Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

301 – Das Vorbild

| 26 Kommentare

Liebe Frauen,

ja, auch mir macht es Spaß, Männer mit irgendwelchen Steinzeitmenschen gleichzusetzen und zu behaupten, dass die modernen Schwanzträger immer noch das gleiche Programm fahren wie ihre Geschlechtsgenossen vor Tausenden von Jahren.

Bild: Gustav Klimt

Ist aber Quatsch.

Egal was wir Männer auch erzählen, das sind alles nur Ausreden. Männer ficken rum, um ihr genetisches Material besser verbreiten zu können. Blödsinn. Außer man nimmt an, dass auch Frauen deswegen immer nur einmal mit einem Mann schlafen, denn auch sie haben genetisches Material, das es in die Welt zu streuen gilt. Männer sind die Chefs in Politik und Wirtschaft, weil sie früher die Sippe durch die Steppe geleitet und vor Säbelzahntigern verteidigt und mit Mammutfleich versorgt haben. Nö, hat nix miteinander zu tun. Oder nur bedingt. Männer sind oberflächlich, weil sie sich auf das Wesentliche konzentrieren müssen, weil sie der Gefahr ins Auge blicken müssen, weil sie … ach, ja, weil sie was auch immer, es ist nur Gequassel. Und Männer können im Stehen pinkeln, weil sie dabei Ausschau halten nach Hyänen, während Frauen im Sitzen pissen, weil sie ja eh nur Beeren sammeln, genau. Also. Nein. Das sind alles nur Ausreden. Hübsche Ausreden, die immer passen, weil sie schon so alt sind und weil sie von Männern erfunden wurden, die sich auch noch Wissenschaftler genannt haben. Und sie dienen dazu, sich selber und lustig-praktische Männerrollenverständnisse aufrecht zu erhalten.

Menschen suchen in ihrer Entwicklung nach Vorbildern. Denn Menschen sind soziale Wesen und müssen lernen, wie sie sich in einer Gruppe zu verhalten haben, um erfolgreich leben und überleben zu können. Und Jungs suchen sich Männer als Vorbilder, Mädchen Frauen. Und so pflanzen sich Verhaltensweisen über die Generationen hinweg fort. Menschen lernen. Und sie geben das weiter, was sie mal gelernt haben. Und deswegen sind Männer, wie Männer nunmal sind. In der Mehrheit. Und Frauen übrigens auch.

Nun haben wir zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Erstens: Wir können als erwachsene Menschen mal schauen, wir wir uns verhalten. Was wir so tun. Und mal hinterfragen, warum wir das so tun. Und jedes Mal, wenn die Antwort lautet: Weil ich ein Mann bin (oder eben eine Frau), können wir uns weiter fragen, ob wir das Verhalten dann noch wirklich brauchen, oder ob wir es vielleicht auch gegen ein anderes, das uns eher liegt, tauschen wollen. Das geht natürlich nicht so einfach, aber mit dem Willen dazu, macht man den Anfang. Zweitens aber können wir uns die Frage stellen, ob wir der nächsten Generation wieder genau das Gleiche mit auf den Weg geben wollen. Und es geht hier nicht darum, das irgendetwas grundsätzlich falsch wäre daran, ob ein Mann sich so oder anders verhält. Nur manches ist nicht mehr unbedingt zeitgemäß. Und wie können wir den Ablauf der Weitervererbung von alteingefahrenen Männlichkeiten unterbrechen? Indem wir Vorbilder sind. Indem wir es anders machen. Indem es die Väter anders machen. Indem Väter ihren Jungs zeigen, dass sie Männer sind, die sich nicht wie Gockel aufplustern müssen, um als Mann anerkannt zu werden. Und am besten (und vor allem, wenn aus welchem Grund auch immer kein Vater da ist) gibt es noch weitere männliche Vorbilder, im Freundeskreis, Verwandte, Lehrer …

Nun könnte dies ein Appell sein an alle Männer, solche Väter zu sein, aber ich spreche ja Euch, liebe Frauen, an, was könnt denn Ihr da jetzt tun?

Ihr könnt Euren Männern zeigen und zu verstehen geben, dass Ihr sie als Männer wahrnehmt, so wie sie sind, ohne dass sie auf die Pauke hauen müssen, ohne auf die Brust zu trommeln und ohne den Macho raushängen zu lassen. Oder nur dann, wenn es auch Euch gefällt. Und dass noch keinem Mann der Schwanz abgefallen ist, nur weil er mal was, huch, oh nein, so unglaublich unmännliches getan hat, wie zum Beispiel zuzugeben, dass auch er sich um seinen Nachwuchs kümmern will, zuhause bleiben will, in Karenz gehen will, um mit dem Sohn Fußball zu spielen und mit der Tochter mit den Puppen. Oder andersrum. Was auch immer dem Kind mehr Spaß macht.

Euer Adam

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26 Kommentare

  1. Diese Diskussionen wann ein Mann ein Mann ist und was einen Mann ausmacht wurden schon häufig geführt. Das ist für mich vollkommen unverständlich und ich meine auch unnötig. Ich weiß, dass ich ein Mann bin. Ich muss es mir nicht beweisen und anderen Leuten erst recht nicht. Vielleicht bin ich ja überheblich, vielleicht auch nur selbstbewusst. Ich habe den Kinderwegen durchs Dorf geschoben und auch Windeln gewechselt. Mein Jüngster hatte immer dann die Windeln voll, wenn ich ihn sauber machen musste.

    Dann die Fragen, ob auch Männer Elternzeit nehmen sollten. Welcher Vater geht lieber zur Arbeit als sich seinem Kind zu widmen? Wer lieber arbeitet sollte keine Kinder bekommen. Dass es berufliche Probleme geben kann ist etwas anderes.

    Susanne fragte, ob man bereit sei sein eigenes Verhalten zu hinterfragen. Susanne, wenn alle so sind wie man selbst, dann gibt es keinen Anlass zu hinterfragen. Das ist das Problem. Frag mal bei Bekannten mit einem Mädchen und einem Jungen ob beide gleich behandelt werden. Das fängt schon beim Spielzeug an: Mädchen bekommen Puppen, Jungen Autos. Oder ist es heute anders? Ist es heute nicht mehr so, dass der Junge dem Vater hilft und das Mädchen der Mutter? In meiner Jugend war das so und in der Schule hatten die Mädchen Handarbeit und die Jungen Werken.

    Susanne hatte geschrieben: „Aus meiner Sicht gehe ich als Erziehungsberechtigter “automatisch” diese Verpflichtung zur Verantwortung ein, bekomme ich ein Kind. Habe ich nicht automatisch die Pflicht, mich verantwortlich zu kümmern und da zu sein?“
    Ja, Susanne, weil die Erziehung eine Verpflichtung ist, hatte ich vor einigen Jahren an den Kinderschutzbund geschrieben, dass diese Begriffe falsch seien. Die Kinder sind die ErziehungsBERECHTIGTEN, die Eltern sind ErziehungsVERPFLICHTETE. Jedes Kind hat Anspruch auf eine Erziehung und Ausbildung. Aber ich sage auch, dass der ANSPRUCH mit der Ausbildung endet. Was danach von den Eltern geleistet wird ist freiwillig.

    Adam du hast sicherlich recht: „Wer Kinder will, lässt sich nicht davon abbringen.“ Dass ich mind. 2 Kinder wollte, stand schon seid meiner Kindheit fest. Ich bin Einzelkind. Fand ich damals schon schlimm und auch heute fehlen mir Geschwister.

    Dass man Eltern mit Kindern insb. bei der Rente besser stellen müsste ist ein eigenes Thema wert. Auch darüber habe ich mir etwas notiert.

    Lieber Stephan, wenn ich dir etwas raten darf, dann widme dich deinen Kindern so oft es geht. Du wirst nicht zum Loser oder Luschi. Du wirst Gewinner werden. Ich konnte das leider nicht in dem gewünschten Maß. Das tut mir heute noch sehr leid.
    Den Kindern widmen heißt nicht sie mit Geschenken überhäufen. Ich habe jetzt das 2. Mal bei einer Familie am Nikolaustag den Nikolaus gespielt. Jedes Mal bekamen die Kleinen einen Kartoffelsack voller Geschenke. Nach der Hälfte der Geschenke war die Konzentration weg. Das obwohl die Mutter Kindergärtnerin ist.

    • leider hast du recht, es werden immer noch Autos an Jungs und Puppen an Mädchen verschenkt usw. Und genau deswegen ist die Diskussion auch immer noch notwendig. In der Hoffnung, dass sie irgendwann nicht mehr notwendig sein wird. Aber das Resultat sieht man im kompletten späteren Leben: Nicht nur sind Väter, die sich um die Erziehung kümmern, nach wie vor wenig verbreitet, als jene, die das gerne den Müttern überlassen, auch sieht man kaum Männer in Pflegeberufen, Erziehung usw. Und in diesem Zusammenhang möchte ich tatsächlich beide Begriffe für Eltern verwenden, Erziehungsberechtigte und -verpflichtete, denn auch das recht zur Erziehung wird manchen entzogen. Und oft sind das die Väter. Und ganz sicher nicht immer ist es gut, dies kategorisch durchzuziehen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

    • Ich war und bin in der glücklichen Lage, mir eine Berufsauszeit nehmen zu können. Habe meine Pläne mit meinen Partnern besprochen, sehr verständnisvolle Reaktionen, alle selbst Väter. Also habe ich mich zwei Wochen vor dem geplanten Geburtstermin fürs Erste verabschiedet und hatte eigentlich vor, zunächst drei Monate nach Geburt bei meiner Familie zu bleiben. Konnte diese Zeit (dafür bin ich dankbar und darüber sehr glücklich) bis Jahresende ausdehnen (habe es nicht über mich gebracht, meine Familie da schon tagsüber alleine zu lassen), musste nur zwischendurch zwei Verfahren abschließen.
      Wir werden auf jeden Fall diese strikte Unterscheidung “Mädchen + Puppen” sowie “Jungs + Autos”, also diese altmodische Geschlechtereinteilung, verhindern wollen, sie sollen selbst entscheiden (wenn sie soweit sind, Entscheidungen treffen zu können), was sie möchten. Unsere Tochter wird ganz sicher nicht nur in Rosa gekleidet (ja, auch mal) und die Jungs bekommen auch Kleidung in allen Farben ab. Unsere kleine Maus trägt aktuell Schwarz, weil mir die Rock Star Baby Kollektion des Bon Jovi Drummers Tico Torres so gut gefällt.
      Adam hat völlig recht: diese Diskussion ist leider noch immer unbedingt notwendig. Ich befürchte, es wird noch sehr lange dauern, bis dieses Schubladendenken aus den Köpfen so vieler verschwunden ist.
      In einer Sache müssen wir Dir beide aus unserer Sicht der Dinge widersprechen: wir sehen uns unbedingt als erziehungsberechtigt (wir sind berechtigt, unsere Kinder zu erziehen) und dazu verpflichtet. Durch diese Berechtigung sind wir eine Bringschuld gegenüber unseren Kindern eingegangen und Du kannst ganz sicher sein, dass ich meinen Teil dazu beitragen werde.

      • Jawohl Herr Anwalt Stephan, ich weiß was du meinst. Die Bringschuld ist doch eine Verpflichtung. Aber du weißt, dass man manchmal extrem sein muss, wenn man was bewirken will. Zumal viele Eltern nicht erziehen, sondern glauben, man müsse den Kindern freien Lauf lassen.
        Ich haben von ca. 45 Jahren das Buch Summerhill über die antiautoritäre Erziehung gelesen.
        Zur Lockerung ein Witz darüber:
        Im Bus spuckt ein kleines Kind eine Frau an. Die Mutter sagt: “Was soll ich machen, mein Kind WIRD antiautoritär erzogen”.
        Da spuckt ein junger Mann die Mutter an und sagt: “Ich BIN antiautoritär erzogen”.
        Das hat sich schon lange überholt.

        • Wir werden uns beide an das Thema herantasten müssen. Autoritär im Sinne von Zwang unter Gewalt wird es garantiert nicht geben, antiautoritär im Sinne von vogelfrei und sie können alles nach ihrem Gutdünken machen, auch nicht. Es gilt, den Mittelweg zu finden. Aber wir haben in Stephans Eltern fantastische Ratgeber, falls wir mal nicht weiterwissen, sie können wir jederzeit fragen.
          Aber die Kleinen werden lernen müssen, dass es ohne ein gewisses Maß an Regeln nicht funktioniert. Sie werden lernen müssen, wie auch das Miteinander durch Regeln funktioniert. Sie werden ein Nein bzw. zumindest begründeten Widerspruch ihrer Eltern zu akzeptieren lernen müssen, wenn sie durch ihre Absichten Schaden nehmen können oder wenn dadurch andere Menschen oder Tiere zu Schaden kommen können.
          Und auch bis sie fähig sind, die Tragweite ihrer Absichten einschätzen zu können, werden sie um (hoffentlich besonnene) Führung und Lenkung durch ihre Eltern nicht herumkommen, was auf gar keinen Fall heißen soll, dass sie über die Maßen eingeengt werden.
          Sie sollen glückliche und zufriedene Kinder werden und sein, sie sollen sich frei entfalten und entwickeln können, gar keine Frage. Sie sollen sich ihren Weg selbst suchen und ihn selbst finden, aber uns oder anderen auf der Nase herumtanzen werden sie dabei nicht (werden es aber sicherlich von Zeit zu Zeit mal versuchen). Sie werden lernen müssen, andere Lebewesen (Mensch und Tier) zu respektieren.
          Sie sollen und müssen ihre eigenen Fehler machen, daraus lernen sie etwas. Sie werden mehr als einmal mit der Nase im Staub landen und feststellen, das kam jetzt gerade nicht so gut, auch daraus lernen sie.
          Uns wird es wie allen Eltern ergehen. Es wird ein Tanz auf dem Seil, jedem Kind gerecht zu werden, sie gleich zu behandeln, kein Kind zu bevorzugen. Die drei Schätze sind mit ihren 8 Monaten bereits so unterschiedlich wie Tag und Nacht.

          • Bravo Susanne,
            ich wünsche dir viel Erfolg bei der Umsetzung der Theorie in die Praxis.

          • Danke. Ja, das wird spannend. Und Gnade ihren armen Eltern, wenn sie alle einer Meinung sind, sich zusammenrotten und den Aufstand proben. Zum Glück diskutieren wir gerne.

          • Hallo Susanne,
            besonders toll fand ich diesen Satz – von einer Schwiegertochter:
            “Aber wir haben in Stephans Eltern fantastische Ratgeber, falls wir mal nicht weiterwissen, sie können wir jederzeit fragen.”
            Ich kenne gegenteilige Aussagen. Da will die Tochter im 1. Monat schon mehr Erfahrung haben als die Eltern nach 20 Jahren.
            Ihr werdet es gut machen.

            Sehe ich das richtig, dass ihr Drillinge habt? Dann wird es dir aber bestimmt langweilig.

          • Hallo macho,
            sieh es doch mal so: Stephan und ich sind zum ersten Mal Eltern, vor uns haben wir jede Menge Neuland und reichlich Minenfelder.
            Ich profitiere gerne vom Wissen anderer. Stephans Eltern (60 und 62) haben mir jede Menge Leben und jede Menge Erfahrungen und dadurch einiges an Wissen voraus. Zudem haben sie 4 Kinder großgezogen. Gibt es eine bessere Informationsquelle? Tut uns doch nicht weh, Unwissen zuzugeben, allwissend können wir nicht sein (egal, zu welchem Thema). So manch einer täte gut daran, das auch einmal zuzugeben und sich entsprechend Rat zu holen.

          • noch ein schneller Gedanke an dieser Stelle: Grenzen setzen heißt ja auch Orientierung geben. Menschen wollen ihre Grenzen ausloten, um sie kennenzulernen, um zu wissen, wo sie dran sind. Gibt es keine Grenzen, dies man auszuloten kann, ist die Gefahr groß, dass man sich verliert. Und das heißt wiederum: Menschen erlauben, die Grenzen, die gesetzt sind, auszuloten und auch mal zu überschreiten.

          • Susanne,
            zu meinen Hobbies zählt stehlen mit Augen und Ohren. Ich sammele Infos und mache daraus meine eigene Sache. Für mich der dümmste Spruch: Jeder muss aus seinen eigenen Fehlern lernen. Dann müsste ich ja die Gühlampe neu erfinden. Edison hatte 2000 Fehlversuche.
            In meinem Büro hängt ein Spruch von 553 v. Chr.:
            Zeig einem schlauen Menschen einen Fehler und er wird sich bedanken. Zeig einem dummen Menschen einen Fehler und er wird dich beleidigen.

          • Adam,
            zu deiner Meinung gibt es bereits Bücher. Z. B. “Kinder wollen Grenzen”. Wie immer alles in Maßen. Jeder Mensch braucht eine Richtung.

          • ich lerne ja auch aus den Erfahrungen anderer ;-)

          • Ganz genau. Es gibt mit Sicherheit Grenzen, die wir ihnen setzen. Und es gibt Grenzen, die sie für sich selbst finden müssen. Andererseits hoffen wir tatsächlich, dass sie hin und wieder versuchen, diese Grenzen auch mal zu überschreiten und dass sie sich bei dem Versuch durchaus mal eine “blutige Nase” holen um festzustellen, dass auch sie da an einer Grenze angekommen sind. Lernprozesse eben.
            Nimm beispielsweise das Thema Sex mit Nazi bzw. generell den Umgang mit derartigen Gestalten. Wir hoffen, dass sie uns auch in dem Fall genug vertrauen werden, damit sie das nicht vor uns verheimlichen werden wollen. Ich weiß gerade nicht, wie ich das erklären soll, was wir meinen. Sie sollen niemals das Gefühl haben, ihre “Freunde” bzw. jemanden, den sie nun einmal kennengelernt haben, nicht auch mit nach Hause bringen zu können, obwohl das in diesem speziellen Fall für uns sicher ein sehr komplizierter Drahtseilakt wird. Einerseits wollen wir unser Kind “nicht aus dem Haus treiben”, aber andererseits wollen wir mit Sicherheit nicht, dass eines unserer Kinder sich mit so einem Gesocks (fällt mir auch gerade nichts besseres ein) abgibt. Da müssen wir wohl hoffen, dass unsere Erziehung gut genug gelingt, dass wir es schaffen, ihnen behutsam genug Orientierung mit auf ihren Weg zu geben, damit sie erst gar nicht in diese (Himmel, mir fehlen momentan die Ausdrucksmöglichkeiten) Szene hineingeraten, dass sie selbst diese Grenze wahrnehmen und für sich selbst als unübertretbar ansehen.
            Minenfelder, jede Menge Minenfelder.

          • Hallo macho,
            wir finden den Spruch “aus eigenen Fehlern lernen” nicht ganz so dümmlich. Mache ich einen Fehler und merke, da bin ich aber gerade vor die Wand gelaufen, verhindert das womöglich die Wiederholung desselben. Wird unseren Kindern ebenso ergehen, sie werden ihre eigenen Fehler machen und daraus hoffentlich lernen, sie nicht nochmal zu machen. Unfehlbar ist absolut niemand von uns.
            Und was die vielen Empfehlungen und Ratschläge von meinen Eltern angeht: wir hören uns an, was sie uns zu sagen haben, sprechen mit ihnen darüber und dann besprechen wir das nochmal alleine. Nicht alles wird und werden wir 1:1 umsetzen. Hin und wieder verwerfen wir etwas, weil wir es für uns nicht als ideal empfinden, hin und wieder modifizieren wir es etwas für uns, aber die Grundidee bleibt. Auch meine Eltern sind nicht unfehlbar und es kommt hinzu, dass sich beispielsweise die Gesellschaft heute in Teilen anders darstellt als vor 20 oder 30 Jahren, auch Susanne und ich treten nicht auf der Stelle (hoffentlich), auch da ist ein wenig Anpassung vonnöten.

          • “aus eigenen Fehlern lernen”: es kommt auf die Betonung an: kommt es darauf an, dass man ausschließlich aus seinen eigenen Fehlern lernt und die anderer ignoriert? Natürlich nicht. Aber es kommt sehr wohl drauf an, dass man auch mal seine eigenen Fehler machen kann und wird, und daraus eben auch (hoffentlich) was lernt. Und vielleicht vielleicht vielleicht lernen ja auch andere aus den Fehlern, die man selber gemacht hat …

  2. Lieber Adam,

    ich werde im April nächsten Jahres Vater und habe mich dafür entschieden, ab Geburt unserer Kinder für 3 Monate aus dem Berufsleben auszusteigen. Gleiches werde ich wiederholen, wenn sie eingeschult werden. Ich möchte unbedingt die ersten Monate in vollem Umfang miterleben, ebenso eine die Kinder doch sehr prägende Phase, wenn sie in die Schule kommen.
    Und ganz sicher werde ich mich so aktiv wie nur möglich an der Kindererziehung beteiligen, sie sollen das Beste aus beiden Welten (Mutter und Vater) mit auf ihren Weg bekommen.
    Ich freue mich sehr auf diese Zeit mit meiner Familie. Und durch den wenn auch befristeten Ausstieg fühlt man(n) sich kein bisschen weniger als Mann, das ist sicher. Ganz bestimmt wird man dadurch nicht zum Loser oder Luschi.
    Ein Tip für alle, die evtl. aus finanziellen Gründen noch unentschieden sind, seht Euch einmal hier um:
    http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/rechner,did=16318.html

    • Lieber Stephan,
      vielen Dank für den sehr konkreten Tipp, wie sich so manche die Ausrede Geld abschminken können. Es gibt ja auch Studien, die zeigen, dass die Erhöhung von Kindergeld oder ähnlichem kaum bis keinen Einfluss darauf hat, ob sich Menschen dazu entscheiden, Kinder bekommen zu wollen. Das heißt: Wer Kinder will, lässt sich nicht davon abbringen, dadurch finanzielle Einbußen zu haben. Wer keine Kinder will, lässt sich auch nicht davon umstimmen, dafür etwas mehr Geld zu bekommen. Trotzdem finde ich es gut, wenn Menschen mit Kindern deswegen nicht am Hungertuch nagen müssen, sondern Unterstützung bekommen.
      Adam

  3. Lieber Adam,

    vielen Dank, sehr schönes Thema. „…aber mit dem Willen dazu macht man den Anfang.“

    Und genau da liegt nun einmal das Problem. Will ich mich und mein Verhalten hinterfragen, will ich mir anerzogene/eingeimpfte/vererbte/vorgelebte Verhaltensweisen ändern? Will ich meine persönliche Komfort- und Wohlfühlzone verlassen, in der ich es mir so gemütlich eingerichtet habe? Will ich ggf. meinen inneren Schweinehund überwinden? Und ja, vollkommen egal, ob man männlich oder weiblich ist.

    Sicher können wir unseren Männern mitteilen, dass sie für uns nach wie vor Männer bleiben, wenn auch sie sich aktiv um den Nachwuchs kümmern oder gar in Elternzeit gehen wollen (obwohl das den Männern ohnehin klar sein sollte). Und die Männer sollten, entscheiden sie sich dafür, niemals diese ihre Entscheidung in Frage stellen, sondern mit allem vorhandenen Selbstbewusstsein dazu stehen. Ich befürchte allerdings, bis das wirklich als vollkommen alltäglich angesehen wird, müssen nicht nur wir Frauen noch sehr lange gegen fest in den Gehirnen zementierte Ansichten angehen.

    Kindererziehung ist Frauensache oder größtenteils? Leider leider leider ist dies noch eine recht weit verbreitete Meinung. Sich um den Nachwuchs kümmern zu wollen ist unmännlich? Ganz im Gegenteil, in meinen Augen zeigt ein Mann damit, dass er bereit ist, auch für diesen Teil der sozialen Elternschaft Verantwortung zu übernehmen, das macht keinen Mann zum Kastraten. Es beweist Stärke und dient direkt einmal für seine Kinder als Vorbildfunktion, dass wir eben nicht mehr in Höhlen am Feuer sitzend leben und dass Mann sich nicht mehr wie ein Silberrücken auf die Brust trommeln muss, um ein Mann zu sein.

    Auch Väter sind „Erziehungsberechtigte“ und zwar nicht nur am Wochenende! Sich dieser sehr lange dauernden Verantwortung offensiv entgegen dem Mainstream zu stellen bedingt, eingetretene Pfade zu verlassen und etwaige Mauern im Denken zu durchbrechen. Wenn man den Willen dazu hat!

    Liebe Grüße
    Susanne

    Postskriptum und Frage an alle Leserinnen und Leser (ich wundere mich nun einmal ein wenig darüber): Warum behaltet Ihr eure Meinungen und Ansichten bis auf wenige seltene Ausnahmen für euch? Warum gibt es in dieser wahrlich immer wieder interessanten Kolumne so wenig öffentliches Feedback? Meint Ihr nicht auch, dass Adam etwas mehr Resonanz verdient hätte, ein sich etwas mehr auch „öffentlich“ mit den Themen auseinandersetzen? Wir bekommen hier doch reichlich Denkanstöße geboten.

    • Liebe Susanne,
      sollte mit der Bezeichnung “Erziehungsberechtigter” nicht auch eine Verpflichtung einhergehen? Dazu, Verantwortung zu übernehmen, sich zu kümmern und da zu sein?
      Liebe Grüße
      Adam
      P.S.: Ja, ich freue mich über jede Art der Rückmeldung sehr.

      • Lieber Adam,

        sollte? Aus meiner Sicht gehe ich als Erziehungsberechtigter “automatisch” diese Verpflichtung zur Verantwortung ein, bekomme ich ein Kind. Habe ich nicht automatisch die Pflicht, mich verantwortlich zu kümmern und da zu sein?

        Stephan umschreibt das noch ein wenig anders, indem er sagt, er hat eine Bringschuld gegenüber seinen Kindern, sieht und wertet diese Bringschuld aber positiv und möchte das Wort Schuld in diesem Zusammenhang nicht negativ gewertet sehen. Er sieht sich in der Schuld, für sie zu sorgen, sie zu leiten oder auch anzuleiten, ihnen bei Bedarf einen Weg zu weisen und dafür zu sorgen, dass sie ebenso verantwortlich ihre Wahl treffen. Er sieht sich in der Schuld, sie zu verantwortungsvollen und selbstbewussten Menschen zu erziehen.

        Und leider ist es nicht nur in diesem Land sehr oft ein Trauerspiel, wenn man sieht, wir häufig Eltern weder ihrer Verpflichtung noch Verantwortung nachkommen.

        Das Statistische Bundesamt (was berechnen die eigentlich nicht?) hat einmal errechnet, dass ein Kind bis zum 18. Lebensjahr ungefähr € 120.000,00 kostet (Mittelwert, und es hört sich an, als wäre ein Kind eine Sache, ein Ding). Was ein Kind kostet? Wollen wir es wirklich nur daran festmachen?

        Natürlich streite ich nicht ab, das oftmals die Finanzen die Entscheidung pro Kind verhindern. Natürlich muss man sehen, wie man mit Kind über die Runden kommen kann. Natürlich darf man auch die “monetären Bedürfnisse” von Kindern nicht außer Acht lassen. Nur sollte man eine Sache dabei berücksichtigen, möchte man ein Kind haben: In diesem Land gibt es reichlich Hilfemöglichkeiten und man sollte keine Scheu und keine Scham haben, diese bei Bedarf vom Staat einzufordern, auch wenn das manches Mal einem bürokratischen Irrsinn gleicht.

        Im Gegensatz zu diesen Überlegungen muss man aber auch berücksichtigen, wie sehr Kinder das Leben (immateriell) bereichern können, wie viel sie einem Menschen mit ihrer Liebe und Zuneigung geben. Und dass es doch eigentlich eine phantastische gemeinsame Reise mit ihnen auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben ist, samt Höhen und Tiefen.

        Liebe Grüße
        Susanne

        • also wenn sich wer dazu entschließt, kinder bekommen zu wollen, kann ich dem kind (oder den kindern) nur eltern mit solchen einstellungen wünschen, ich denke, dann ist schon sehr vieles in gute richtungen geleitet.

          • Lieber Adam,

            nun ja, ich hoffe, ab nächstem April niemals die Fehler meiner Eltern zu wiederholen. Die sahen eher mich in einer Bringschuld ihnen gegenüber (so in etwa als Gegenleistung für Kost und Logis). Eigentlich wollten sie ein Kind, das zu allem Ja und Amen sagt.
            Mit mir hatten sie in der Beziehung aber so richtig Pech. Ich war von klein auf „rebellisch“ und so gut wie nie bereit, etwas unbesehen einfach so zu akzeptieren. Ich war nicht einfach nur störrisch, aber ich wollte immer alles erklärt bekommen (wieso, weshalb, warum). Ich wollte eine Begründung für etwas, was ich tun sollte. Ich wollte eine Begründung, warum etwas ist wie es ist.
            Frag nicht, wie oft ich den Satz gehört habe „weil ich dir das sage.“ Also muss auch ich an mir arbeiten, um meinen Kindern hoffentlich niemals niemals niemals mit so einem Schwachsinn zu kommen.
            Wir wollen beide ganz bestimmt keine Roboter, die nur mit dem Kopf nicken, ohne eigene Meinungen zu haben oder, noch schlimmer, mit einem unterdrückten Willen. Trotzdem werden sie lernen müssen, dass es auch Grenzen gibt, trotzdem werden sie lernen müssen, dass es ein Mindestmaß an Regeln gibt, die auch für sie gelten. Stephan und ich orientieren uns da eher an Francis Bacon: Wissen ist Macht.

          • Liebe Susanne,
            hier ein kleiner Artikel, der deinem Mann im Moment der Geburt vielleicht helfen kann ;-)

            http://mobil.stern.de/familie/kinder/geburt–die-duemmsten-saetze-aus-dem-kreisssaal-6500758.html

            Liebe Grüße
            Adam

          • Lieber Adam!

            Danke! Danke! Danke! Herrlich, besonders der erste Satz. „Ignorieren Sie meine Frau, sie ist einfach sehr schmerzempfindlich“: Wir haben uns zusammen darüber halb totgelacht. Leider (und ich meine das völlig ernst) wird es eine Sectio caesarea, das ist bei Drillingen der empfohlene Standard, und die ist für die 35. SSW geplant (um den 1. April, kein Scherz). Noch besser wäre im Kreißsaal vermutlich der Satz eines werdenden Vaters: „Wir haben es uns anders überlegt, wir gehen wieder.“

            Aber: Ich musste meinen normalerweise eher rationalen Mann vor einigen Wochen tatsächlich ein wenig einbremsen, auch seine Sorgen und Ängste davor, Fehler zu machen, wenn die Kinder auf der Welt sind. Dann machen wir eben Fehler, allwissend sind wir nun einmal nicht, und sehen zu, aus ihnen zu lernen und sie nicht zu wiederholen: „Gemach!!! Komm zur Ruhe!!! Mach dich nicht selbst verrückt (und mich damit auch nicht)! Zu viele Informationen sind nicht immer gut. Verlass dich doch einfach auf dein Gefühl, hör darauf, was es dir sagt. Vertrau auf deine Instinkte, sie werden dich schon das Richtige machen lassen. Genieß schlichtweg die Freude, dass wir Eltern werden. Der Rest ergibt sich von alleine.“

            Er hat sich durch das fast komplette www recherchiert. Falls derzeit werdende Väter mitlesen, es gibt noch ein paar schöne Seiten zu Infozwecken (unser PC platzte zeitweilig fast vor Lesezeichen):

            http://www.babycenter.de/a8604/tagebuch-eines-werdenden-vaters
            http://www.9monate.de/schwangerschaft-geburt/schwangerschaft/know-how-fuer-papas-das-sollten-werdende-vaeter-ueber-die-schwangerschaft-wissen-id140927.html

          • vielen Dank auch für diese links. Morgen kommt auch von mir noch einmal ein Artikel zu dem Thema.
            Liebe Grüße

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© Raoul Biltgen

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