Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

348 – Die Fremdgelüste

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Wenn sich der Mann umschaut …

Liebe Frauen,

Treue ist wichtig, oder?

Bild: Thomas Rowlandson

Ja, Treue ist wichtig. In Beziehungen. In Liebesbeziehungen. In unseren Gesellschaften. Das war nicht immer so, jetzt schon. Daran muss man sich nicht halten, aber im Großen und Ganzen führt Untreue doch eher zu Problemen als Treue. Weil eben die Regel gilt: Treue ist wichtig.

Und folgerichtig ist Untreue bäh, das macht man nicht.

Nun könnte ich mich hier seitenlang darüber auslassen, wieso weshalb warum Treue heutzutage und in westlichen Gesellschaften und vielen anderen so wichtig ist. Ich könnte mit Evolution kommen und mit Bibel, mit sozialer Absicherung und mit Romantik und mit Liebe und, oh, ja, klar, mit Liebe, mit Exklusivität und Recht auf Exklusivität und überhaupt.

An dieser Stelle wäre es besonders interessant anzuführen, dass Treue noch definiert werden muss. Denn manche werden aufschreien: Sexuelle Treue hat nichts mit Liebe zu tun, man kann sich auch treu sein, wenn man mit anderen Sex hat. Und so weiter. Dagegen möchte ich auch gar nichts sagen, denn es ist in Ordnung, wenn sich zwei Menschen finden, die beide aus freien Stücken übereinstimmen, dass sie eine sogenannte offene Beziehung führen wollen. Kein Problem. Bleibt aber, und ich rede nur von dem, was ich sehe, die Ausnahme. Und zwar derart, dass der Wunsch und die Pflicht nach Exklusivität soweit geht, dass die Aussage, dass in gesunden Beziehungen Untreue ganz einfach nicht vorkommt, eine ist, welche sehr gerne unterschrieben wird. Denn wenn sich zwei Menschen lieben, dann haben sie nicht das Bedürfnis nach anderen. Und in diesem Fall eben auch nicht das sexuelle. Ungeachtet der Tatsache, dass es ebenfalls eher die Norm als die Ausnahme ist, dass Sex in langjährigen Beziehungen weniger wird. Und dass, wir müssen uns nur durch die Medien und Filme durchkämpfen, eben dies zu Problemen führt. Denn es reicht nicht. Angeblich. Uns. Wie oft wird darüber geschrieben, wie wichtig ein gutes Sexualleben auch in einer lange andauernden Partnerschaft ist. Manche schreiben zwar, dies sei überbewertet, aber auch sie schreiben darüber. Weil es ein Thema ist. So wie auch ich jetzt gerade darüber scheibe. Trotzdem: Wenn alles in Ordnung ist, dann gibt es auch keine abschweifenden Gelüste.

Der Vergleich ist nicht von mir, aber gut: Menschen sind Allesfresser. Manche Menschen entscheiden sich, aus welchen Gründen auch immer, vegetarisch oder vegan zu leben. Trotzdem duftet gebratener Speck sehr gut.

In diesem Vergleich kommt es mir weniger darauf an, dass auch ein Veganer vielleicht mal Lust auf Speck haben könnte, als vielmehr seine klare Entscheidung, trotzdem darauf zu verzichten.

Wenn also Menschen Menschen sexuell attraktiv finden, dann tun sie das unter Umständen auch, wenn sie sich dazu entschlossen haben, aus welchen Gründen auch immer, monogam mit einem anderen Menschen zu leben. Wichtig ist alleine die Entscheidung, dann auch dabei zu bleiben. Chemie kann viel. Ob Chemie aber tatsächlich soweit gehen kann, dass über Jahre und Jahrzehnte nur mehr ein einziger Mensch als sexuell attraktiv empfunden wird, das wage ich doch sehr zu bezweifeln. In den Monaten der Verliebtheit, wenn die Hormonausschüttung Purzelbäume schlägt, ja, da vielleicht, aber dann … Dann sind wir Menschen, die uns zur Treue entscheiden können. Weil wir das so wollen. Weil es uns wichtig ist. Wurscht, woher dieses Konzept kommt und ob es mehr Probleme bereitet, als die Sache Wert ist, und ob wir uns nicht mal so langsam davon lösen können sollten müssten, es ist da. Treue ist wichtig. Nämlich dem anderen. Wenn wir uns also für die Treue entscheiden, statt den Fremdgelüsten nachzugehen, dann tun wir das, weil wir wissen, dass der andere Mensch, den wir lieben, das bevorzugt. Und wir unter Umständen von ihm. Und hätten wir keine Fremdgelüste, wär Treue ziemlich langweilig. Weil es normal wär und nicht eine wissentliche Entscheidung für das eine, gegen das andere.

Und wenn Euch, liebe Frauen, die Männer jetzt mit irgendwelchen pseudoevolutionistischen Argumenten kommen, sie müssten von Natur aus ihren Samen in die Welt spritzen, dann wisst Ihr, dass sich diese Männer sehr bewusst gegen Euch, gegen Euren Wunsch nach Treue und damit ganz alleine nur für Ihre egoistischen Gelüste entscheiden. Wenn Euch das recht ist, es wird vielen Männern ebenso sehr recht sein.

Euer Adam

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6 Kommentare

  1. Beim Fremdgehen werden oft die Wörter Treue und Betrug benutzt. Treu ist ein Hund, wenn du ihn gut fütterst. Betrug heißt jemand um einen Anspruch bringen. In der Ehe wird betrogen, wenn einer grundlos seine sexuelle Aktivität einstellt.

    Adam, du schreibst: „Denn wenn sich zwei Menschen lieben, dann haben sie nicht das Bedürfnis nach anderen. Und in diesem Fall eben auch nicht das sexuelle.“
    Dann diesen Satz: „Chemie kann viel. Ob Chemie aber tatsächlich soweit gehen kann, dass über Jahre und Jahrzehnte nur mehr ein einziger Mensch als sexuell attraktiv empfunden wird, das wage ich doch sehr zu bezweifeln.“
    Den letzten Satz unterstützt auch Stephan. Was sein Freund sagt ist wichtig und sollte Beachtung finden. Da gilt der alte Spruch: Das tut man nicht!

    Kollegen, über 70 Jahre, hatten kürzlich behauptet sie würden nicht fremdgehen. Ich habe gesagt, sie würden nicht fremdgehen, weil sie verheiratet sind, aber nicht aus Überzeugung. Das haben sie bestätigt.
    Wenn Stephan und Susanne oder andere Ehepaare gefragt werden, was das Wichtigste in ihrer Ehe ist, kommt wahrscheinlich nicht das Wort „Sex“. Aber trotzdem gefährdet Fremdgehen am ehesten die Ehe.
    Wir hatten uns mal in einer Gaststätte mit einer fremden Frau (ca. 75 Jahre) unterhalten. Sie habe sich scheiden lassen, weil ihr Mann fremd gegangen sei. Das würde sie nie mehr tun.

    Ich hatte kürzlich einen Religionswissenschaftler gefragt: „Ich stelle immer wieder fest, dass sich Religionsführer um den Geschlechtsverkehr kümmern.“
    Antwort: „da sich religiöse Traditionen auf Dauer nur durch überdurchschnittlichen Reproduktionserfolg ihrer Anhängerschaft erhalten können, ist der von Ihnen beachtete Zusammenhang durchaus da und besteht auch in allen Weltreligionen. :-)

    Und wieder vergleiche ich das mit dem Auto: Wer Autos liebt, guckt auch nach anderen Autos, egal wie schön und gut sein eigenes ist. Wer keinen Bezug zu Autos hat, der benutzt es, wenn er es braucht, ohne Liebe.

    Es kann doch alles passieren, wenn die Umstände entsprechend sind. So wie Susanne bei „Sex im Auto“ geschrieben hat. Es ist passiert, man hakt es ab.
    Wenn meine Frau stehlen würde, z. B. im Supermarkt, das wäre ein ganz gewaltiger Bruch unserer Ehe.

    • Beziehung ist eine Art Vertrag, oder, etwas poetischer ausgedrückt, ein Versprechen. Was man sich verspricht, oder vertraglich ausmacht, ist den beiden beteiligten Personen überlassen. Meistens beinhaltet dies, dass man mit niemand anderem Sex hat. Meistens bleibt dies allerdings unausgesprochen, weil es in unserer Gesellschaft die Norm ist. Und ein gebrochenes Versprechen, oder ein gebrochener Vertrag ist das, was als betrug empfunden wird. Wird der Vertrag/das Versprechen aber anders formuliert, sieht die Sache natürlich ganz anders aus. Und nur weil die Chemie mir sagt, dass es auch noch andere attraktive Menschen gibt, heisst das noch lange nicht, dass ich die Chemie über mein Leben bestimmen lassen, das tu ich immer noch selber. Sprich: Ich entscheide, ob ich mit nur einem oder mehreren Personen Sex habe. Und ich entscheide, welche Versprechen ich mache und welche Verträge ich eingehe.

      • Hallo Adam,
        natürlich hast du Recht, dass man einen ungeschriebenen Vertrag hat, nur mit seinem Partner Sex zu haben.
        Es geht mir darum, darauf hinzuweisen, dass man wegen eines Seitensprungs nicht alles kaputt macht, was man sich in Jahrzehnten aufgebaut hat.

        In bestimmten Situationen kann es mal vorkommen, dass man seiner Lust nachgibt. Man hat schon seit einiger Zeit ein schlechtes Klima, man ist unter einer netten Gruppe, man wird umworben usw. Vor allem während einer Kur.
        Ich finde es aber absolut schwachsinnig, wenn jemand seinen Partner verlassen will, weil man ein paar schöne Sex-Tage bei “Sonnenschein” in der Kur hatte.

        Vielleicht hat ein Ehemann mal diesen Spruch aus dem Internet gelesen:
        “Die Hingabe einer verheirateten Frau ist für den Liebhaber das Himmelreich, von dem ihr Ehemann nur zu träumen vermag.”

        • klar kann es passieren, klar muss das nicht das Ende einer Beziehung sein. Ich denke nur, wenn man weiß, dass es für den Partner/die Partnerin das Ende der Beziehung bedeutet, warum auch immer, wenn der/die andere mit wem anderen Sex hat, dann sollte man es sich vorher überlegen, was man aufs Spiel zu setzen bereit ist.

  2. Lieber Adam,

    wir sind unbedingte Verfechter der gegenseitigen Treue. Aber wir denken beide nicht, dass über Jahrzehnte hinweg nur ein einziger Mensch als sexuell attraktiv empfunden werden kann. Man begegnet doch öfter einem Menschen, bei dem man denkt, oh ja, der/die hat was, der in dir irgendwelche Saiten anspricht, bei dem man sich ggf. etwas mehr vorstellen kann als nur einen freundlichen Händedruck.
    Und was willst du dagegen machen, dass evtl. dann deine Fantasie/Vorstellungskraft Kapriolen schlägt? Kann man das tatsächlich dauerhaft unterdrücken? Wir denken nicht.
    Es ist wirklich eine Frage der Definition (die einen so, die anderen so). Wir halten uns da an das berühmte “gucken ja, anfassen nein.” Und Gedanken sind frei, für die ist jeder selbst verantwortlich. Aber alles, was darüber hinausgehen würde, wäre für uns beide ein Treuebruch. Andere wiederum könnten bereits Gedanken als Untreue empfinden.
    Lebst du in einer festen Partnerschaft, bist du zwar gebunden, aber weder blind und schon gar nicht tot. Und sehr menschliche Regungen/Gelüste (sofern es dabei bleibt, was uns betrifft) kannst du nicht unterdrücken.
    Wir hatten vor ca. einem Dreivierteljahr unsere besten Freunde zum Abendessen zu Besuch und dabei eine Diskussion zu genau diesem Thema. Mein Freund sagte im Beisein unserer Frauen zu mir “ich kann mir eine Affäre mit deiner Frau durchaus vorstellen und gebe es offen zu, dass ich sie anziehend finde. Aber dabei werde ich es auf jeden Fall auch belassen, ansonsten würde ich meine eigene Ehe, die mir sehr wichtig ist und in der mir auch die gemeinsame sexuelle Treue wichtig ist, aufs Spiel setzen. Und das ist mir keine Affäre wert. Außerdem würde mich meine Frau höchstwahrscheinlich kastrieren, sobald sie Kenntnis davon bekäme. Und die bekäme sie, weil ich es ihr nämlich sagen würde.”
    Eine irgendwie merkwürdig gepolte Hirnwindung (bzw. ein Aktivitätsmuster der Großhirnrinde) bei mir erzeugte den Gedanken “Junge, ich kann dich sogar verstehen.” Ach ja, das Gehirn ist auch ein seltsam funktionierendes Ding.

    • “sehr menschliche Regungen/Gelüste kannst du nicht unterdrücken.” Ich glaube schon, dass man sie in gewisser Weise unterdrücken kann. Nur nicht unbedingt auf Dauer. Und schon gar nicht ist das besonders gesund. Für die Psyche und für die Beziehung. Denn unterdrückt heißt nur, dass man sie nicht mehr wahrnimmt, sie sind trotzdem immer noch da. Aber wenn ich sie nicht mehr wahrnehme, habe ich auch kaum noch Kontrolle darüber. Und dann kann es passieren, dass das Hirn aussetzt und rumgevögelt wird und nachher heißt es dann: Ich habe nicht nachgedacht. Also besser erkennen und anerkennen, dass man Regungen da sind. Und dann ganz normal damit umgehen. Ohne verteufeln oder so. So wie dein Freund es beschreibt. Weil wir entscheidungsfähige Wesen sind. Das Gehirn ist eindeutig ein seltsam funktionierendes Ding, aber es funktioniert ;-)

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© Raoul Biltgen

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