt sie mit seiner ständig steifen Stange, so dass sie ach so neue Welten entdecken kann, hurra, da freut sich die Erotikindustrie, denn ab sofort verstauben die teuer per anonymem in braunes Packpapier gewickeltes Paket bestellten Handschellen in den Nachtkastenschubladen der Hausmütterchen und Möchtegernschlampen dieser Welt, weil ihre Männer nicht geheimnisumwobene Geschäftsmänner mit zu ihrem Namen passenden grauen Augen (gibt es sowas überhaupt?) sind, sondern dickbäuchige und ehrlich arbeitende Familienväter, die sich lächerlich vorkommen, wenn sie auswendig gelernte Sätze absondern müssen, was auch der Grund ist, dass es einfach nicht so prickelnd wird, wie es die Phantasie doch versprochen hat.

Aber, liebe Frauen, wenn Ihr jetzt den Eundruck habt, ich lasse mich nur aus über eine Sexualpraktik, die man mögen kann oder nicht, so möchte ich an dieser Stelle zurückrudern und offiziell deklarieren: Ja, die Sache der sogenannten Erziehung kann durchaus lustvoll sein. Und zwar dann, wenn sie nicht nur deswegen ausgeführt wird, weil man denkt, so sein eingeschlafenes Liebesleben irgendwie aufpeppen zu können, und einem nichts anderes einfällt, als Softpornobilder nachzustellen. Also bitte, vergesst die 50 shades und erforscht mal, was wirklich tief in Euch schlummert an Begehren. Und lebt es aus. Und schlagt Euch, kratzt Euch, erniedrigt Euch … Oder: Schlagt, kratzt und erniedrigt Eure Männer, wenn Ihr drauf steht. Und sie. Erzieht einander und spielt Lehrein und Schüler, wenn es Euch anmacht, aber aber aber: So wie es im SM-Bereich stets das safeword gibt, das dem Partner unmissverständlich zu verstehen gibt, dass es reicht, dasss das Spiel beendet wird, und zwar sofort, so solltet Ihr Euch vielleicht auch ein solches Wort für die Beziehung ausdenken: Nicht um damit die Beziehung zu beenden, sondern diesem Spielchen, dass der eine den anderen erziehen muss, oder erziehen zu müssen glaubt, oder erzogen werden will, ein Ende zu setzen, bevor es zu spät ist und der Mann seine Frau nicht mehr mit Namen, sondern mit „Mama“ anspricht.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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