Liebe Frauen,
ich hatte vor ein paar Tagen Geburtstag.
Nein, das sag ich nicht, um jetzt von allen treuen Leserinnen (und Lesern) Glückwünsche und schief gesungene Gratulationen zu erheischen. Im Gegenteil. Mein Geburtstag ist mir recht wurscht, ich habe den Tag nicht anders verbracht als sonst einen Tag, ich war lediglich mit drei Kollegen was trinken, allerdings wussten die nichts von meinem Geburtstag, und ich hab’s auch nicht gesagt.
Oh, bitte, denkt jetzt nicht, ich hätte meinen Geburtstag deshalb verschwiegen, weil ich Geburtstage nicht mag, weil ich Angst vor ihnen hab, weil ich nicht älter werden will. Älter werden ist nichts Schlimmes. Und auch die mit dem Alter einhergegehenden Veränderungen finde ich nicht besonders tragisch. Sichtbares Alter gibt Charakter. Das gilt übrigens meiner bescheidenen Meinung nach nicht nur für Männer, wobei Charakter nicht nur durch Alter entsteht, aber das ist ein anderes Kapitel. Ich will ganz einfach nicht aussehen wie mit 16.
Der Zufall hat es halt so gewollt, dass man an einem Tag zur Welt gekommen ist, aber es hätte auch ein anderer sein können. Da wär’s interessanter, sich selber einen Tag zum Feiertag auszuerkoren, einen Tag, der in irgendeiner Weise eine bestimmte Bedeutung hatte. Der Tag, an dem man eingeschult wurde vielleicht? Nein, war kein besonders einschneidendes Erlebnis. Gibt es nicht Kulturen, in denen Frauen den Tag ihrer ersten Monatsblutung wie den Geburtstag feiern? Das hat was. Dann wär´s bei Männern die erste Ejakulation. Oder, um diesen Gedanken fort zu spinnen, der Tag, an dem man sein erstes Mal hatte? Nur weiß ich nicht mehr, an welchem Tag das war, müsste ich mal die beteiligte Frau fragen, aber das war damals ein eher langsames Herantasten, Sex hatten wir auch vor der ersten Penetration. Wenn ich mich an meine Teenagerzeit zurückerinnere, dann denke ich sogar, mir wäre der Tag wichtiger gewesen, als ich zum ersten Mal in meinem Leben eine nackte weibliche Brust nicht nur in Händen gehalten, sondern auch mit meinen Lippen liebkost habe.
Aber das war doch am Tag deiner Geburt, und zwar die Brust deiner Mutter…
Ihr wisst, wie ich es gemeint hab. Hm, müsste mal ausrechnen, wann denn das gewesen sein könnte… Es war auf jeden Fall in Brüssel, als ich… Oder war’s doch schon… Ich sag’s nicht, denn das soll ganz allein mein Feiertag sein, egal an welchem Tag es nun passiert ist.
Nein, noch anders: Mein Geburtstag ist ein Feiertag für meine Mutter, die hat mich schließlich an diesem Tag zur Welt gebracht.
Wie auch immer, ich wollte ja eigentlich nur erklären, warum mir, und damit den allermeisten Männern, der eigene Geburtstag recht wurscht ist. Und das wollte ich tun, um ein für alle Mal festzustellen, dass wir Männer Euren Geburtstag, liebe Frauen, nicht aus Ignoranz oder gar Verachtung immer wieder vergessen. Es ist uns einfach nicht wichtig.
Doch nun möchte ich doch noch eines wissen: Warum werden wir geschimpft, wenn wir Euren Geburtstag vergessen, und zugleich hasst Ihr es, daran erinnert zu werden, dass Ihr älter werdet? Wo steckt denn da, bitteschön, die Logik?
Euer Adam
