Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

351 – Die Zugabe

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Liebe Frauen,

die Band hat sich redlich bemüht, das Publikum ist ob des Abtanzens verschwitzt, der Leadsänger kündigt den letzten Song an, die Halle bebt, die Lichter flackern, die Körper dampfen, wir gehen ab.

Bild: Martin van Maele

Bild: Martin van Maele

Der Höhepunkt ist erreicht, wir atmen erleichtert aus, wir sind erschöpft. Die Band zieht sich zurück.

Und das Publikum hat nicht genug. Zu-Ga-Be, Zu-Ga-Be schreit es aus Tausenden Kehlen, rhythmisches Klatschen, alle Blicke hängen gebannt an der in Dämmerlicht versunkenen Bühne. Doch da, es taucht wer auf, Lichter gehen an, es geht weiter, Hurra.

Hurra?

Auf Konzerten sind die Zugaben doch längst ausgemachtes Ding. Sie werden zwar noch Zugaben genannt, sind es aber nicht. Sie sind der zweite Teil der Show. Nach einer kurzen Pause halt. Die ja auch nur verständlich ist, ich meine, hallo, ist ja auch anstrengend, so ein Konzert auf der Bühne. Es wird also nochmal einige Songs lang abgerockt. Und dann ist aber auch gut. Die Konzerthallenneonröhren, deren Licht hässlicher nicht sein kann, werden gnadenlos angeknipst, doofe Dödelmusik aufgelegt, alle wissen: Das war’s. Niemand muss noch einmal rufen und um eine Zugabe bitten, die hat es schon gegeben. Alle gehen befriedigt nach Hause, den letzten Song im Ohr, den Beat in den Beinen.

Aber hier geht es ja nicht um Musik.

Und das wisst Ihr natürlich längst.

Hier geht es um Sex.

Und hier geht es darum, dass manche Frauen auch nach einem Höhepunkt zwar befriedigt sind, aber durchaus trotzdem noch nicht genug haben. Während ihre Männer daneben liegen, noch ein wenig Kuscheln über sich ergehen lassen, weil sie gelernt haben, dass frau das so mag, bis sie sich endlich dem wohlverdienten Schlaf hingeben dürfen. Und wäre ich Biologe oder ähnliches, ich könnte jetzt voll grausam biologisch argumentieren, dass das so sein muss. Hormonell bedingt und so.

Aber ich bin ein Mann. Und ich kann männlich argumentieren. Und auch wenn Männer gerne Rockstars wären (siehe entsprechenden Artikel Nummer 344), so ist es doch leichter, einen weiteren Song anzustimmen, als noch einmal eine Latte hinzubekommen, die sich auch so nennen darf. Und vom neuerlichen Abspritzen möchte ich gar nicht mal reden. Es mag sie geben, die Männer, die noch einer fünfminütigen Verschnaufpause wieder nachlegen können, die meisten aber können nicht. Selbst wenn sie wollteteten. Mit anderen Worten: Selbst wenn die Frau ihre Zu-Ga-Be-Rufe als spielen am Schniedel oder auch dran lecken verpackt, wir haben keine Songs mehr auf Lager. Unsere Gitarren sind verstimmt, unsere Kehlen rau. Wir sind keine Musiker, die sich von vorneherein noch was aufsparen. Wir geben alles. Auf einmal. Und statt die Neonröhren ein-, wollen wir das Schlafzimmerlicht ausschalten. Also gebt Euch keine Mühe, da kommt nichts mehr, Ihr könnt Euch getrost wahlweise an der Klo-, Parkgaragen- oder Merchandisingstandwarteschlange anstellen gehen.

Aber, das darf ich Euch verraten: Im Gegensatz zu den Rockstars dieser Welt schmeißen wir uns nicht in den Tourbus und pennen bis zur nächsten Stadt, nein, wir bleiben da. Wir liegen eben Euch, wir bleiben Euch erhalten. Und Ihr könnt gerne nach einer gewissen Regenerationszeit ein neues Exklusivkonzert von uns bekommen, vielleicht ja schon am nächsten Morgen. Und vielleicht ändern wir die Songreihenfolge. Und vielleicht nehmen wir auch mal das eine oder andere Lied ganz neu ins Repertoire. Vielleicht überraschen wir Euch ja auch mit einem Coversong, weil da haben wir letztens was gehört … Und jedes Mal, wirklich jedes Mal nehmen wir Euch aus den Tausenden kreischender Frauen auf die Bühne.

Wer will schon Zugaben, wenn er Konzert um Konzert um Konzert haben kann?

Euer Adam

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7 Kommentare

  1. Einerseits muss ich dir zustimmen, andererseits bekomme ich als mitlesender Mann schon fast leichte Depressionen. Von wegen “starkes Geschlecht”…

  2. und machmal kann frau einfach ihr lieblingslied selbst nochmal singen und alles was er tun muss ist dabei seine brust als kissen anzubieten…..

  3. Meine Schwiegermutter war zum Essen da und wir haben uns den heutigen Artikel zusammen zu Gemüte geführt. Laut schallend lachend sagte sie: “Ach, um bei dem Bild zu bleiben: irgendwann müssen wir ja schließlich auch unsere wundgeschrienen Kehlen sich regenerieren lassen, damit wir beim nächsten Konzert wieder mitgrölen können.” Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

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© Raoul Biltgen

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