Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

363 – Das stille Örtchen

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Liebe Frauen,

ich muss Euch sagen, es weihnachtet sehr.

Und während das Fest aller Feste für viele feste zum alljährlichen Juhu-Tralala-Gelegenheit-zum-Ansaufen-Ritual gehört, und während sich sicherlich auch viele darauf freuen, ein paar Tage oder auch nur ein paar Stunden im Kreise der Lieben zu verbringen, so kann es doch auch manchmal, sagen wir mal, anstrengend werden.

Wir leben in einer globalisierten Welt und verteilen uns dementsprechend immer mehr über alle Länder hinweg. Und rasen (Chris Rea hörend) Heilig Abend dahin zurück, wo wir mal zuhause waren. Wo die restliche Familie noch zuhause ist. Und das verursacht Chaos. Nicht nur auf den Straßen und über den Wolken. Weswegen wir uns nur allzu gerne, wenn wir denn endlich dort angekommen sind, wo wir anzukommen haben, die immer gleich gestrickten Weihnachtszeitkomödien aus den 70ern anschauen, die dieses Phänomen bereits vor Jahrzehnten in den USA als Möglichkeit, über die eigenen Unzulänglichkeiten zu lachen, entdeckt haben. Europa ist alt und braucht halt ein wenig länger.

Doch dann füllt sich das Wohnzimmer und nicht nur die Geschwister, die man nur mehr selten sieht, strömen heran, auch deren Familien und die Onkel und Tanten und die Cousins und … abhängig davon, wie breit der Begriff Familie gefasst wird. Auf jeden Fall hocken dann Menschen zusammen und sollen sich unterhalten. Zwei Möglichkeiten: Es klappt, oder es klappt nicht. Klappt nicht, ist der Klassiker, denn wir alle wissen, dass gerade Weihnachten, das Fest der Liebe, sehr schnell dazu führt, dass auch alte Verletzungen und Empfindlichkeiten und überhaupt auf den Festtagstisch kommen. Weil man eben nur dieses eine Mal im Jahr zusammensitzt. Und weil der Druck, alles schön werden zu lassen, so groß ist. Und weil man Angst hat, dass genau das passiert, Streit, und dass alles Vermeiden desselben nur genau dahin führt.

Aber auch wenn es klappt, wenn man sich unterhält, sogar Spaß hat, wenn die Geschenke Freude bereiten und das Essen gut ist und man sogar mitmacht, wenn jedes Jahr und jedes Jahr und jedes Jahr die gleichen Anekdoten erzählt werden, und wenn man sogar mitlacht, wenn man selber die Pointe der Anekdote ist, selbst dann kann es sowas von extrem anstrengend sein.

In Nichtraucherfamilien haben Raucher das eine schöne große As im Ärmel: Rauchen gehen. Sich einfach mal ausklinken. Fünf Minuten, zehn Minuten in der Kälte vor der Tür, am Balkon oder im Garten stehend die Ruhe genießen, die stille Nacht. Um Kraft zu tanken und weiterzumachen. Und sich die Vorwürfe anzuhören, dass man immer noch raucht.

Raucht man aber nicht (mehr), bleibt einem nur ein einziger Rückzugsort, den man besuchen kann, ohne sich für eine kurzfristige Absenz erklären zu müssen („ich brauch eine Pause von Euch“): das Klo.

Und deswegen flehe ich an dieser Stelle alle Familien an, die gerade in den Vorbereitungen fürs große Familienfest sind: Vergesst nicht, das Klo so herzurichten, dass man es genießen kann. Dass man sich gemütlich niederlassen kann, dass man kein schlechtes Gewissen haben muss, in die Privatsphäre eines anderen Menschen einzudringen, weil allzu Privates rumliegt, so dass man das Gefühl hat, den Raum so schnell wie möglich wieder verlassen zu müssen. Und denkt bitte bitte bitte daran, einen Schlüssel stecken zu lassen, so dass man absperren und nicht auch noch die ganze Zeit fürchten muss, am Klo überrascht werden zu können. Wenn man sich doch eigentlich nur mal eine kleine Auszeit gönnen will, auf dem stillen Örtchen.

Und ein wenig Lesestoff ist angebracht.

Und Möglichkeiten der Raumluftverbesserung notwendig.

Euer Adam

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2 Kommentare

  1. Wir freuen uns tatsächlich auf den 1. Feiertag. Es kommen 12 Erwachsene und 3 Kinder zum Essen usw. Unsere Kleinen werden begeistert sein, finden sich dann doch jede Menge Arme, Brüste und Bäuche, um sich einzukuscheln. Sie sind jetzt schon Partylöwen, mögen viel Gesellschaft und Trubel und werden vermutlich die ganze Zeit um den Tisch weitergereicht (“ach, gib mir doch mal den kleinen dicken Brummbär”").
    Zum Glück sind wir noch lange nicht immer einer Meinung, was letztlich auch arg öde wäre, mögen aber Diskussionen, die gerne auch mal ein klein wenig hitziger werden können. Anekdotenerzähler sind keine dabei.
    Das Klo, was für ein Thema zum Thema Weihnachten. Ich habe für alle Fälle schon mal 6 große Pakete Klopapier gekauft, gruselig, man sitzt da und findet sich papierlos wieder. Im Haus gibt es 2 Bäder und 2 Gäste-WCs. Wer sich in einem der Bäder niederlassen will, kann dort noch Musik nach eigenem Geschmack hören, da auch wir gerne mal länger verweilen (weil wahrlich stilles Örtchen), gibt es dort stets Lesestoff. Raumluft? Es gibt Fenster.
    Raucher müssen nicht in der Kälte bibbern, sie können sich in der Küche zusammenrotten oder im Arbeitszimmer (gibt auch für Einzelkämpfer die Klo-Alternative, stelle sicherheitshalber Ascher dort rein).
    Und ich werde froh sein, wenn ich das rotnasige Rentier nicht mehr ertragen muss. Egal, wohin man kommt, Rudolph ist schon da und bimmelt einem die Ohren voll.

    Wir wünschen Dir fröhliche Tage und dass Du gleichzeitig auch etwas Ruhe finden kannst. Hab Spaß mit den Menschen, die Dir etwas bedeuten. Lass Dir gute Mahlzeiten schmecken.

    • vielen Dank für deine Wünsche, die ich gerne zurückgebe. Rudolph ist mir bis jetzt noch nicht untergekommen. Gottseidank. Musik am Klo finde ich sehr nachahmenswert. Viel Spaß also beim Feiern und Zurückziehen und so.

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© Raoul Biltgen

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