Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

263 – Der Fremde

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Liebe Frauen,

irgendwann war man sich noch fremd.

Bild: Johann Nepomuk Geiger

Irgendwann ist es losgegangen, man hat jemanden getroffen, jemanden, der einem gefallen hat, den man attraktiv fand und den man leiden mochte, den man wiedersehen wollte, von dem man mehr wollte, den man kennenlernen wollte.

Und dann hat man sich kennengelernt und war erfreut über das, was man am anderen kennengelernt hat, man hat sich verliebt und man ist zusammengekommen und man hat den anderen lieben gelernt und man hat ihn kennengelernt.

Und dann kennt man ihn.

Oder sie.

Und dann …

Fehlt auf einmal etwas. Auf einmal ist es nicht mehr so prickelnd, es ist nicht mehr so spannend, es ist, ja, sagen wir es, langweilig geworden. Mist. Warum?

Warum? Das liegt doch auf der Hand. Weil man sich kennt. Weil man dem anderen bekannt ist. Weil es kaum noch etwas Neues zu entdecken gibt, weil man kaum noch etwas Neues zu entdecken geben kann. Ja, das kann auch sein Gutes haben. Aber es besteht die ganz ganz große Möglichkeit, dass das Kennenlernen an sich das war, was die Beziehung bis dahin ausgemacht hat. Und deswegen hat man sich alles Mühe der Welt gegeben, dieses Kennenlernen zu erfüllen, voranzutreiben, mit Spaß, mit Lust, mit allen Sinnen. Und es war schön. Und es wird immer schwerer.

Und man hat ein Problem.

Dabei war es doch das größte Kompliment, das man machen konnte: Ich will dich kennenlernen. Ich will, dass du mich kennenlernst. Alles von dir und alles von mir.

Vielleicht ist es manchmal besser, sich eben nicht kennenzulernen. Oder nicht ganz. Denn dann bewahrt man sich ein Stückchen von dem, was es am Anfang so toll gemacht hat.

Und vielleicht lernt man weniger kennen, als erkennen. Nämlich erkennen, dass es immer noch Dinge kennenzulernen gibt, egal wie sehr man glaubt, wen anderen zu kennen. Und wenn es schwer ist, muss man sich halt Mühe geben. Und wenn es Mühe macht, muss man halt etwas aufmerksamer sein. Und wenn man aufmerksam ist und plötzlich vor etwas Neuem steht, muss man es genießen, man muss sich freuen wie ein Schneekönig, der plötzlich eine Schneeflocke entdeckt, die er vorher noch nie in seinem Schneereich gesehen hat.

Und man muss sich immer etwas fremd bleiben.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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