Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

338 – Die richtigen Worte

| 9 Kommentare

Liebe Frauen,

Männer sind ungehobelte Arschlöcher, Frauen überkandidelte Sensibelchen.

Bild: Kawanabe Kyosai

Das wäre zumindest meine Zusammenfassung jeweils aus der anderen Sicht, wenn ich mir so anschau, wie miteinander geredet wird. Vor allem – wenn auch nicht nur – wenn es um Sex geht.

Ja, Männer sind derbe. Nicht immer, aber oft. Männer sagen „Schwanz“ und „Möse“ oder „Muschi“ und anderes. Sie beschreiben die Tätigkeit, auf die sie aus sind, mit Worten wie „Vögeln“, oder „Bumsen“. Sie sagen: „Du hast so geile Titten.“ Sie sagen: „Ich will dich ficken.“ Oder: „Rammeln.“ Oder: „Es dir aber sowas von besorgen.“ Sie sagen: „Du geile Sau.“ Oder auch: Sie schwingen nicht unbedingt die feine Klinge, wenn es darum geht, zu sagen, was sie wollen. „Nimm ihn in den Mund.“ Weil was gesagt ist, ist gesagt. Und wenn es klar gesagt ist, gibt es auch keine Fragen, was gemeint sein könnte. „Ich will dich in den Arsch ficken“ lässt nur wenig Spielraum für Interpretationen.

Und ja, doch, ich muss da auch mal die Männer ein wenig in Schutz nehmen, bin ja dann auch selber einer, dochdoch, die Männer meinen das nicht böse oder pfuigacks oder so. Und sind es ihre Hormone oder ist es ihr Hirn oder dann aber doch die Erziehung, Männer haben deutlich zu sein, in ihren Worten und Taten. Sonst werden sie nicht als männlich wahrgenommen. Sagen ja auch die Frauen, dass das nicht so maskulin rüberkommt, wenn ein Mann rumeiert. Statt Eier zu zeigen. Hihi. Aber aus Frauensicht: Ja, aber.

Was aber?

Aber doch nicht so, ist ja grauslich, bitte, wie komme ich mir den vor?

Weil Frauen Dinge nicht so einfach in dem Mund nehmen. (Abermals hihi.) Weil sie Sex umschreiben wollen. Nein, nicht alle Frauen weichen auf das umständliche „Liebe machen“ aus, und ja, wenn es dann mal zur Sache geht, kann auch eine Frau Worte aussprechen, die sie außerhalb des Schlafzimmers oder sonstiger Verlustierörtlichkeiten niemals benutzen würde. Und auch hier möchte ich die Frage gar nicht beantworten, woran das liegt, aber ich glaube feststellen zu können, dass es mehrheitlich so ist.

Und die Männer finden das übertrieben. Sie verstehen das nicht. Da kennen sie sich nicht aus. Da denken sie sich: „Hä?“ Oder auch: „Was will die jetzt? Dass ich es ihr ordentlich besorge? Oder geht es wirklich nur um einen Kaffee? Mitten in der Nacht?“ Und wirklich nicht leiden können sie, wenn sie dann von den Frauen immer und immer und immer wieder darauf hingewiesen werden, dass sie doch bitteschön nicht so reden sollen wie die Bauarbeiter. Sprich schön. Auch Bauarbeiter sind nette Menschen. Und warum sollen sie nicht so reden? Mannmannmann, Frauen, echt, immer so sensibel, immer so, ui, nein, nicht das böse Wort sagen und so. Ja, richtig, da werden Männer zu Zicken.

Nun versuchen viele Frauen seit Jahren und Zehnten, die Männer, oder auch nur ihre, dazu zu bewegen, ihre tiefe Sprache doch bitte zu unterlassen. Und seit derselben Zeit etwa geben sich die Männer, manche Männer Mühe, dem zu entsprechen. Was ihnen schwer fällt. Wie wenn sie heiße Kartoffeln im Mund hätten, stellen sie sich dabei an, auch mal anders zu reden. Poetisch. Romantisch. Normal halt, herrgott, wie wir Menschen nunmal reden, und nicht die Steinzeitaffen, ist denn das so kompliziert?.

Wenn Ihr aber, liebe Frauen, Eurem Mann eine Freude machen wollt, dann kommt auch ihm mal entgegen. Muss nicht immer sein. Nein, tatsächlich darf es nicht immer sein, nein. Aber ab und an mal sagen: „Ich will deinen Schwanz“, und Euer ansonsten immer lieber Liebster schlackert mit den Ohren und wedelt mit dem Schweif.

Denn es ist doch so: So wie wir selber reden, so wollen wir auch hören. Reden wir derb, verstehen wir derb. Reden wir fein, verstehen wir fein. Aber manchmal geht es eben nicht darum, so zu reden, wie man es selber gerne hört, sondern so, wie man weiß, dass der andere es gerne hört. Und das gilt in beide Richtungen.

Euer Adam

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9 Kommentare

  1. Hallo ihr jungen Leute,
    ich kann euch verraten, dass man im Alter nicht mehr so kleinlich ist. Es kommt auch weniger darauf an was man sagt, sondern wie und vor allem in welchem Zusammenhang.
    Ich glaube nicht, dass ich schon mal so ungehobelt war. Und wenn, dann war das nur im Spaß.
    Man kennt auch Geschichten von denen man nur die Pointe zu nennen braucht oder die erste Zeite von folgendem Witz:
    Er fragt seine neue Freundin: Kannst du rechnen?
    Sie: Ja
    Er: Dann rechne damit, dass du heute Abend gevögelt wirst
    Sie: Damit hatte ich schon gestern Abend gerechnet.

    Meiner Frau habe ich heute morgen von dem Thema berichtet und dann gesagt: Ich will dich ficken. Sie hat gelacht. Dann habe ich gesagt: Sei froh, dass dich ein alter Mann noch so was fragt. Sie hat noch mehr gelacht.

  2. Lieber Adam,
    ja, eindeutig wieder ziemlich treffend! Ich glaub das ganze liegt aber auch wieder am Spaß am Sex und dem was der eine hört, was der andere sagt, wie so vieles. Habe ich Spaß am Sex, habe ich auch keine Probleme mit dem drum rum. Früher als ich noch um einiges jünger war haben mir manche Worte auch einfach aus Scham oder was es auch immer war nicht gefallen. Ich will garnicht wissen, wie oft ich meinem damaligen das berühmte “sags doch anders” an den Kopf geschmissen habe. Jetzt genieße ich, was ich mit ein paar eigentlich so harmlosen Worten doch bewirken kann. Ich bin schon fast stolz, wenn ein Mann mir ins Ohr haucht, was er gleich mit mir machen will und verdammt können da ein paar Minuten bis man es dann bekommt lang werden! Und ja, je klarer desto mehr löst es aus. Und mal was ist denn toller als so zu sagen eine “Anleitung” zu bekommen, wie man was machen “soll”? Aber klare Ansagen sind zwischen Männern und Frauen ja nicht nur in der Beziehung ein Problem…

    Ich hab Sex in allen Facetten, ich liebe, aber ich mache keine Liebe… Freu mich auf deine Gedanken zum “Liebe machen” – vielleicht lern ich ja dabei noch :-p

  3. Lieber Adam,

    du hast wirklich stets einen Bilder auslösenden Schreibstil. „…und wedelt mit dem Schweif“ hat neben mir gerade heftiges Gegacker ausgelöst. Davon abgesehen habe ich Glück mit meiner Frau, sie ist in Bezug auf Sex kein Sprachen-Sensibelchen (obwohl ansonsten durchaus in der Lage, sich gewählt auszudrücken). Sie benutzt das Wort Schwanz, wenn es um genau den geht, zuckt bei dem Satz „ich will dich ficken“ auch nicht zusammen, und gackert neben mir gerade amüsiert „ich finde den Ausdruck Liebe machen für Sex einfach völlig daneben.“
    Ah, sie kann wieder normal sprechen. Kommentar: „Wie soll ich denn immer wissen, was du magst oder besser vielleicht gerade willst, wenn du es nicht deutlich aussprichst? Und wie sollst du das bei mir immer wissen, wenn ich dir nicht auch mal sage, was gerade erwünscht ist? Sind wir Hellseher? Hin und wieder braucht es schlichtweg den derberen Sprachstil. Oder soll ich lieber zu dir sagen „du kannst mir gerne deine Briefmarkensammlung zeigen.“
    Aber wir stimmen dir zu, es muss ja nicht immer sein, obwohl klare Ansagen im Leben nie schaden.
    Wir denken beide, dass das nach wie vor eine Erziehungsfrage ist, dass man Mädchen noch immer eintrichtert, sie „dürften“ manche Ausdrücke nicht benutzen, weil schmutzig oder was auch immer, egal, ob außerhalb des Schlafzimmers oder hinter dessen Tür.

    • ich finde “Liebe machen” vor allem ein Paradox in sich. Aber dazu kann ich ja vielleicht mal bei gelegenheit mehr schreiben.
      Weiterhin viel Spaß und Gegacker mit meinen Bildern :-P

      • Mal so ganz unter uns Männern: ist doch auch höllisch sexy, wenn du von deiner Partnerin eine so klare Ansage bekommst und ein richtig guter Grund, freudig erregt zu wedeln (auch wenn sie jetzt wieder frech grinst)!

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© Raoul Biltgen

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