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290 – Die Hingabe

27. Juli 2015

1 Kommentar

  • Liebe
  • Sex

Liebe Frauen,

Männer machen.

So ist es doch, oder? Männer machen. Männer müssen machen und Männer wollen machen. Männer nehmen die Dinge in die Hand, sie werden aktiv, sie packen den Stier bei den Hörnern und tun, was ein Mann tun muss. Und zwar in allen Belangen des Lebens. Also auch beim Sex.

Ach, man muss sich nur die Anatomie anschauen, und schon weiß man, dass es nicht anders sein kann, schließlich ist der Mann der Penetrierer, die Frau wird penetriert. Das sagt doch schon alles. Der Mann besorgt es doch der Frau. Der Mann will doch immer. Der Mann muss gut im Bett sein. Der Mann muss wissen, was er will und wie er das bekommt, was er will. Und wie er eine Frau glücklich macht, das auch, denn das will er ja auch.

290 - die Hingabe | Adam sprichtUnd die Frau? Die Frau gibt sich ihm hin. So ist das.

Ist das so?

Das ist so.

Aber muss es so sein?

Es ist so.

Ja, gut, es ist so, schon verstanden, aber muss es so sein?

Tja, gute Frage, nicht wahr? Gute Frage, leichte Antwort: Nein, natürlich nicht. Dass es so ist, ist doch nur so, weil wir es so gemacht haben. Im Laufe der Jahrhunderte. Vor dem Hintergrund unserer Kultur. Das hat weder etwas mit Biologie, noch mit Anatomie, noch mit Gottgegeben oder so zu tun. Wir können tun und lassen, was wir wollen.

Was bedeutet: Wollen wir das? Wollen Frauen den aktiven Part übernehmen? Wollen Männer passiv sein, sich hingeben, ganz und gar?

Gottseidank gibt es nicht „die Frauen“ und „die Männer“, egal wie sehr wir die Normen und Klischees lieben, da sie uns Sicherheit geben. Aber es gibt auch jene, die das nicht brauchen. Ja, auch Männer können sich hingeben, ganz und gar, mit Haut und Haar, sich der Frau überlassen, die Kontrolle abgeben, und die Sicherheit, immer alles im Griff zu haben, im wahrsten und im übertragenen Sinn des Wortes aufgeben.

Tatsächlich glaube ich nämlich, dass es bei der Hingabe vor allem um Sicherheit geht. Sich sicher fühlen bei dem, was man macht oder was mit einem gemacht wird. Dass einem nichts passieren kann. Dass man also genießen kann. Und dass man auch genießen kann, eben diese Sicherheit aufs Spiel zu setzen und Dinge zuzulassen, die man nicht selber entscheidet, bedeutet, also ein Risiko einzugehen. Und Risiko ist gerade beim Sex ein wesentlicher Bestandteil. Warum wird denn Sex, der immer genau gleich abläuft, mit der Zeit langweilig? Wenn doch trotzdem alle Orgasmen, die wir uns wünschen, stattfinden. Weil es beim Sex nicht in erster Linie um den Orgasmus geht, sondern um das, was zum Orgasmus führt. Und wenn wir dabei ein gewisses, überschaubares Risiko eingehen, keines, wo man das Leben gefährdet, in der Regel zumindest, dann ist der Orgasmus nicht nur eine körperliche Sache, sondern steht in direkter Verbindung mit der Erleichterung, dass das, was mit uns passiert, nicht nur nicht schlecht ist, sondern so richtig geil. Und da ist es sehr schade, dass unsere gesellschaftlichen Konventionen uns auch noch und gerade beim Sex in Rollen pressen, die es uns nur erlauben, entweder oder zu erleben, entweder wir sind diejenigen, die bestimmen (meistens der Mann), oder aber wir sind diejenigen, die uns hingeben (meistens die Frau). Dabei ist es doch so spannend, beides erleben zu können. Je nach Belieben. Oder je nach Belieben des Partners.

Und nein, Hingabe ist nicht gleichbedeutend mit Unterwerfung, auch wenn es ein Schritt in die Richtung ist.

Euer Adam

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1 Kommentar zu "290 – Die Hingabe"

  • Lieber Adam,

    herzlichen Dank für die Aufnahme des Themas, wie immer auf den Punkt gebracht!

    Ich kann dir nur zustimmen: Es geht um Sicherheit in Verbindung mit sehr viel vorhandenem Vertrauen, was wiederum die Sicherheit gibt (gilt natürlich für beide Seiten).

    Oh ja, es ist extrem geil, wenn man diese völlige Hingabe erleben darf. Ich sehe es als echtes Geschenk, wenn mein Mann derart vollkommen los lässt (lassen kann) und die Kontrolle über sich so aufgibt, zumal etwaige \“gesellschaftliche Normen\“ oder sogar anerzogene Verhaltensweisen dann überhaupt nicht mehr von Belang sind.

    Also vielen Dank und liebe Grüße
    Susanne

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