Adam spricht es aus

was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

36 – Die Lesbennummer

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Liebe Frauen,

egal wie abstoßend heterosexuelle Männer im Allgemeinen männliche Homosexualität finden, weil sie sich dadurch in ihrer Männlichkeit angegriffen fühlen, obwohl es doch eigentlich die konsequente Verherrlichung der eigenen Sexualität darstellt (aber darüber an anderer Stelle mehr), gilt die Lesbennummer nach wie vor als das „wie geil ist das denn?“-Klischee schlechthin. Frauen, die sich gegenseitig küssen, berühren, lecken und auf manigfaltige Art und Weise befriedigen, machen Männer geil. Sie träumen davon in alles andere als stillen Nächten, es steht ganz oben auf ihrer Liste der drei Wünsche, die ihnen die berühmte Fee erfüllen soll (und die Fee ist natürlich bei dem Spielchen beteiligt), sie schauen es sich auf youporn an, sie schreiben darüber in Kolumnen in Frauenmagazinen…

Aber warum?

Natürlich gibt es auch die Variante „Dreier mit zwei Frauen“, wo man noch nachvollziehen kann, dass sich der Mann so ungemein männlich fühlt, weil er gleich zwei Frauen auf einmal beglücken kann, ja, sein Schwanz kann das, sein Sperma reicht dafür aus, locker. Aber ich rede jetzt wirklich nur über die tatsächliche Lesbennummer, also zwei Frauen, kein Mann. Eben höchstens ein Mann, der nur zuschaut, selbst wenn er gerne eingreifen würde und nicht kann. Trotzdem macht es ihn aber sowas von an, wenn er auch nur dran denkt, dass die Frauen all das machen, was ich oben erwähnt habe. Und noch viel mehr.

Die Antwort ist der Masochismus. Nein, ich meine damit nicht den mit körperlichen Schmerzen verbundenen Masochismus mit geschlagen und gedemütigt Werden. Ich meine den seelischen. Der (heterosexuelle) Mann sehnt sich mit jeder Faser seines Körpers nach dem Körper der Frau. Ich will das jetzt nicht auf Freudsche Art und Weise deuten, von wegen: zurück in den Mutterleib. Es ist einfach so. Es gibt für den Mann nichts Unglaublicheres als die Frau, ihre Rundungen, ihre Geschlechtsorgane… Er will sie anfassen, er will sie greifen, er will sie in sich aufnehmen. Doch genau das kann er nicht. Ja, er kann ein wenig an den Nippeln rumbeißen, aber das wird ihn nie zur Gänze befriedigen. Das Einzige, das er kann, ist, in die Frau einzudringen, also tut er das, um dem Körper der Frau so nah wie möglich zu sein. Um ihn zu begreifen (weshalb die Männer ja auch eher auf das Rein- und Raus aus sind.) Doch seine Sehnsucht ist immer nur zum Teil tatsächlich gestillt. Und das tut weh. Das ergibt dann doch tatsächlich körperliche Schmerzen, wenn der Mann eine Frau sieht, von der er weiß, dass er sie nie ganz spüren wird. In sich. Der Vaginaneid. Und zugleich macht ihn das dermaßen an, dass er weiß, nie, niemals wird er das erreichen. Und genau dies wird mit der Lesbennummer noch verstärkt. Nicht nur, dass eine Frau all das ständig hat, wonach er sich ständig sehnt, nein, sie alleine weiß auch, wie es sich anfühlt. Nur eine Frau, die eine andere Frau sexuell stimuliert, kann nachvollziehen, was in der Partnerin gerade vorgeht. Und sie hat all das auch noch selber. Das ist die Erfüllung, die man(n) niemals bekommen kann.

Und näher herankommen an die Erfüllung des eigentlichen tiefen Wunsches kann ein Mann also nur, wenn er die Möglichkeit hat, eine Lesbennummer zu erleben.

Ja, so ist das, liebe Frauen, der Mann, der sich in seiner Unvollkommenheit suhlt.

Aber das würde ein Mann natürlich so nie zugeben, ist klar, denn ein Mann hat, um männlich zu sein, vollkommen zu sein. Auch in der Sexualität. Also, da ich ein Mann bin: Neinnein, das stimmt so nicht, ich weiß auch nicht, warum es so ist, es ist halt so.

Euer Adam

P.S.: Und es ist doch so, wie ich das beschrieben habe, nur sagt es nicht weiter…

Bild: Martin van Maele

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© Raoul Biltgen

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