Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

356 – Der andere George Clooney

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Liebe Frauen,

wir Menschen sind kleinliches Getier. Und da wir die jeweils anderen auch so sehen, haben wir ein Problem.

Bild: Eadweard Muybridge

Bild: Eadweard Muybridge

Da geht ein Mann, ach, Hand in Hand mit einer Frau bei Sonnenschein und romantischem Herbstblätterfallen durch den Park und erfreut sich seines Lebens, als er an seiner Hand ein kurzes Zucken wahrnimmt. Irritiert blickt er hin und am Arm der Frau, dessen Hand gezuckt hat, entlang zu ihr, und bemerkt gerade noch, wie sie den Blick wieder abwendet vom Mann der George Clooney sein könnte. Graumeliertes, volles Haar, stattlich, wie man sagt, trotz Mantels klar erkennbar top in Form, der Mantel natürlich ein Designerstück, ein charmantes Lächeln auf den Lippen. Die Frau spürt natürlich, dass der Mann sie ansieht, blickt ihn kurz an, und lächelt. Und der Mann denkt: mitleidig. Denn in ihm sieht sie all das nicht. Denn er hat eine Glatze, seine Haare sind nicht graumeliert, sondern nichtsagend braun, die wenigen, die er halt noch hat, er trägt eine Nylonjacke, die nicht schön, sondern warm ist und günstig war, und ein Lächeln verkneift er sich, weil sie ihn schon seit Wochen damit nervt, er soll doch endlich zur Zahnreinigung gehen.

Wo liegt der Fehler?

Die Frau hat doch nichts getan. Sie hat doch nur geschaut. Oder vielleicht hat sie nicht einmal geschaut. Vielleicht ist das alles nur in den Augen und im Hirn des Mannes entstanden, er hat das alles nur hineininterpretiert in ein vollkommen harmloses Zucken in der Hand, wer weiß denn schon warum, also scheiß dich nicht an, Mann.

Aber so sind wir nunmal, wir Sensibelchen des männlichen Geschlechts, wir interpretieren gerne mal Hinweise auf Vorzüge anderer Männer als Hinweise auf Nachteile bei uns selbst. Und diese Hinweise können ja durchaus auch mal ausgesprochene sein. Der andere hat keinen Bauchansatz, der andere hat schöne Haare, der andere kann länger, ist reicher, nimmt nicht immer alles persönlich. Heißt für uns immer dazu: im Gegensatz zu dir. Weil wir unserer Defizite bewusst sind. Oder weil wir uns dessen bewusst sind, was wir als Defizite an uns selber wahrnehmen. Weil es Dinge betrifft, die wir nicht ändern können. Oder weil es Dinge betrifft, die wir sehr wohl ändern könnten, aber es trotzdem nicht tun, warum auch immer, aber deswegen reagieren wir dabei noch viel mimosenhafter, weil sie etwas viel tiefer Gehendes an uns selbst treffen, nämlich unsere Unfähigkeit, uns zu verbessern. Dabei sind wir doch Männer, wir müssten das doch im Griff haben, uns, wir müssten und doch im Griff haben, na, wäre doch gelacht.

Haha, eben, haben wir nicht. Es betrifft also im Grunde unsere Männlichkeit selbst, die wir angegriffen fühlen. Und wie gehen Männer mit sowas um?

Richtig, wir sind eingeschnappt.

Genau so wie es Frauen sind, jetzt mal ganz ehrlich, wenn wir Männer mal nebenbei fallen lassen, dass wir eine andere auch attraktiv finden, oder wie? Lange Beine, schönes Dekolleté, sexy Stimme? Und dass ich dieses Bild hier gezeichnet habe, geht doch konträr zu dem, was uns die Gesellschaft seit Jahrzehnten lehrt: Frauen wollen doch nicht hören, dass die andere … was auch immer. Frauen sind es doch, die denken, ihre Männer drehen sich nach jedem Rock um. Frauen denken doch, Männer denken nur daran, wie sie mit anderen Frauen Sex haben.

Mit anderen Worten: Dies scheint durchaus nicht nur männliches oder weibliches, sondern menschliches Verhalten. Wir Menschen interpretieren, was wir hören. Wir interpretieren vor allem das, was wir von dem Menschen hören, dem wir im Grunde vollstes Vertrauen schenken wollen. Weil die Gefahr besteht, dass dieses Vertrauen ausgenutzt wird. Weil wir unsicher sind. Wohl dem also, dessen Mensch nicht so reagiert. Der sich nicht fürchten muss, dass das, was er an Positivem über die einen Menschen sagt, als etwas Negatives über die anderen gehört wird. Wohl dem, denn der Mensch an seiner Seite ist ein selbstsicherer Mensch. Und das wird auch ihn zu einem sicherer durchs Leben schreitenden Menschen machen, denn er hat eine Angst weniger im Leben.

Aber was tun die, die das nicht haben? Muss derjenige umlernen, der doch aus Erfahrung davon ausgehen kann, dass das, was er sagt, missinterpretiert und persönlich genommen wird, und es trotzdem sagt? Oder derjenige, der immer alles scheinbar vollkommen übertrieben interpretiert und auf sich bezieht?

Oder müssen wir uns einfach nur den Menschen suchen, bei dem wir zu jenen werden, die ein Zucken an unserer Hand spüren und sagen: Hey, hast du den auch gesehen? Der sieht aus wie George Clonney, so ein unverschämt gutaussehender Mann.

Oder komme ich jetzt erst auf den Grund des Problems: Dass genau das nicht so einfach ist, sich einen solchen Menschen zu suchen und zu finden?

Euer Adam

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15 Kommentare

  1. Jetzt muss ich sagen: Alter macht weise!

    Wenn wir in der Jugend Streit hatten, dann wegen der Eifersucht meiner Frau. Wenn ich auf der anderen Straßenseite in ein Schaufenster sah, war bestimmt auch eine Frau in der Nähe, und los gings.
    Das ist alles vorbei.
    Heute kann ich sagen, dass mir eine Frau gefällt. Ich frage sie auch “gefällt dir dieser Mann”. Warum nicht? Wir alle bestehen doch nicht nur aus Äußerlichkeiten und niemand hat geheiratet, weil der Partner der Schönste der Welt ist.

    Wenn es nur ums Äußere ginge, dann müsste man sich ja nach wenigen Jahren scheiden lassen, denn selten machen Falten schöner. Auch die Figur wird nicht besser, egal wie man sich anstrengt.

    • Bin nicht so ganz deiner Meinung, was die Falten betrifft. Sie zeigen doch auch, dass ein Mensch älter wird, indem er gelebt hat, er hat erlebt, er hat Erfahrungen gemacht, manchmal positive, manchmal negative, vielleicht hat er auch gelitten. Und dieses Leben hinterlässt natürliche Spuren.
      Kannst du dich an das sehr verrunzelte Gesicht von Mutter Teresa in hohem Alter erinnern? Kein schönes Gesicht im üblichen Sinn, aber es hat gezeigt, wieviel Leid sie gesehen hat, welche Entbehrungen sie in ihrem Leben erfahren hat. Es hat ebenso große Güte gezeigt mitsamt den vielen Falten.
      Oder erinnerst du dich an das faltige Gesicht der kürzlich verstorbenen Hildegard Hamm-Brücher? Ein sehr ausdrucksstarkes Gesicht einer Dame.
      Ich möchte nicht sagen, dass Falten ein Gesicht nur selten schöner machen. Es ist ein Gesicht, in dem sich Regungen/Emotionen etc. zeigen bzw. zeigen können. Und solch ein Gesicht ist mir auf jeden Fall lieber als ein regungsloses glattes.

      • Hallo Susanne,
        da habe ich mich wohl undeutlich ausgedrückt. Ich habe keine Probleme mit Falten. Ich bezeichne sie als Jahresringe. Ich hatte schon mal wo geschrieben, dass mir ein strahlendes Lachen wichtig ist.
        Meine Frau und ich gehen mit dem Alter so locker um wie mit dem Sex. Alter und Sex sehen wahrscheinlich nur Wenige Alte so entspannt wie wir.
        Meine Haare wechseln stark von dunkel nach grau. Also nennt mich meine Frau auch mal Silberpudel und die Röllchen in der Taille fasst sie an und nennte sie Griffe zum Wegwerfen.
        Ihr Busen Größe E steht nach 55 Jahren nicht mehr gerade hoch. Das wird ins Spiel eingebaut.
        Wir werden auch vergesslicher. Das bietet viel Spaß.

        Kürzlich war Priscilla Presley im Fernsehen. Die würde ich jetzt als häßlich bezeichnen, obwohl mir so ein Begriff nicht leicht fällt.

        • Ich gehe davon aus, dass Du mit Priscilla Presley eine der vielen Frauen nennst, die vor lauter Botox und Lifting schon fast Schlitzaugen haben und Gesichter bar jeglichen Ausdrucks, oder? Noch ein Beispiel, haben wir vor kurzem bei einer unserer Lieblingsserien gesehen, Hawaii Five-O: Melanie Griffith. Das grenzt an Gruselkabinett. Sie war mal so eine hübsche Frau, aber nun möchte man bei dem Anblick lieber die Flucht ergreifen.
          Warum schaffen es so viele Menschen (auch Männer) einfach nicht, zu den Lebens- und auch Altersspuren in ihren Gesichtern zu stehen (und an ihren Körpern)? Ich bin jetzt 32 und weder mein Gesicht noch mein Körper sehen völlig “unbenutzt” und taufrisch wie vor 12 oder 10 Jahren aus. Stephan und ich haben vor ein paar Monaten festgestellt, dass sich bei uns, seit unsere Kinder auf der Welt sind, das eine oder andere zusätzliche Lachfältchen im Augenwinkelbereich eingegraben hat. Für kein Geld der Welt möchten wir diese Spuren missen.
          Ich komme da einfach nicht mit (abgesehen vom wohl vorherrschenden Jugendwahn in Hollywood und nicht nur dort).
          Den Satz zu ganz leichten Taillenröllchen bei meinem Schwiegervater kenne ich von Anna, sie nennt die allerdings Haltegriffe. Stephan und sein Bruder sowie sein Vater und der Großvater väterlicherseits haben alle, obwohl ansonsten schlank, leichte Bauchansätze, alle. Hat Vorteile, holst du dir an den Beckenknochen wenigstens keine blauen Flecken. Finde ich persönlich auch kuscheliger als ein bretthartes Sixpack.

          • Hallo Susanne,
            ich kenne meine Frau jetzt 50 Jahre. Du kannst dir vorstellen, wie wir uns verändert haben. Na und?
            Ich hatte kürzlich alte Bilder digitalisiert. Auch von meiner Frau. Mit und ohne Klamotten. Ich kann behaupten, sie war ein heißer Käfer! Sie ist immer noch heiß, obwohl aus 48 kg jetzt 68 geworden sind. Aber schön verteilt am richtigen Platz.

            Frauen untereinander: Eine leicht rundliche Frau hat meiner Frau vorgeworfen sie habe viele Falten. Darauf meine Frau:
            “Ich hatte die Wahl zwischen Fett und Falten. Ich habe mich für Falten entschieden”.

          • Ihr seid zusammen älter geworden, habt Euch zusammen verändert. Ganz genau: na und! Stephan und ich arbeiten uns da langsam ebenfalls voran.
            Aber Du weißt ja, viele Männer “verneinen” irgendwann ihr tatächliches Alter und stören sich noch mehr an dem der mit ihnen zusammen älter gewordenen Frau und suchen sich (ja ja, klischeebehaftet, aber oft wahr) etwas Blutjunges, lies mal Nummer 123.
            Davon sind auch Frauen nicht auzunehmen, wie Adam mal geschrieben hat, Madonna und Co. Also müsste ich mir derzeit einen bestenfalls 18-jährigen Bengel suchen, der aber allenfalls als Toyboy beim Sex dienen könnte, höchstwahrscheinlich würde ich eher von Muttergefühlen übermannt. Gääääähn! Die Amis nennen solche Frauen Cougar. Andererseits: gleiches Recht für alle!

          • ich kenne für die “Griffe zum Wegwerfen” oder die “Haltegriffe” den Ausdruck “Liebeshenkel”. Da weiß man gleich, wann man sich daran festhalten kann :-P

  2. Also dann: ich habe vor ein paar Jahren damit aufgehört, eingeschnappt zu sein, sieht Susanne einen Clooney- oder Pitt- oder Kostner- oder was auch immer für einen Typ Mann, den sie attraktiv findet, bei dem sie mal an meiner Hand zieht und zuckt und sagt “guck mal, der da…”
    Warum? Ich habe leichte O-Beine, zwar noch keinen Haarverlust, bin aber trotzdem nicht mit einer Mähne wie Slash von Guns N’ Roses gesegnet, latsche auf Schuhgröße 47 durch das Leben, habe keine Figur wie Mr. Universum, bin zwar nicht fett, sondern habe tatsächlich den Ansatz eines leichten Bäuchleins (an das sie sich gerne kuschelt und an dem sie sich gerne mal schubbert), der typische Allerweltsdurchschnitt eben, Quasimodo jedoch auch nicht. Keine Frage also, es gibt Millionen von Männern, die erheblich attraktiver sind. Da muss man doch auch als Mann nicht rumzicken, sondern es einfach anerkennen.
    Aber trotzdem hat sie etwas in mir gesehen und bei mir gefunden, sich in mich verliebt, mich geheiratet und mit mir Kinder bekommen. Ergo würde ich mir eher Sorgen machen, würden unsere Sinne nicht mehr angesprochen, wenn wir einen attraktiven anderen Menschen sehen bzw. an dem wir irgendwas attraktiv bzw. ansprechend finden.

  3. Das ist heute aber wieder vielschichtig und kompliziert. “Dies scheint durchaus nicht nur männliches oder weibliches, sondern menschliches Verhalten…”
    Und damit machen wir uns selbst das Leben unnötig etwas schwerer. Wenn wir irgendwann endlich mal lernen, unsere eigenen “Makel” (die, an denen wir nichts ändern können) gegenüber den etwas makelloseren Menschen schlichtweg zu akzeptieren, ist schon viel gewonnen. Mehr Haare (und kein Toupet)? Himmelherrgott, ist halt so. Geradere Nase? Vollere Lippen? Ist eben auch halt so.
    Ganz ehrlich: ich gucke doch nur, falls ich mal so einen Clooney-Verschnitt sehe, und Stephan guckt auch nur, wenn lange Beine und ein schöner runder Po samt sanft wiegenden Hüften in engen Jeans vor ihm her marschieren. Und dabei zu denken “hmmm, ja, hat was” ist auch kein Verbrechen. Menschen reagieren nun einmal (hoffentlich) auf Außen-/Augenreize. Wenn uns so etwas nicht mehr reizt, sind wir mindestens scheintot. Wenn ich da nur an seine Sekretärin denke… würde ich mich den ganzen Tag in Selbstzweifeln suhlen. 178 cm mit D-Körbchen (gegenüber 168 cm mit C-Körbchen), schulterlange ebenholzfarbige Locken (gegenüber kurz und rot), ein Teint wie Schneeweisschen und davon abgesehen eine Top-Sekretärin (kann ich beurteilen, war selbst mal eine). Sollte ich mir da nicht lieber jeden Tag aufs Neue ins Hemd machen und ihn eher daheim festbinden?
    Außerdem: wenn ich ständig so eine latente Angst im Nacken hätte, dass mein Vertrauen bei der erstbesten Gelegenheit missbraucht wird, wäre ich besser alleine geblieben.
    Und der Clooney-Verschnitt aus 3 Häusern weiter ist top in Form? Ach je, so ein kleines, sich sanft rundendes Bierbäuchlein hat für eine Frau durchaus auch Vorteile. Ist kuschelig, man kann sich wohlig daran reiben und sich zudem daran wärmen.

    • wie gesagt: “Wohl dem also, dessen Mensch nicht so reagiert …” Die Konsequenz? Wenn man einen Menschen hat, der sehr wohl Reaktion (und damit Unsicherheit) zeigt, oder wenn man gar selber ein solcher ist, muss man/sollte man besser allein bleiben? Oder anders gefragt: Wir wissen, es sollte uns egal sein, wir sollten es nicht auf uns beziehen …, wenn unser Mensch wen anderen gut findet, aber wie kommen die vielen, denen es nicht egal ist, dazu, dass es ihnen egal wird? Einfach nur sagen: Sei doch nicht so, hilft, befürchte ich, nur selten.

      • Das übergeordnete Problem scheint mir nach wie vor zu sein, dass wir noch immer zu sehr auf reine Äußerlichkeiten fixiert sind. Ich schließe mich da nicht aus: als ich eine neue Sekretärin gesucht habe, standen am Ende drei mit identisch guten Qualifikationen zur Auswahl. Und ich dachte, warum nicht die hinreißende Amazone nehmen, hast du zusätzlich noch was zu gucken. Habe das tatsächlich mit Susanne gesprochen, die die Qualifikationen einer Sekretärin beurteilen kann, und ihr gesagt, ich würde ja gerne diese Nadine nehmen, die ist zusätzlich ein Augenschmaus. Und meine Frau meinte ganz ruhig und entspannt: “Dann nimm sie doch, sie kann ebenso viel wie die beiden anderen.”
        “…aber wie kommen die vielen, denen es nicht egal ist, dazu, dass es ihnen egal wird?” Gute Frage. Ich denke, da hilft nur, an sich selbst zu arbeiten, zu lernen, ein vernünftiges Maß an Selbtbewusstsein zu entwickeln und schlicht Akzeptanz entwickeln, dass es nun einmal Menschen gibt, die besser aussehen als wir selbst. Zu lernen, eine Aussage wie “guck mal, schicker Typ im schicken Anzug und er hat die Haare schön” nicht auf sich selbst zu beziehen bzw. nicht automatisch mit einem nagenden Hintergedanken zu versehen, nach Möglichkeit lernen, die eigenen etwaigen Unsicherheiten in den Griff zu bekommen. Immerhin hat er/sie sich dafür entschieden, unsere Hand und nicht eine andere zu halten.
        Wenn du dich in der Situation nur als Trostpreis empfindest, wie weit ist es dann eigentlich innerhalb der Beziehung mit dem Vertrauen zu dem handhaltenden Menschen?

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© Raoul Biltgen

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