Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

310 – Das Kondom

| 7 Kommentare

Liebe Frauen,

wer kauft die Gummis? Ihr oder Euer Mann?

Bild: US Governement

Meine absolut nicht repräsentative Umfrage im Bekanntenkreis hat ergeben: Single-Frauen überlassen die Frage nach dem Kondom nach wie vor mehrheitlich den Männern, während in Beziehungen Verhütungsmittel zum Einkauf durch die Frau des Hauses übergeht. So lange innerhalb einer fixen Beziehung überhaupt noch mit Gummis verhütet wird. Tatsächlich scheint es, nachdem man sich darauf geeinigt hat, dass man keine sexuell übertragbaren Krankheiten hat, Sache der Pille zu sein, ungewollten Nachwuchs zu verhindern.

Ich habe meine ersten Gummis in der Apotheke gekauft.

Nein, ich bin nicht so alt, als dass man sie damals nicht auch hätte im Supermarkt erstehen können, danke der Nachfrage, aber ich muss zugeben, dass es mir ganz besonders peinlich gewesen wäre, eine Packung Billy Boys zwischen Milch und Butter, oder meinetwegen auch Schoko und Cola aufs Fließband zu legen und mir die ganze Zeit auszumalen, was sich wohl die Kassiererin, die meine Mutter sein könnte und meine Mutter persönlich kennt und mich demnach auch, seit ich den Windeln entstiegen bin, wenn sie den Packungspreis eintippt. Ja, so alt bin ich wirklich, dass es damals noch keine Rüber-Zieh-Scanner gegeben hat. Und was hätte sie sich ggedacht? Genau: Jetzt fickt der kleine Lümmel also auch schon rum. Gut, vielleicht hätte sie es auch nicht ganz so drastisch in ihrem Hirn ausformuliert, aber eines ist klar: Ich hätte ihr eindeutige Hinweise auf mein gerade erwachendes Sexualleben mitgeteilt. Und auch wenn man als Teenager auf nichts sehnsüchtiger wartet, als auf das erste Mal, so teilt man das Zustandekommen dieses ersten Mals zwar womöglich den Kumpels mit, nicht aber irgendwelchen Frauen, die wissen, welches Müsli man bevorzugt, und zwar das mit den lustigen Comicfiguren drauf. Peinlich. Apotheke aber, da stand ein Mann, und den habe ich nicht gekannt, er mich auch nicht, Anonymität also halbwegs gesichert, kein Problem. Und dann aber stolz wie Oskar die Pariser in die hintere Hosentasche gesteckt, so dass sie sich vielleicht doch verdächtig abzeichnen in der Packung, so dass die Klassenkameraden sich denken: Oh, der braucht schon welche, der ist schon so weit.

Aber schließlich sind wir keine Teenager mehr und als erwachsener Mensch weiß man, dass wir alle sexuell aktive Menschen sind, dass wir Geschlechtsverkehr haben, manche mehr, manche weniger, aber er findet bei den meisten statt, und dass Kondome nicht nur der Kinderverhütung dienen, dass man die halt braucht, dass es nichts anderes ist, als Papertaschentücher kaufen oder Handseife. Oder?

Oder doch nicht.

Ich habe im Laufe meines Lebens schon oft Gummis gekauft, und ich habe sie in den allermeisten Fällen im Supermarkt gekauft, und ich hatte jedes Mal das gleiche mulmige Gefühl, wenn sie über den Kassenpiepser gezogen wurden, und das war dem als Teenager durchaus nicht unähnlich: Was denkt sich die Kassiererin wohl jetzt? Was weiß sie jetzt? Wie beurteilt sie mich?

Natürlich weiß ich, dass sie mich wohl kaum beurteilt, und selbst wenn, kann es mir egal sein, so lange ich nicht gerade mit ihr die Gummis zum Einsatz bringen will, und doch, und doch …

Und jetzt stellt Euch einmal vor, ich kaufe nicht nur einfach Gummis, sondern auch noch spezielle? Da gibt es doch einiges. Welche mit Geschmack. Erdbeere. Banane. Oder welche mit Funktion. Noppen. Länger durchhalten. Herrgott, die wird doch auf meine kompletten Phantasien und Vorlieben und Einschränkungen und noch mehr schließen können. Möchte ich zur Kassiererin, der ich ansonsten zwar freundlich Grüß Gott und Auf Wiedersehen sage, auf welchen versteckten Pfaden auch immer kundtun, worauf ich in der Kiste steh? Nein, eben nicht. Und das ist auch der Grund, warum in Beziehungen die Frau das übernimmt. Weil es ihr wurscht sein kann, was irgendeine Supermarktangestellte über einen Mann denkt, den sie nicht einmal persönlich kennt. Und wenn doch, auch egal, die Frau spricht ja auch über eben jenes, was sich die liebe Kassiererin denkt, mit den Freundinnen. Oder etwa nicht?

Aber ist das alles auch der Grund, warum Kondombesorgung für single-Frauen nicht so die Hauptaufgabe ist? Weil es Euch, liebe Frauen, dann vielleicht auch so geht? Dass Ihr Euch denkt, dass die Frau an der Kassa alles über Euch weiß? Und sich denkt: Schlampe, die hat aber einen hohen Verbrauch? Jede Nacht wen anderen, oder wie?

Und single-Männer haben weniger ein Problem damit, Gummis zu kaufen, weil sie damit zugleich auch beweisen können: Ich bin zwar single, habe aber trotzdem Sex. Viel Sex. Schaut mich an, ich bin ein Mann, harr harr.

Ist es also an der Zeit, mal wieder das Loblied auf das Internet zu singen, wo es wahrlich niemanden kümmert, abgesehen vom unvermeidlichen NSA-Mitarbeiter Ihres Vertrauens, wer wie und wieviel Sex hat? Na gut, und weil ich sie eh schon erähnt habe und um die Suche im Netz zu erleichtern: http://www.billy-boy.de/ Und da gibt es noch viel mehr, als nur Kondome, was wir uns noch viel weniger trauen, in der Öffentlichkeit zu kaufen, hurra. Oder wollt Ihr, liebe Frauen, dass die nette Dame an der Kasse im Drogeriemarkt weiß, welchen pinkfarbenen Multifunktionsvibrator Ihr Euch wohin schiebt?

Euer Adam

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7 Kommentare

  1. Hallo ihr jungen Leute,
    vor 50 Jahren habe ich die Gummis heimlich am Automaten in einer Gaststätte gezogen. Mein Vater hatte mal einen Pariser in meinem Auto gefunden. Der war richtig entsetzt.
    Die jungen Leute hatten selten ein sturmfreies Zimmer. Mein erstes Auto hatte nicht mal Liegesitze. Die Rückbank wars.

  2. Lieber Adam,

    zunächst mal war es so, solange das Thema Verhütung noch Bedeutung hatte, dass ich mich prinzipiell selbst um die Vorsorge gekümmert habe. Diesbezüglich mochte ich mich nicht auf einen anderen Menschen verlassen.
    Ja, kann ich mir gut vorstellen, wie man(n) als Teenager mit leicht hochgezogenen Schultern da steht, möchte man Gummis erwerben. Warum das so ist, ich kann es wirklich nicht sagen. Aber überleg im Nachhinein doch einmal Folgendes: Möglicherweise war die Kassiererin selbst Mutter und hatte eine Tochter im gleichen Alter wie du. Möglicherweise hätte sie auch gedacht: “Prima, der Junge macht sich Gedanken und sorgt vor. Finde ich gut.” Spricht doch immerhin für ein gewisses Verantwortungsbewusstsein, oder?
    Und ein eindeutiges Ja! Mir war es immer schnurzpiepegal, was sich eine Kassiererin in welcher Verkaufsstelle auch immer gedacht hat. Möchte ich in einem Geschäft einen Multifunktionsvibrator erstehen, dann mache ich das. Und sage mir, wenn überhaupt, höchstens: Die wollen schließlich Umsatz machen. Ich finde, du solltest dieses noch heute immer wieder beschleichende, leicht unangenehme Gefühl vergessen!

    • Gefühle vergessen? Geht nicht. Vor allem nicht auf Kommando. Mir sagen, dass sie nicht nötig sind? Eh klar. Mir vorstellen, was die kassiererin noch so alles denken kann, weil sie eine Tochter im gleichen Alter hat? Hm … zum Beispiel: Hilfe, dieser Knilch könnte diese Gummis kaufen, um mit meiner Tochter zu vögeln??? :-P
      Ich finde dieses leicht mulmige Gefühl beim kauf von Sachen, die mit Sex zu tun haben, sehr gut, denn es macht das ganze doch irgendwie auch prickelnder, weil es den hauch von Verbotenem behält, auch wenn ich natürlich weiß, dass es dafür keinen Grund gibt ;-)

      • So unterschiedlich sind die Menschen und das ist schön. Ich neige eher dazu, mich von einem eher ein klein wenig mulmigen Gefühl irgendwann zu verabschieden.
        Und hätte in diesem speziellen Fall höchstens dann eines gehabt, wenn ich mich an der Kasse ohne zu bezahlen hätte vorbei schleichen wollen, obwohl ich den Gedanken des Verbotenen in dem Zusammenhang verstehen kann. Aber so unterschiedlich sind wir eben.
        Und was die Kassiererin angeht? Na, vielleicht hätte sie innerlich, gerade weil es evtl. um ihre Tochter gegangen wäre, beifällig mit dem Kopf genickt. Immerhin wärst du in Bezug auf ihr Kind nicht sorglos gewesen.

        • ich will dich nicht davon abbringen, zu denken, dass Mütter von Töchtern über deren potentielle Liebhaber denken: Wenigstens denkt er an Gummis. Ich kann dir aber versichern, dass die potentiellen Liebhaber in dem Moment nicht daran denken, dass die an sowas denken. Aber dann will ich mal den Jungs mitgeben: Dann denkt wenigstens an Gummis, dann müsst ihr auch keine ganz so große Angst vor den Müttern eurer potentiellen Liebhaberinnen haben, dass die euch die Augen auskratzen und die Hoden abreißen …

          • Lieber Adam,

            nenn es Wunschdenken! Wir hoffen, dass unsere Kinder eines Tages auch vorsorgen und nicht völlig unachtsam sein werden (mit welchem Gedanken auch immer). Es wird vorab beizeiten entsprechende Gespräche geben. Vielleicht nicken dann wir beide innerlich mit dem Kopf.

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© Raoul Biltgen

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