Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

281 – Das Gaffen

| 6 Kommentare

Liebe Frauen,

der Frühling ist da und damit auch der Zeit, der leichten Bekleidung.

Bild: Bundesarchiv

Ach, seht sie Euch an, die jungen Frauen, wie sie es genießen, dass die Sonne ihre Haut erwärmt, wie sie, mit der Sonne um die Wette freudenstrahlend das Leben leben, wie sie es gerade angenehm finden, wie sie sind. Da ist es doch klar, dass sie jene störenden Stofffetzen der letzten Wntertage endlich von sich reißen und so wenig wie möglich Texil tragen wollen, sie zeigen Arme und Beine und Bäuche und Rücken und auch ein wenig Brüste und wo wir grad dabei sind, wird auch der Popo so eng wie möglich bedeckt und also so gut wie möglich in Szene gesetzt. Seht es Euch an, ist es nicht schön?

Ach, Ihr wollt das nicht sehen?

Na gut, dann eben nicht.

Ach so, Ihr wollt nicht, dass wir das sehen, wir Männer, die wir an Euren Händen durch die Gegend spazieren, da wir ja nur Augen für den Körper haben sollen, dessen Hand wir halten, da es der Körper des Menschen ist, den wir lieben. Mit dem wir Sex haben. Den wir also sexy zu finden haben. Und nicht die Körper anderer Frauen, egal wie zeigefreudig sie sich geben. Verstehe.

Das Problem ist: Alle Männer gaffen Frauen nach.

Das zweite Problem ist: Alle Männer, die in einer Beziehung sind, wissen, dass ihre Angetrauten das nicht wollen.

Und das dritte Problem ist: Sie tun es trotzdem.

Und obwohl ich Euch, liebe Frauen, für durchaus männerdurchschauend einschätze, will ich den einen oder anderen Trick verraten, wie die Männer denken, es anstellen zu müssen, damit Ihr ihnen nicht drauf kommt, dass sie es tun.

Eine andere Möglichkeit stellt der vorbereitende Schwenk dar: Es wird eine Frau ins Visier genommen, die man sich genauer anschauen will, die gerade auf einen zukommt. Also dreht der Mann den Kopf nach hinten, um einen Blick über seine Schulter zum vermeintlich ganz besonders interessanten Bushäuschen zu werfen. Und zwar so lange, bis die Frau automatisch ins Blickfeld kommt. Kann der Mann ja nichts dafür, dass die Frau sich da einfach so in sein Bild drängt.

Die andere Variante ist das Gegenteil: Hat man die Frau angegafft, lässt man sie aus dem Blickfeld hinausgehen, man selber hält aber die Blickrichtung bei, um so zu signalisieren, dass man sich eh ganz was anderes angeschaut hat als die Frau. Das ganz besonders interessante Bushäuschen zum Beispiel nämlich.

Wesentlich banaler ist die Sonnenbrillentechnik: Sonnebrille auf, und dahinter schwirren die Augen nach rechts und nach links, wo es gerade einen spannenden Hintern oder ansprechende Brust zu entdecken gibt, während der Kopf aber stur nach vorne gerichtet bleibt.

Und nun, da Ihr Euch satt gelesen habt an abstrusen Vorgehensweisen, nur um Frauen abzuchecken, während der Mann doch eigentlich kein Recht hat, das zu tun, möchte ich mir mal kurz ein paar Gedanken machen darüber, ob er wirklich nicht das Recht hat, das zu tun.

Hat denn der Mensch nicht auch das Recht, Beatles zu hören, wenn die Lieblingsband die Rolling Stones sind? Auch mal ein Schnitzel zu essen, wenn das Lieblingsgericht aber Steak ist? Klimt gut zu finden, wenn der Lieblingsmaler Matisse ist?

Oder ist der Vergleich nicht zulässig, weil es sich doch hier um Menschen handelt?

Menschen, die sich selber wie fühlen, weil ihr Mann eine andere Frau anschaut? Abgewertet?

Das hieße, dass Männer automatisch jedes Mal einen Vergleich mit der eigenen Frau anstellen, wenn sie eine andere sehen.

So viel kann ich sagen: Das tun sie nicht. Das tun sie selten.

Ich möchte aber mal eine alternative Sichtweise auf das Geschehen anbieten: Der Mann hält Eure Hand. Zeigt er damit nicht, dass Ihr diejenige seid, die er bevorzugt? Dass Ihr die Stones seid, das Steak und Matisse in einem?

Oder noch anders gedacht: Schaut Ihr Euch nicht auch ab und an einen Mann an und denkt Euch: Nett? Was wäre denn, wenn Ihr Eure Beobachtungen mit Eurem Mann teilen würdet? Und er seine mit Euch?

Euer Adam

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6 Kommentare

  1. Alles zutreffend. Danke, dass du den Frauen erklärt hast, dass das Gaffen nichts Negatives ist. Es ist das grundsätzliche Interesse an Frauen. Man stelle sich den Mann vor, den Frauen nicht interessierten.

    • du meinst: man stelle sich den heterosexuellen Mann vor, der …

      • Natürlich meine ich nur den Hetero.
        Zur Erklärung nehme ich wieder das Auto. Könnte aber auch alles andere sein.
        Wenn sich jemand für Autos interessiert, dann guckt er nach anderen Autos, auch wenn er ein Auto hat. Selbst wenn seins nagelneu ist.
        Umgekehrt: Wer kein Autofan ist, guckt nicht nach anderen Autos. Er sieht aber auch sein eigenes Auto nur als das was es ist: ein Fortbewegungsmittel. Oder ganz schlimm: als das Ding, das man benutzt.

        • deswegen habe ich letztens beim Auto-Vergleich gezögert: es ist vollkommen ok, sein Auto als Ding, das man benutzt, zu sehen. Ein anderer Mensch niemals. Und da kommen wir auf die andere Ebene beim Gaffen: Begaffte Frauen können sich als reines Begaff-Objekt fühlen, als als ein Ding, das man benutzt, um es anzuschauen, weil’s gut ausschaut, und aus. Und die gleiche Reduzierung können Frauen empfinden, wenn ihr Mann andere anschaut, weil sie sich denken können, dass sie im Grunde ersetzbar sind. Ich sage ausdrücklich nicht, dass es immer so ist, aber dass es so sein kann und dass es so empfunden werden kann. Und daran sollten wir eben auch denken, wenn wir etwas tun, wie es von anderen aufgefasst wird.

          • Wenn man es gaffen nennt, dann klingt es negativ. Ich gucke mir auch einen Mann an mit einer sportlichen Figur und einem sportlichen Gang.
            Wenn sich jemand herrichtet, dann will er ANDEREN gefallen. Finde ich ja gut. Aber bist du nicht mit mir der Meinung, dass derjenige auch angeschaut werden möchte? Brat Pitt ist nicht immer da.

            Niemand macht das nur für sich, wenn es auch oft behauptet wird. Welche Frau schminkt sich, zieht das kleine Schwarze und die Highheels an und setzt sich vor den Fernseher? (stammt sinngemäß von einer Frau).

            Ich hatte mal eine junge Frau gefragt, warum sich Frauen die Geschlechtsmerkmale vergrößern. Sie hatte mich ganz entgeistert angesehen und Luft geholt. Ich habe gesagt: “Danke, ich will keine Antwort.”

          • ich meine schon gaffen. Auch eine Frau, die sich schön hergerichtet hat und damit den Blick von Männern auf sich lenken will, möchte nicht angegafft werde. Es liegt darin, wie man wen anschaut.

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© Raoul Biltgen

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