Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

304 – Die Selbstliebe

| 14 Kommentare

Liebe Frauen,

nein, wenn ich meinen heutigen kleinen Text mit Selbstliebe betitele, dann meine ich nicht Onanie, echt jetzt, was Ihr wieder denkt?

Bild: Corset contre l‘Onanisme

Ich meine die Liebe zu sich selbst.

Was an sich ja nichts Verwerfliches, es ist gut, wenn man sich selber lieben kann, denn wenn man sich selber hasst, hat man ein Problem. Nämlich dass man trotzdem mit sich leben muss. Blöd. Und heißt es nicht schon in der Bibel: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst? Eben. Geht ja auch nur, wenn man sich nicht so schlecht findet. Und wenn man sich aber eher in die Kategore Arschloch einordnet, überträgt sich das auf den Rest der Menschheit. Auch blöd.

Worüber ich mir aber heute Gedanken machen will, das ist die Verwechslung von Liebe und Selbst-Liebe. Oder anders gesagt: Man denkt und sagt, ich liebe dich. Und meint und fühlt, ich liebe mich. Und ich bin überzeugt, dass sehr sehr viele Beziehungen auf diesem Planeten auf dieser Basis funktionieren. Und so lange sie funktionieren und alle Beteiligten zufrieden sind, gibt es ja auch nichts einzuwenden. Auffällig wird es aber meist dann, wenn die Beziehung in die Brüche geht. Denn was passiert? Streit. Ärger. Wut. Zorn. Hass. Im einen Moment war man vor Liebe zu einem Menschen noch ganz wuschig im Hirn (und zwischen den Beinen), und im anderen möchte man diesem Menschen die Fresse einschlagen. Oder zumindest die Reifen durchstechen. Oder man schmeißt mit Tellern rum. Warum? Weil der andere einen nicht liebt. Oder nicht mehr liebt. Also liebt man ihn auch nicht. Mehr. Und da scheint plötzlich der Fehler im System auf: Die vorher empfundene Liebe ist eine Liebe unter Bedingungen. Und die wichtigste Bedingung dieser Liebe ist, geliebt zu werden von der Person, die man liebt. Oder sollte ich sagen: die man vorgibt zu lieben? Denn ist es Liebe, wenn man nur dann liebt, wenn man gelibt wird?
Ja, es ist Liebe, aber eben jene Liebe, die ich im Titel mit Selbstliebe meine.
Liebe bezieht sich ausschließlich auf die andere Person, und besteht unabhängig von irgendwelchen Bedingungen. Dann kann es eine unglückliche Liebe sein, wenn sie nicht erwidert wird, ja, aber die Liebe an sich bleibt davon unberührt. Es ist dies auch jene Liebe, die um der geliebten Person willen freiwillig darauf verzichtet, zurückgeliebt zu werden, wenn es der anderen Person gut tut, es nicht zu tun. Ein sehr schönes Beispiel hierfür findet sich abermals in der Bibel (ja, da steht schon hie und da Lustiges drin), und zwar in der Reaktion der Mutter, die lieber ihr Kind aufgibt, als es von Salomo zerteilen zu lassen. Es ist eine selbsttranszendente Liebe. Klingt jetzt super oh wie wichtig und so, aber das komplizierte Wort sagt nichts anderes, als dass es darum geht, nicht mehr auf sich zu schauen, sondern auf den anderen. Weil man ihn liebt. Und aus. Dann kann man nicht böse sein, wenn der andere diese Liebe nicht erwidert. Erwidern kann.

Wer sich aber persönlich angegriffen fühlt, weil die geliebte Person nicht zurückliebte ist, dem geht es nur um sich. Der will geliebt werden. Aus. Und er liebt es, geliebt zu werden. Weil er sich so unglaublich geil und toll und super findet, dass er annehmen muss, dass alle ihn lieben. Und er liebt alle, die ihn lieben. Und wenn wer das nicht tut … wird dadurch sein Selbstbild infrage gestellt. Weil das bedeuten würde, dass er doch nicht so geil und toll und super ist. Das ist eine Kränkung. Und da kann man schon mal wütend werden, wenn da wer sich erdreistet, dich einfach so nicht zu lieben, hallo, wer ist denn das, was glaubt denn da wer, was wer wohl sein will, hä?

Und am Schönsten äußert sich das, wenn’s am Banalsten ist, und das ist nicht nach einer Beziehung, wo dann doch noch viele andere Faktoren eine Rolle spielen können, sondern am (verpatzten) Anfang. Wenn (zum Beispiel, aber es geht auch andersrum) der junge Mann der jungen Frau nach langem Zögern und Zaudern seine Liebe gesteht, sie ihm eine Abfuhr erteilt, und er dann patzig wird („Dann geh doch scheißen, blöde …“). Was ist das? Verletzter Stolz. Mit Liebe hat das nichts zu tun. Außer mit der Liebe zu sich selbst.

Euer Adam

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14 Kommentare

  1. Können wir denn überhaupt so bedingungslos lieben, wenn wir doch immerzu irgendwelche Bedingungen an die Liebe, nein auch an den Geliebten, stellen? Treue, Freiheit, schön muss sie sich anfühlen, überwältigend muss sie sein, zueinander stehen, sich beschützen, bis ans Ende des Lebens und für einige noch darüber hinaus und so weiter und so fort. Diese Bedingungen stellen wir, zu aller Kompliziertheit, nicht nur an die andere Person und an die Liebe, nein nein nein, auch an uns selbst. Tja. Da ist bedingungslose Selbstliebe vielleicht gerade der Schlüssel zur bedingungslosen Liebe. Denn das was ich mir selbst als Bedingungen nicht auferlege, muss ich dann auch nicht an die andere Person stellen. Ist das überhaupt möglich? Wenn nein, dann gibt es auch keine bedingungslose Liebe. Selbst die Idiologie der bedingungslosen Liebe ist schon eine Bedingung, die wir gerade durch die Idiologie und den Wunsch danach stellen. Selbstliebe. Gibt es diese überhaupt? Wenn ja, wie kann sie erreicht werden? Hätten wir die Fähigkeit uns selbst wirklich zu lieben, hätten wir es dann noch nötig jemand anderes zu lieben? Oder ist es tatsächlich Voraussetzung um einen anderen zu lieben? Warum hassen sich dann so viele (nicht alle) Menschen dann selbst, so wie ich, und können trotzdem einen anderen lieben und das sogar ohne ein Arschloch zu sein? Oder ist es so, dass bedingungslose Liebe bedeutet, dass man sich selbst hasst aber dafür andere lieben kann? Aber gerade die, die sich hassen, haben besondere Bedingungen an sich selbst, um anderen nicht weh zu tun. Dann ist alles wieder nicht bedingungslos. Oder ist die Liebe, die Selbstliebe und die bedingungslose Liebe nicht einfach das was sie ist – nämlich einfach nur ein Konstrukt aus dessen, was wir nicht verstehen? Ein moralisches Konstrukt zum Eigenschutz davor, dass sich vielleicht doch alles irgendwie nur um den, irgendwie unromantischen, Fortbestand der Population dreht und wir einfach nur erkennen müssen dass wir darin nicht die einzigste Person für einen anderen bleiben? Gott und Götter sind doch auch nur eine Flucht in eine igendwie romantische Beziehung zur Erklärung des Seins. Hach ja, könnte man als Mensch nur all diese Fragen so leicht beantworten.

    Ich bleibe gerne bei der Romantik, die hat was und gefällt mir. Jedoch nicht auf Gott und Götter bezogen, dafür bin ich dann doch zu sehr ein Realist.

    • Patrick, es gibt keine bedingungslose Liebe. Vielleicht nur in der ersten Zeit und wenn man noch sehr jung ist. Die erste Bedingung ist doch schon, dass man zu einander passen muss. Freizeitgestaltung, Kinder usw. Wer diese Bedingungen leugnet, wird scheitern.

      Vielleicht habe ich es schon mal geschrieben. Ein schwerst gehbehinderter Mann, Mitte 30, suchte eine Frau. Er meinte aber, die Frauen würden immer Bedingungen stellen. Dann sagte er, es dürfe keine Ausländerin sein. Ich habe ihm gesagt, dass auch das eine Bedingung sei.
      Man merkt also nicht immer die eigenen Bedingungen, die aus den Ansprüchen resultieren.

    • bedingungslose Liebe heißt extrem vereinfacht: lieben, ohne Gegenliebe zu erwarten.
      Und bei allem Selbsthass (den man aus welchen Gründen und begründet oder nicht hegen kann), ist doch die Fähigkeit (bedingungslos) zu lieben, etwas, was man wieder an sich lieben könnte …

      • Ich weiß ja nicht, aber für mich ist die bedingungslose Liebe nur eine weitere Idiologie. Die einen mögen davon überzeugt sein, die anderen nicht. Aber ich bin ganz fest davon überzeugt, dass es die bedingungslose Liebe nicht gibt. Oder milder ausgedrückt: bedingt. Gibt es also die bedinguslose Liebe? Von Natur aus nicht, praktisch aber schon. Man könnte sich auch fragen: Hat der Mensch Räder? Von Natur aus nicht, praktisch aber schon, weil er sie erfunden hat und nutzt.

  2. Glückwunsch Adam,
    dieser Artikel zählt zu deinen besten. Das Zitat von Hassebrauck ist sehr treffend. Aber: wir alten Männer sind zum Reden nicht erzogen worden. Kleine Jungen sollten selbst bei Schmerzen nicht weinen. Das heißt Gefühle sind zu unterdrücken.

    • dankeschön, macho. Und eben weil ihr (und wir) Männer nicht zum Reden erzogen wurden, ist es an der Zeit, dass sich da was an der Erziehung ändert (siehe den sehr spannenden Austausch zum Artikel “301 – Das Vorbild”).

  3. Lieber Adam,

    das war heute aber recht psychologisch angehaucht, insbesondere im Bereich des Selbstbildes/der Selbstwahrnehmung! Du hast nicht zufällig in letzter Zeit Erich Fromm gelesen, der dich auf das Thema brachte, oder?
    Sehr interessant, dein heutiger kleiner Text. Aber wollen denn nicht wir alle geliebt werden ohne Bedingungen?
    Haben wir nicht alle das Bedürfnis/das Verlangen, dass sich auf der Welt wenigstens ein Mensch findet, der uns bedingungslos liebt?
    Und haben wir nicht alle das Bedürfnis/das Verlangen, dass wir auf der Welt wenigstens einen Menschen finden, den wir bedingungslos lieben können („dürfen“)?
    Und ja, du hast Recht, man kann einen anderen Menschen durchaus noch immer lieben, selbst wenn der einen nicht mehr liebt. Das muss auch nicht zwangsweise in Zorn und Hass umschlagen, verletzt und unglücklich ist man jedoch bestimmt. Auf Knopfdruck abschalten lässt sich Liebe nicht. Aber sie kann durchaus langsam sterben.

    • Nicht Erich Fromm, sondern Viktor Frankl. Ich glaube auch, dass jeder Mensch bedingungslos geliebt werden will. Und ich glaube auch, dass es gut wäre, bedingungslos zu lieben. Ich bezweifle aber, dass das alle Menschen auch so tun. Die meisten verwechseln das, sie denken, es reicht den zu lieben, der sie bedingungslos liebt. Womit sie raus aus dem Schneider sind.

      • Lieber Adam,

        aha, nun wird einiges klarer. Logotherapie und Existenzanalyse, Wiener Schule der Psychotherapie. Und: …trotzdem Ja zum Leben sagen. Tja dann, daher dürfte auch ABILE für dich kein Fremdwort sein. Und daher auch die Selbsttranszendens!

      • Sagt dir übrigens der Name Professor Manfred Hassebrauck etwas? Sozialpsychologe an der Bergischen Universität Wuppertal.
        Von ihm gibt es passend zum Thema ein nettes Büchlein: “Die Gesetze der Liebe. Warum wir lieben, wen wir lieben, wie wir die Liebe erhalten.”
        Er vertritt übrigens auch die Ansicht (Zitat): “Kommunikation ist das Schmiermittel, das den Motor der Beziehung am Laufen hält.”

        • Nein, der Name ist mir noch nicht untergekommen, aber ein schönes Zitat. Deckt sich irgendwie mit dem, was ich immer predige :-P

          • Lieber Adam,

            ich habe mir mit Susanne zusammen einmal einen Vortrag von Prof. Hassebrauck angehört. Mir ist folgendes Zitat in Erinnerung geblieben:

            “Für Männer wäre es wichtig, dass sie sich mehr zu ihren Gefühlen bekennen und darüber reden, sowohl über Ängste als auch über positive Aspekte. Keine Frau kann Gedanken lesen: Je konkreter die Fehlermeldung ist, desto geringer wird der Reibungsverlust bei der Behebung eines Problems sein.” Da hat er nicht ganz Unrecht.

            Was sich natürlich mit dem von dir immer wieder empfohlenen Reden deckt. Und was nicht nur der Grund für meine ständige Neugier ist, sondern uns beide zusammen auch vor manchem Missverständnis bewahrt.

          • Ja, ich glaube, dass niemand Gedanken lesen kann (auch Männer nicht, dochdoch), habe ich auch schonmal erwähnt. Und habe ich auch schon von vielen Paar- und anderen Therapeuten gehört. Weil es die Sache so klar macht: Wenn man mit wem anderen auskommen will oder will, dass wer was tut oder weiß oder was auch immer: Dann muss man es sagen. Weil: Niemand kann Gedanken lesen. Ach, könnte die Welt doch um einiges friedlicher sein, wüssten die Menschen dies.

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© Raoul Biltgen

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