Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

306 – Die Zeit für nichts

| 2 Kommentare

Liebe Frauen,

letzte Woche habe ich den Vorschlag in den Raum geschmissen, statt sich durch langgediente Rituale und Routinen einengen zu lassen, auch mal selber Rituale zu schaffen, die einem gut tun.

Bild: John William Godward

Und?

Und schon kommt die Frage, was denn das, bitteschön, sein könnte.

Ich möchte eine Idee aufgreifen, die nicht von mir kommt, sondern von einem Pärchen, welches hier mitliest, und mir eines ihrer Rituale geschildert hat. Ich weiß nicht, ob ich es genau so wiedergebe, wie es stattfindet, aber die Details sollte sich ja eh jeder am besten selber austüfteln. Und das Ritual trägt den Namen „Zeit für nichts“.

Nehmt Euch doch mal Zeit für nichts.

So, das war’s, viel Spaß.

Na gut, doch etwas mehr Erklärung.

Nehmt Euch doch mal ganz bewusst Zeit für nichts. Nach dem Essen zum Beispiel. Oder vor dem Frühstück. Oder bevor Ihr zu Bett geht. Das muss nicht lang sein. Eine hale Stunde oder auch nur ein paar Minuten. Und es kann ja länger werden. Und das tut Ihr zu zweit. Mit anderen Worten: Zu einer bestimmten Zeit am Tag tut Ihr und der Mensch, den Ihr liebt, nichts. Zusammen. Das kann zum Beispiel so aussehen, dass Ihr nebeneinander auf dem Sofa sitzt. Euch vielleicht anschaut dabei. Vielleicht kuschelt Ihr auch. Und hört auf den Atem des anderen. Oder spürt ihn. Und sonst nichts. Den Tag Revue passieren lassen, aber ohne darüber zu sprechen. Oder ankommen, wo Ihr grad seid. Den Moment wahrnehmen. Nicht planen. Sein. Geübte können das sicherlich auch nackt machen, aber bei Ungeübten führt das unweigerlich zu Sex, und es soll nicht zu Sex führen, es soll nirgendwo hin führen, es soll kein Ziel haben und auch keinen anderen Zweck, als dass diese Zeit stattfindet. Also bleibt lieber mal angezogen. Für den Anfang. Und die nächsten Monate.

Ihr müsst Euch auch nicht anschließend darüber austauschen: Wie war es für dich, wie war es für mich? Wenn die Zeit um ist, ist sie um. Da kann man sich einen Wecker stellen oder nach dem Gespür gehen. Es sollte kein Zwang sein, aber doch etwas, das man nicht so leicht mal ausfallen lässt, nur weil was auch immer anderes dazwischen kommt. Es sollte ein Ritual sein, das Euch heilig ist. Ohne das Ihr nicht wollt. Genießen. Was auch immer da kommt, was genossen werden will. Also auch nicht, sich vornehmen, was genossen werden soll, die Nähe oder die Zweisamkeit oder die Zeit oder das Runterkommen. Deswegen nenne ich es ja auch „Zeit für nichts“ und nicht „Zeit für zwei“ oder „Zeit für Nähe“ oder „Zeit für Ruhe“ und so weiter. Ihr könnte natürlich auch gerne solche Zeiten einführen, wenn Ihr das wollt, da ist nichts daran auszusetzen und ich setze nichts daran aus. Ich mache ja nur einen Vorschlag.

Und ich wünsche Euch eine sehr sehr schöne Zeit. Für nichts.

Euer Adam

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2 Kommentare

  1. Lieber Adam,

    ja, genau so soll das sein. Ein Ritual zwar, aber ansonsten letztlich ein wenig zwanglose Zeit für nichts. Ohne minutengenaues Timing (wir sind hier nicht bei einem Geschäftstermin), sondern dann, wenn eben Zeit für dieses Nichts ist. Egal, wie dieses Nichts am Ende aussieht.

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© Raoul Biltgen

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