Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

288 – Das Achselhaar

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Liebe Frauen,

Nena.

Menschen, die sie nicht erst seit ihren Auftritten in den letzten Jahren bei dieser einen Casting-Show kennen, sondern noch ihre in der Zwischenzeit zum Kult avancierten Anfänge aus den 80ern kennen, wissen, warum ich mit Nena beginne, wenn ich über Achselhaare schreibe. Weil sie sie nämliche damals hat sprießen lassen. Und zur Schau gestellt hat. Und wurscht.

Und dann stöbere ich mal wieder ein wenig durch das weltweite Netz, und worauf stoße ich? Auf Fotos von jungen Frauen, die ebenfalls ihre Achselhaare in Szene setzen. Darunter immerhin welche, die Vorbild für viele andere Frauen, oder auch Mädchen sind. Zum Beispiel Miley Cyrus. Ja, sicher sie, zieht sich bei jeder Gelegenheit mal aus, das ist allgemein bekannt, ab und an küsst sie Frauen, auch da schreit kein Hahn mehr danach, die Sache mit Schwarzeneggers Sohn ist auch schon wieder sowas von vergessen (ja, die waren mal ein Paar), was kann die gute Frau, die sich vehementest gegen die Disney-isierung ihres Lebens zur Wehr setzt, denn noch tun, was sie in die Zeitungen bringt? Musik? Langweilig. Aha, Achselhaare wachsen lassen? Langweilig. Nein, die gute Miley färbt sie sich. Rot. Hurra, da kann sie gleich auch ihrer alten Konkurrentin Madonna eins auswischen, denn die hat es vor Ewigkeiten auch schon mal damit probiert und es kurzfristig in die Schalgzeilen bestimmter Medien geschafft: Uh, ich rasier mir meine Achselhaare nicht ab. Miley aber, die setzt noch einen drauf. Rot. Warum nicht?

Darum nicht: Weil sie es für ein einziges Foto gemacht hat, oder vielleicht gibt es auch noch ein zweites meinetwegen, aber man muss nur googlen, schon ist klar, dass auch sie viel lieber ihre glatten Achseln in die Kameras dieser Welt streckt. So wie Madonna auch. Nur Nena, die hat es damals, davon gehe ich mal aus, nicht einfach nur aus Kalkül gemacht, sondern … weil sie sich halt die Achseln nicht rasiert hat. Deswegen auch nicht die Haare dort gefärbt. Oder in Form gebracht. Iih.

Iih, sagen die meisten, wenn sie die Achselhaare von Frauen sehen. Das geht doch nicht, das ist nicht … Was? Was ist es nicht? Bitte komm mir keiner mit hygienisch, denn mit Hygiene hat das nichts zu tun, man kann sich ja waschen, herrgott, und zwar auch unter den Armen. Und wenn es um Hygiene ginge, dann hätten die Männer, die die Achselhaare von Frauen so eklig finden, ja auch schon früher drauf kommen können, sich die eigenen Achselhaare abzumachen. Hat aber gebraucht, bis meine Geschlechtsgenossen auf den trend aufgesprungen sind. Und dann noch: Wirklich durchgesetzt in der breiten Masse hat sich das noch lange nicht.

Aber weil dieser trend bei Männern eben doch verhältnismäßig neu ist, lässt sich daraus auch sehr gut folgern, dass es auch bei Frauen nur ein trend ist. Einer, der sich in den westlichen Gesellschaften recht erfolgreich durchgesetzt hat und schon länger am Leben hält, aber es geht doch nur um eine Modeerscheinung. So wie so viele andere auch. Und das schöne an Mode ist, dass man damit machen kann, was man will. Ihr folgen oder nicht.

Worauf ich hinauswill: Ich finde es lächerlich, wenn man als Möchtegernstar (und ich habe durchaus nicht grundsätzlich was gegen Miley) glaubt, man müsse unbedingt und auf Teufel komm raus rebellieren, und dann fällt einem nichts anderes ein, als die – gefärbten oder nicht gefärbten – Achselhaare herzuzeigen und revolution zu schreien. Denn im Grunde zeigt man doch nur damit etwas, was jeder Mensch hat. Und man rebelliert nur gegen eine Mode. Die auch wieder vergehen wird. Irgendwann. Ja, wenn das Mädel keinen Bock hat, sich die Achseln zu rasieren, dann soll sie es halt bleiben lassen. Aber dass dieses banale Mittelchen, Schlagzeilen zu machen, funktioniert, liegt nicht an ihr, sondern an uns. An uns allen, die es für selbstverständlich erachten, dass sich Frauen die Achseln glatt machen und nur ja kein Stöppelchen übersehen.

Nun könnte mein Fazit des heutigen Tages folgerichtig lauten: Scheißt doch auf irgendwelche Modediktate, liebe Frauen, und lasst wachsen, was zum Wachsen da ist. Doch so werde ich heute nicht enden. Denn: Was man schön findet oder nicht, muss nicht immer beurteilt werden. So. Ich finde Achselhaare nicht schön. Aus.

Nicht aus: Auch Nena hat ihren Geschmack in der Zwischenzeit geändert.

Jetzt aus.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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