Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

344 – Der Rockstar

| 4 Kommentare

Liebe Frauen,

Männer wollen Rockstars sein.

Bild: Hishikawa Moronobu

Oder Fußballstars.

Was aber aufs Gleiche hinausläuft.

Sie wollen Stars sein. Sie wollen gefeiert werden. Sie wollen angehimmelt, angebetet werden. Ja, sie wollen auch viel Geld verdienen, aber, und das mag erstaunen, in diesem Fall geht es wirklich nur nebensächlich um die Kohle. Das gehört halt dazu. Sie wollen auf offener Straße angesprochen werden, sie wollen, dass vollkommen fremde Frauen unsterblich in sie verliebt sind und ein Kind von ihnen wollen oder ihnen zumindest einen blasen. Sie wollen alle Frauen für sich. Gerne auch gleichzeitig. Denn das ist es, was einen Rockstar ausmacht: Alle Frauen wollen ihn. Und ja, es geht um Sex. Es geht um potentiellen Sex. Es geht darum, zu wissen, dass alle Frauen dieser Welt mit dir schlafen wollen.

Natürlich geht es auch vielen Männern darum, das dann auch zu tun. Mit allen Frauen schlafen. Oder mit so vielen wie möglich.

Aber, und auch das mag verwundern, die tatsächlichen Stars legen gar nicht einmal so viel Wert darauf, ihren Pimmel in jede beliebige Frau zu stecken. Aber sie wollen es können. Selbst wenn sie die Treue in Person sind, gibt ihnen die Gewissheit, dass sie nur mal mit dem Finger schnippen oder Arsch wackeln müssten, um die nächste abzubekommen, ein Gefühl der absoluten Erhabenheit. Oder auch Sicherheit. Denn Männer haben im Grunde ja nur eine einzige Angst: dass sie verlassen werden. Aber Rockstars werden nicht verlassen, sie verlassen. Und selbst wenn sie doch mal verlassen werden, können sie das getrost als verlassen interpretieren, da sie ja noch am gleichen Abend mit einer anderen rumvögeln. Können. Könnten. Denn, und das ist jetzt, glaube ich, das Überraschendste überhaupt: Auch Rockstars sind nur Menschen.

Aber das sagen wir den Männern lieber nicht, die zuhause vor dem Spiegel Luftgitarre spielen und ins Mikrofon eine ellenlange Oscar-Dankesrede schmettern und ihre Mittagspause damit verbringen, sich einen Bandnamen auszudenken und die entsprechenden Cover der ersten fünf Alben inklusive best of zu kritzeln. Und alles alles alles, was sie in ihrem Leben tun, tun sie unter der Prämisse: Das tu ich nur so lange, bis ich Rockstar bin. Oder sie tun es, weil sie sich denken, mit dem, was sie tun, Rockstar zu werden.

Nehmt mich.

Also, als Beispiel jetzt, nicht … Ja, Ihr habt mich verstanden. Warum, glaubt Ihr, mache ich das hier? Schreibe ich mir jede Woche die Finger wund und begehe Höchstverrat an meinen Geschlechtsgenossen, indem ich auch noch das allerletzte Geheimnis preisgebe? Doch nicht, um damit in irgendeiner vollkommen utopisch-abstrusen Weise mein Scherflein zu einer verbesserten Kommunikation zwischen Männlein und Weiblein beizutragen, ih wo. Nein, weil auch ich hoffe, hiermit einen Schritt zum Rockstar-Sein zu machen. Dass Ihr mich anhimmelt, anbetet und ganz ganz viele Kinder von mir wollt.

Die ich Euch aber nicht machen werde, versprochen.

Euer Adam

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4 Kommentare

  1. Ich liebe deine Kolumnen!
    Ich lerne neues, kann herzlich lachen… und jetzt überlege ich wie ich es erklären soll dass ich gerade laut lachend im Wartezimmer meine Gynäkologen sitze…
    Weiter so!

  2. Können wir sonst noch etwas tun, um Euch in Eurer Rockstar-Attitude zu unterstützen/bestätigen? Oder genügen anhimmeln, anbeten und viele Kinder schon? Mehr nicht? Ach, Ihr seid so herrlich anspruchslos!

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© Raoul Biltgen

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