Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

299 – Die Zeit für Sex

| 6 Kommentare

Liebe Frauen,

es gibt Statistiken darüber, wieviel Zeit wir womit verbringen.

Bild: Franz von Bayros

Ich kenn sie nicht.

Würde ich Statistiken darüber lesen, wie viel Zeit wir womit verbringen, würde ich diese Statistiken schon wieder verfälschen, denn ich glaube nicht, dass darin aufgelistet steht, wie viel Zeit ich mit dem Lesen von Statistiken verbringe. Oder verbringen darf. Oder verbringen soll. Und weil ich diese Statistiken nicht lese, schätze ich einfach mal so in den Tag hinein, auch wenn das aber voll unwissenschaftlich und voll unbelegt ist: Die meiste Zeit geht wohl mit Arbeit drauf. Wenn wir irgendwo einen angestellten Job haben, sind das schon mal an die acht Stunden am Tag, also ein Drittel der uns zur Verfügung stehenden Zeit. Aber auch wenn wir Freiberufler sind, kann man ähnlich viel Zeit dafür veranschlagen (ich weiß, wovon ich rede). Zumindest wenn man es ernsthaft betreibt und sich nicht Freiberufler nennt und Freizeitler meint. Was kommt dann? Schlafen. Manche schlafen ebenfalls acht Stunden, manche sogar länger, die meisten wahrscheinlich knapp weniger. Fast zwei Drittel also aufgebraucht. Dann kommen noch die ganzen Sachen wie Duschen, Klo, Essen dazu, was man halt so tun muss, um zu überleben und nicht zu stinken, so dass auch Menschen um einen herum überleben. Vergessen habe ich noch Wegzeiten, um von hier nach da, von zu Hause zur Arbeit, von der Arbeit nach Hause, vom Klo zur Dusche und vom Herd zum Tisch zu gelangen. Und nun bleiben noch so ein paar angeknabberte Stündchen, in die wir all das packen, was wir auch noch gerne machen. TV schauen zum Beispiel. Freunde treffen, was trinken gehen, oder joggen, sporteln, Spiele spielen und games zocken und lesen und gärtnern und so weiter. Hobbys halt. Und natürlich facebook. Facebook hätte, was den Zeitaufwand angeht, wesentlich früher genannt werden müssen. Für viele. Facebook und twitter und instagram und wie sie alle heißen, die Konsorten. Nur google+ ist und bleibt zu vernachlässigen.

Und dann?

Dann fehlt noch immer was.

Nämlich Sex, genau, das war nicht schwer zu erraten.

Aber schwer noch irgendwo unterzubringen.

Wenn ich mich so umhöre, dann fällt es mir nicht schwer, einen guten Grund dafür zu finden, warum Menschen immer weniger Sex haben, obwohl sie ständig davon umgeben sind. Weil sie müde sind. Weil sie viel zu viel zu tun haben. Weil keine Zeit bleibt für Sex. Höchstens am Wochenende. Aber aufs Wochenende wird so viel verschoben, da ist auch kaum noch Platz.

Und dann wundern wir uns, wenn wir miesepetrig dreinschauen.

Sex ist halt nunmal auch wichtig. Ich schreibe bewusst auch, denn es gibt wirklich Wichtigeres als Sex und für manche ist Sex wirklich nicht besonders wichtig, aber für diejenigen, denen Sex einen gewissen Grad an Wichtigkeit im Leben spielt, ist es nicht lustig, wenn sie einfach nicht mehr dazu kommen.

Und wer ist schuld?

Nein, nicht die schnelllebige Zeit oder die Gesellschaft oder die Wirtschaft, die uns zwingt, so viel Zeit damit zu verbringen, Geld zu verdienen. Wir sind schuld. Weil der Mensch frei ist.

Ja, ist er, auch wenn es manchmal nicht so ausschaut.

Wer ernsthaft schon mal in seinem Leben gesagt hat, es bleibt kaum Zeit für Sex, der nehme ein Blatt Papier und male darauf einen großen Kreis. Den teile er in 24 Stücke ein, welche die Stunden darstellen. Und nun werden die Stunden aufgeteilt, wie sie verbracht werden. Daneben werden alle Dinge, die man so tut und nicht tut, ihrer Wichtigkeit nach aufgelistet. Und dann wird verglichen. Und dann entdecken wir manche Sachen, die weit weniger wichtig sind als Sex, die weit mehr Zeit in Anspruch nehmen. Und was ist die Konsequenz? Richtig, neue Zeitaufteilung. Platz schaffen für Sex. Und welche Lösung ist jene, die wohl am einfachsten umzusetzen ist? Genau. Facebook aus, twitter aus, Handy aus, Computer aus …

Obwohl Ihr dann nicht mehr lesen könnt, was ich so schreib.

Egal, wenn Ihr die Zeit, die Ihr nicht mit meinen Ergüssen zu Sex verbringt, mit Sex verbringt, soll es mir recht sein.

Viel Spaß.

Euer Adam

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6 Kommentare

  1. Hmm..jaaa….,dass macht schon nachdenklich.
    Wir leben heute immer mehr in einer Gesellschaft in der es begrüßt wird straight and just in Time seinen Weg zu gehen.
    Meine Bekannte, eine gelernte Frisörin, arbeitet 7 Tage die Woche, 10 Stunden jeden Tag. Kann sie sich ein eigenes Auto leisten? NEIN!
    Kann sie es sich erlauben mit ihrer Tochter wenigstens einmal im Jahr in den Urlaub zu fahren? NEIN!
    Kann sie es sich erlauben sich Zeit zu nehmen um mit ihrer Affaire endlich mal wieder gesunden Sex zu haben? NEIN!
    Ich spüre immer mehr und mehr, dass dieses System welches uns so straight organisiert, uns immer weniger Spielraum für die schönen Dinge im Leben läßt.
    In anderen Kulturen, zb. der ostasiatischen, ist “just in time”, gänzlich unbekannt. Dort kommt man immer noch erst seinen eigenen Bedürfnissen nach, bevor man dem Chef den Arsch lecken darf.

    • ich könnte jetzt sagen, dass “dem Chef den Arsch lecken” ja unter Umständen Arbeit und Zeit für Sex miteinander verbindet … aber nein, das wir selbst mir zu blöd. Aber es ist ein Problem, dass immer mehr nur die Arbeit als wichtig erachtet wird. Weil es geht ja nicht nur um die Zeit für Sex, es geht auch um Zeit für die Familie, für Freunde, für sich selbst … Und am Ende wird es auf uns zurückfallen, denn so macht es die Menschen nicht glücklich. Und unglückliche Menschen arbeiten weniger gern, also weniger effizient. Bestes Beispiel ist die berühmte Zigarettenpause. Ja, es nimmt jeweils ein paar Minuten Arbeitszeit, aber anschließend wird wesentlich besser gearbeitet. Und das liegt nicht an der Zigarette, sondern daran, einfach mal weg vom Schreibtisch zu sein.

    • Ich bin jetzt zufällig auf diese Seite gestoßen.
      Also 70 Std. pro Woche ist viel. Habe ich aber selbst oft gemacht.
      Das ergibt bei einem Mindestlohn von 8,50 € mtl. 2.380 € = 1.650 € nettto + Trinkgeld und Kindergeld. Ich behaupte jetzt nicht, dass man damit große Sprünge machen kann, aber hungern muss man nicht.
      Die meisten Rentner haber weniger.

      Wir haben in Deutschland ein großes Problem: Jeder will den besten Service haben, aber selten will ihn jemand machen und bezahlen möglichst wenig!

      • mir sind schon so oft Menschen begegnet, die sehr viel gearbeitet haben, und darauf keine Zeit mehr für sonst was hatten. Und auch nicht die Kraft. Ich finde es schade, dass es sich finanziell nur grad mal ausgeht, wenn man auf die Zeit zB mit der Familie verzichtet. Kinder brauchen mehr von ihren Eltern, als grad mal ein schnelles Frühstück vor der Schule, und am Abend noch gemeinsame TV-Zeit vor dem zu Bett Gehen. Weil viel mehr bleibt kaum bei 10-Stunden-Tagen. Selbst bei 40 Stunden ist es schon sehr schwer. Und jetzt rede ich noch nicht über eine Partnerschaft und Sex und einfach nur mal miteinander abhängen.

        • Adam, da gebe ich dir vollkommen Recht. Oft bleibt keine Zeit für die Familie.

          In Deutschland haben seltsamer Weise die Menschen, von denen wir uns gerne bedienen lassen, ein schlechtes Image. Ich weiß nicht warum. Ich habe mal gehört, in anderen Ländern sei es oft anderns. Gerade wir deutschen Männer haben die größten Probleme mit dem Bedienen einer Person. Die meisten bedienen lieber 8 Std. am Tag eine Maschine. Das fängt schon an mit dem Briefkasten. Der ist oft am Haus, 20 m von der Straße. Ist mir im Ausland noch nicht aufgefallen.

          Ich bezahle beim Frisör 16,50 €. Von diesen 33 € pro Std. kann ein selbständiger Frisör nicht leben.

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© Raoul Biltgen

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