Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

319 – Die Schüchterne

| 7 Kommentare

Liebe Frauen,

wer schüchtern ist, sieht seine Schüchternheit als Makel.

Ist auch einer.

Wie jetzt?, was?, das kann ich doch nicht einfach so behaupten, hallo?

Doch kann ich. Auch wenn es nicht so ganz ganz richtig stimmt. Aber wenn ich jemanden, der sich als schüchtern sieht, damit kurz mal aus der Reserve gelockt habe, dann ist das duchraus auch ok.

Es gibt tatsächlich Männer, die eben gerade auf schüchterne Frauen stehen. Die zurückhaltend sind, sich nicht trauen, lieber mal abwarten … Und die Männer können Männer sein, sie können den ersten Schritt machen und den zweiten und dritten. Sie nehmen die Frau bei der Hand und zeigen ihr, wo’s lang geht. Das sind dann auch oft jene Männer, die es nicht ganz so gerne haben, wenn eine Frau sehr genau selber weiß, wo’s lang gehen soll, und dies auch ausspricht.

Und da haben wir das Problem der Schüchternheit: Schüchtern sein, heißt ja nicht, dass man nicht weiß, was man will. Oder wollen könnte. Denn wollen tut man immer was. Selbst wenn man es nicht weiß. Weil man so schüchtern ist, dass man es sich nicht einmal selber gestehen traut. Nur wenn man es nicht sagt, weder sich, noch wem anderen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das, was man will, irgendwann auch passiert, eher gering. Und vor allem: Wir bestimmen es nicht mehr selber. Irgendwer anderer bestimmt. Und wir machen uns abhängig von wem anderen. Und von dem, was der will. Und ob der vielleicht zufällig das will, was wir wollen. Denn selbst wenn der wollen würde, dass wir bekommen, was wir wollen, weil er ein netter Mensch ist, haben wir ein Prblem. Nicht alle Männer, die ganz gerne den ersten Schritt auf eine Frau zu machen und es nicht ganz so gern mögen, wenn die Frau etwas forscher ist, sind dadurch matschoide Typen, die man allentfalls in die Kategorie „Arschlöcher, die man mal als Frau erlebt haben muss, um zu wissen, dass man sie nicht braucht“ abschieben kann, nein, auch jene können richtig Gute sein, so welche, die es super finden, wenn sie einer Frau eine Freude machen können, weil sie der Frau ermöglichen, was die Frau will. Aber woher soll dann der das wissen? Was die will. Wir können nicht Gedanken lesen. Nicht einmal die wirklich netten unter den Männern können das. Frauen übrigens auch nicht, auch wenn es manche gibt, die das annehmen. Aber das ist eine andere Geschichte. So lange Gedanken nicht ausgesprochen werden, tun sich andere Menschen sehr schwer damit, diese zu kennen. Und eben auch die darin verborgenen Wünsche. Und in dem Fall muss ich leider sagen, ist Schüchternheit echt scheiße.

Und jetzt? Was kann ich jetzt tun? Um meine scheiße Schüchternheit los zu werden?

Dir vor Augen führen, was die Schüchternheit bewirkt. Denn Schüchternheit kommt in den allermeisten Fällen aus einer Angst heraus, nämlich der Angst, eine Abfuhr zu bekommen, nicht gut genug zu sein, etwas Blödes/Falsches/Unverständliches zu sagen und es beim anderen aber so richtig zu vermiesen. Ja, ist alles möglich. Aber eben auch das Gegenteil. Und nun kann jeder selber entscheiden: Gehe ich das Risiko ein, dass all das passiert, oder lieber nicht. Wenn ich es eingehe und es passiert etwas davon: Ja, dumm gelaufen. Aber: So lange ich es nicht eingehe, passiert all das ja trotzdem, und zwar in meiner Vorstellung, und glaubt mir, die Phantasie ist immer viel viel schrecklicher, als es die Realität je sein kann. Und passiert das, was wir vermeiden wollen, dann wissen wir wenigstens, woran wir sind. Abfuhr. Gut, dann müssen wir uns nicht noch länger damit rumquälen. Passiert aber doch nicht das Böse/Schlimme/Schlechte, das wir uns in grell schwarz-weiß ausgemalt haben, sondern etwas ganz anderes, kann dieses Andere vielleich ja toll sein, bunt und überraschend oder sogar das, was wir eh schon die ganze Zeit wollen.

Das Mittel gegen die Schüchternheit liegt also nicht in irgendwelchen Tipps und Tricks und Ratschlägen, in Sätzen, die man sich für die perfekte Anmache ausgedacht und auswendig gelernt hat, sondern in einer Einstellungsänderung zu dem, was man erwartet, erwarten will und erwarten kann. Und darin, sich selber die Chance auf gut zu schenken.

Seid nett zu Euch.

Euer Adam

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7 Kommentare

  1. Schüchtern. Ja absolut ein Makel (aber nicht immer). Vor allem aber auch deswegen, weil es eben aus der Angst vor was auch immer entsteht. Und aus anfänglicher lediglicher Schüchternheit kann (eben auch nicht immer) irgendwann, sollte man nicht früh genug den Schuss hören, zur absoluten sozialen Isolation mit all ihren Folgen führen. Ich spreche aus Erfahrung. Und es ist ein Teufelskreis.

    @Adam
    “…und glaubt mir, die Phantasie ist immer viel viel schrecklicher, als es die Realität je sein kann.”

    Vielleicht in der Beziehung zur reinen Schüchternheit in sexuell geschlechtlicher Hinsicht. Aber leider hat die Realität (was ja jetzt nicht auf die Allgemeinheit zutrifft) meine Phantasie, was sein oder passieren könnte – und die war schon sehr angsteinflößend -, um Weiten übertroffen; auch auf die Schüchternheit bezogen, die zur ungesunden Übervorsicht wurde. Aber genau die Erfahrungen haben mich auch in dem geprägt, was den Umgang mit dem anderen Geschlecht, aber vor allem mit dem Mensch, betrifft. Ich hatte keine schöne Kindheit und noch weniger eine schöne Jugend. Kindheit nur von Krankheit, psychische und physische Gewalt in fast all ihren Formen – wobei ich die Physische bei weitem nicht so schlimm empfinde als die Psychische -, und die Jugend vor allem von meinem schrecklichsten Verlust in meinem bisherigen Leben, durch den meines über alles geliebten älteren – und einzigen Geschwisterteils – Bruders durch Suizid, geprägt; den ich bis heute, es sind jetzt 21 Jahre her, nicht verkraften kann. Geprägt durch Dinge, die Menschen mit anderen Menschen tun wie Mord und Todschlag, die ich lieber hätte nicht angesehen, sondern weggesehen. Ich hätte sie nicht mit anschauen müssen – meine Schuld. Geprägt durch Dinge, die Menschen mit anderen Menschen tun, wie halb totschlagen, erstechen wollen, etc., die ich mit ansehen musste, weil ich noch zu klein war um wegschauen zu können. Aber auch da hätte ich wegschauen und weghören können. Auch hier: Mea culpa. Geprägt durch eine Erfahrung mit dem anderen Geschlecht, die mich damals, in meiner Jugend, in Todesangst versetzte. Sie stand mit einem Butterflymesser vor mir und drohte mich zu erstechen. Voraus gegangen war, dass sie zu verstehen gab, dass sie wohl intim mir werden wolle. Dann kam diese Situation mit dem Messer und sie meinte: “Euch Männer will ich abstechen, denn ihr seit nur Dreck und ich bin lesbisch”. All das hat meine vorherigen Phantasien was sein oder passieren könnte, in der Realität um Welten, wenn nicht sogar Universen, übertroffen. Mein Glaube an das Gute der Menschheit hat darunter so sehr gelitten, dass mein ganzes Sein, durch Angst und all ihren Folgen, vollkommen erfüllt ist.

    Und meine Phantasie sagt mir noch mehr. Nämlich, dass all das ganz sicher nicht alles ist, was ein einziger Mensch unter Umständen auszuhalten hat, sondern dass in der Welt – und somit in der Realität – noch viel schlimmes geschieht.

    Also Männer und Frauen und wie immer ihr euch auch bezeichnen mögt: Überwindet eure Schüchternheit, lasst sie nicht zur ungesunden Isolation verkommen. Seit aber trotdem immer auf der Hut, und passt gut auf euch auf.

    • ich möchte nur auf zwei Worte eingehen, die du erwähnst, nämlich: “mea culpa”. Nur an dieser Stelle möchte ich genau dies infrage stellen: Dass es deine Schuld gewesen sein sollte. Ohne die genauen Umstände all dessen, was du beschreibst, zu kennen, wage ich mich vor und behaupte: all das klingt nicht danach, wie wenn es deine Schuld gewesen wäre. Auch wenn es vielleicht sehr logisch klingt, sich Schuldgefühle zu machen.

      • Ja; vielleicht an genau dieser einen Stelle nicht, da ich noch viel zu klein war. Aber später. Da konnte ich durchaus “Herr meines Hauses” sein. Und ich hätte auch aus den Fenstern blicken können, um hinter die Fassaden meines über alles geliebten Bruders zu schauen. Um seine zerstörte Wohnung zu sehen und ihn vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Vielleicht wäre es dann nicht zum Suizid gekommen. Und ich hab mich, in meinem großen Haus, das mir alleine gehört, komplett verirrt. Ich glaube, mein Haus ist komplett eingestürzt. Vielleicht war es auch niemals gebaut, da von Anfang an das Fundament ein reiner desaströser Baufehler war.

        • auch da möchte ich die “Schuld” relativieren. Suizide sind – leider – nicht immer zu verhindern. Und am schwersten fällt es meistens den Menschen, die Suizidgfeährdeten nahe oder am nächsten stehen, die Situation einzuschätzen. Suizidgefährdete (jene, die es dann auch tun) können es auch gut verstecken. Sie sind über den Zustand des Hilfesuchens über Suizidversuche oder das ausgestellte “Mir geht es dreckig” leider hinaus. Davon abgesehen, wie du sagst, kann man nicht immer nur auf die anderen schauen, wenn es bei einem selber wackelt. Wie willst, du, um in deinem Bild zu bleiben, aus deinem Haus auf das deines Bruders schauen können, wenn du dich in deinem verirrt hast?

  2. Susanne?
    Susaaaannneee???
    Hallooooo!
    Susanne, lebst du noch??????

    Wenigstens Stefan?
    ——————
    ???????????

    • Hallo Greta!

      Hast du mich gemeint wegen meiner allzu offensichtlichen Mitteilungsfreudigkeit zu fast jedem Thema? Wir sind beide noch da, waren nur für eine Weile etwas verhindert (Lungenentzündung, Krankenhaus). Tatsächlich habe ich nicht zwanghaft zu jedem Thema unbedingt etwas zu melden (Stephan ohnehin etwas weniger), auch wenn das für alle sehr oft so ausgesehen hat. Wollte auch niemandem auf den Geist gehen, ehrlich nicht. Schöne Woche noch!!!

    • Greta, Du musst nicht so laut rufen! Wir wissen beide, dass wir nicht zu den Schüchternen und Wortlosen gehören.

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© Raoul Biltgen

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