Liebe Frauen,
Menschen sind keine Paradiesvögel. Oder Pfaue. Oder Hirsche. Oder sonstiges Getier.
Was für eine Erkenntnis!

Wie ich darauf gekommen bin? Paradiesvögel leben im Urwald und fallen durch ihr besonders buntes Gefieder auf. In allen Regenbogenfarben schimmern sie zwischen sattgrünen Blättern hindurch, wenn sie ihren Tanz aufführen, der einzigartig in der Tierwelt ist. Sie schütteln sich und plustern sich und wackeln mit den außergewöhnlich langen Schwanzfedern, die sie weit über ihre Köpfe erheben. Alle Paradiesvögel? Nein, nur die Männchen. Die Weibchen hingegen sind kleiner, vor allem aber unbunter als ihre potentiellen Partner. Langweilig braun hüpfen sie um die sich verausgabenden Männchen, und suchen sich den besten Performer mit dem schönsten Kleid aus, um sich mit ihm zu paaren. Vergleichbar also mit den Pfauen in unseren Gefilden: Die Männchen tragen überlange Schwanzfedern mit sich herum, die sie majestätisch zu einem Fächer aufschlagen, sobald ein Weibchen vorbei trippelt. Oder auch ein Männchen, um gleich mal klar zu machen: Mein Schwanz ist größer und schöner und dichter als deiner.
Andere Vogelmännchen bauen Nester, um die Weibchen zu beeindrucken, wieder andere sammeln alles, was blau ist. Hauptsache: Eindrucksvoll.
Aber auch bei den Säugetieren ist es nicht anders. Es sind die Hirsche, denen ein imposantes Geweih auf dem Schädel wächst, mit dem sie angeben und anderen Hirschen das Geweih verbiegen können. Die Rehe: Unscheinbar und klein.
Löwen: Mähne. Dabei sind es die Weibchen, die auf die Jagd gehen.
Paviane: Männchen groß und besonders ums Gesicht auch bunt, Weibchen: Eh klar.
Und was ist mit den Menschen? Wer putzt sich da heraus malt sich bunt an und will seine Vorzüge hevorheben? Die Frauen. Sie schminken sich und gehen wöchentlich zum Friseur und achten auf die Figur und kaufen sich teure Kleider, die die weiblichen Seiten betonen, sie tragen Schmuck, der den Blick auf die besonderen Features wie Dekolleté lenken, und ziehen Kleider an, die möglichst kurz die, falls vorhanden, wohlgeformten Beine in Szene setzen, unterstützt durch hochhackige Schuhe und/oder Strümpfe.
Die Fashionwelt ist fest in Frauenhand (auch wenn es die Männer sind, die die Klamotten designen).
Und das ist kein Phänomen der heutigen Gesellschaft. Nur in wenigen Zeitaltern sieht man bei Männern ein ähnliches Herangehen an die Mode, im Rokoko zum Beispiel, aber auch in diesen Zeiten ist es keineswegs so, dass die Frauen abgestunken hätten. Im Gegenteil.
Nicht von ungefähr spricht man vom „schönen Geschlecht“. Selbst vor tausenden von Jahren stand die Schönheit der Frau im Vordergrund. Man nehme nur die Venus von Willendorf. Auch wenn ihre Proportionen nicht heutigen Schönheitsidealen entsprechen, so wurde eine solche Figur sicherlich nicht erschaffen, um eine hässliche Frau darzustellen. Gibt es etwas Ähnliches aus männlicher Sicht? Kaum. In manchen Kulturen gibt es in Stein gehauene überdimensionale Penisse, ja, aber der Mann dahinter ist vollkommen unwichtig.
Was unterscheidet also den Menschen vom Tier?
Die Mode.
Und wer ist dafür verantwortlich?
Die Frauen.
Euer Adam
