Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

364 – Das Heucheln

| 5 Kommentare

Liebe Frauen,

Und? Schöne Geschenke bekommen zu Weihnachten?

Bild: Gil Elvgren

Bild: Gil Elvgren

Oder zu sonst einer netten Gelegenheit?

Oder war es doch mal wieder der falsche Schmuck, das stinkende Parfüm, das Buch, über das die beste Freundin gesagt hat, dass es nur was für frustrierte Hausfrauen ist, weshalb Ihr es Euch nicht eh schon längst selbst gekauft habt? Oder war es gar der Mixer, die Saftpresse, ein neuer Schnellkochtopf?

Wenn wir Geschenke von den Eltern bekommen, erwarten wir ja schon fast, dass sie nicht immer so wirklich gelungen sind. Nein, ab einem bestimmten Alter wollen wir keine Unterwäsche mehr geschenkt bekommen. Socken. Und auch keine Schals und Mützen. Weder selbst- noch nicht selbstgehäkelt. Aber den Eltern tragen wir es nicht nach, weil … wir sind es gewohnt. Seit Kindheitstagen. Und wir wissen ja auch nicht wirklich, was wir ihnen schenken sollen.Eine Nudelmaschine. Gutscheine für drei Mal Massage. Obwohl sie nie eingelöst werden. So wenig wie früher die Gutscheine für einmal Zimmer aufräumen und ein halbes Mal Müll runterbringen (das andere halbe Mal soll gefälligst der Bruder übernehmen, der faule Hund). Hat jetzt wenigstens mit den Massage-Gutscheinen ein braver Masseur ein wenig was verdient, ohne auch nur einen Finger zu krümmen. Es ist Weihnachten, sei ihm gegönnt.

Blöder wird es, wenn die Geschenke von Freunden kommen. Ja, ich rede von Freunden, nicht von Bekannten oder Arbeitskollegen, die es entweder gut meinen, aber halt nicht besser konnten, oder es machen, weil sie mussten, weil der Chef ist verpflichtet, seinen Angestellten, sorry, Mitarbeitern, sorry, MitarbeiterInnen was zu geben. Eine Powerbank. Aber Freunde, bitte, die müssten mich doch kennen, die müssten doch wissen, dass ich nicht lese, nicht wandern geh, auf Nüsse allergisch bin, weshalb sie sich ihre Bücher, Wanderrucksäcke und Nugatpralinen hätten schenken können. Statt mir. Na gut, den Rucksack nehm ich, kann ja mein Laptop drin unterbringen. Mist, nein, dafür ist er zu klein. Und jetzt? Sag ich es? Dass ich einfach nichts mit Duftkerzen und Stirnbändern und Nasenhaarstutzern anfangen kann? Oder beleidige ich damit etwa den Schenker? Weil er sich doch so viel Mühe gegeben hat.

Oder zeigt sich etwa hier, endlich endlich, wahre Freundschaft? Sollte ich einem wahren Freund und einer wahren Freundin nicht die Wahrheit sagen können, wenn die Geschenkeauswahl ein Griff ins Klo war?

Und jetzt kommt’s: Was ist dann mit dem und der Geliebten? Dem Partner, dem Lebensmenschen? Wahrheit? Oder Heucheln? Milde lächelnd eine Dankeschön hauchen und hoffen, dass er/sie einfach nie nie mehr dran denken wird, dass er/sie dieses Geschenk gemacht hat? Rote Strapse? Seidenpyjama?

So, alle Ratgeber dieser Welt sagen, dass man die Wahrheit sagen können muss. Egal wem. Außer dem Chef. Man muss es halt nur gut verpacken. Gestern erst gehört: Zuerst etwas Nettes sagen, dann Kritik anbringen, dann nochmal was Nettes nachschieben. Dann klappt das auch mit der Kritik.

Ich sage: Quatsch. Ich sage: Man kann auch ein Geschenk zurück machen. Und zwar jenes, sich trotzdem zu freuen. Zumindest so lange es nicht ein Geschenk ist, welches vollkommene Missachtung der eigenen Person bekundet. Weil es sexistisch ist (Mixer), weil es Zeugnis davon ist, dass sich der Schenker keine Mühe gemacht hat (Krawatte). Aber das ist nur selten der Fall, wirklich, und ich muss mal wieder, es ist lange her, eine Lanze für den braven Durchschnittsmann brechen: Er gibt sich Mühe. Er überlegt sich was. Seine Überlegungen führen nur leider nicht immer dahin, wo Ihr sie Euch erhofft. Die allerallerallermeisten Männer hoffen wirklich, mit ihrem Geschenk punktgenau zu landen. Und Euch zu erfreuen. Und genau da liegt die Gefahr, jemanden zu verletzen, indem Ihr das Geschenk nicht gut findet: Weil der andere von sich selbst enttäuscht ist.

Und mal ganz ehrlich (nennt mich ruhig Romantiker oder Kommunist): Geht es jetzt also doch um Materielles beim Schenken? Unter Menschen, die sich lieben? Ich hoffe doch, dass dem nicht so ist. Und dann freue ich mich über alles, was der andere mir schenkt. Und den Mixer sehe ich als Aufforderung, gemeinsam neue Wege bezüglich gesunder Ernährung zu gehen (Schoko-Bananen-Milkshakes bieten sich an). Und den Nasenhaartrimmer erkenne ich als Hinweis darauf, dass es bis auf meine Nasenhaare einfach nichts mehr an meinem Aussehen auszusetzen gibt. Und ich find Socken super, so richtig schöne, dicke, selbstgestrickte Wollsocken, die in keinen Schuh der Welt reinpassen, aber einfach die gemütlichsten sind, wenn man vor dem lodernden Kaminfeuer liegt und ein gutes Buch liest. Gut, ich habe keinen Kamin. Aber auch keine Fußbodenheizung, also sind die Socken trotzdem gut.

Und wenn Eure Kinder mit selbstgebasteltem Kindergartenmüll anspaziert kommen, freut Ihr Euch ja auch die Hucke voll. Jaja. Also, behandelt mal Eure Partner wie Kinder, dann …

Nein, meine Logik entgleitet mit gerade.

Wenn Ihr unbedingt die „richtigen“ Geschenke haben wollt, dann schreibt doch eine Wunschliste bei amazon und ärgert Euch nachher darüber, dass der liebe Schenker sich nicht selber was hat einfallen lassen.

Euer Adam

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5 Kommentare

  1. Ich war noch nie ein Freund vom Hin- Herschenken. Deshalb übernimmt alles meine Frau.
    Im letzten Jahr haben wir angefangen ganz deutlich zu sagen, dass wir kein Duschzeug usw. haben möchten. Mit Rasierwasser kann ich einen Laden aufmachen. Wir haben sowieso den Eindruck, dass es weiter gegeben wird.

    • gerade Duschzeug usw gehört ja zu den Sachen, die irgendwie “immer gehen”, da kann man nichts falsch machen, jeder braucht es, kostet nicht zu viel, man muss sich vor allem keine Gedanken machen. Und genau deswegen ist es im Grunde das no-go-Geschenk schlechthin.

      • Sehe ich ebenso. Diese irgendwie seelenlosen Geschenke, nur um des Schenkens Willen, sind grässlich. Wenn ich etwas verschenke, dann möchte ich doch, dass es den Beschenkten erfreut, dass er Spaß damit hat. Also sollte ich mir Gedanken machen, was wem Freude machen könnte.
        Mein Vater hat immer gerne mit Holz gearbeitet, schon berufsbedingt. Vor ungefähr 4 Jahren hat er sich daheim dann endlich seine Holzwerkstatt fertig eingerichtet. Die notwendigen Werkzeuge hat er sich natürlich selbst besorgt. Aber da ich seine Art von Humor kenne und ihn mit einem Einweihungsgeschenk enfach nur erfreuen wollte, habe ich gegrübelt und gegrübelt. Dann habe ich ihm einen japanischen Mini-Hobel gekauft, das Ding ist gerade einmal 2 cm groß.
        Verpackt war es in einem Kartönchen von 4 cm Größe. Susanne wollte das unbedingt noch hübsch verpacken und hat sich fast die Finger gebrochen, weil sie unbedingt ein Schleifchen binden wollte. Er bekam also ein 4 cm großes Geschenk, sah sehr verdutzt aus. Dann fummelte er das Miniatur-Päckchen auf, sah diesen Winzling von Hobel, fing schallend an zu lachen und stahlte dann über das ganze Gesicht (und genau diesen Effekt möchte man doch mit einem Geschenk erzielen). War also ein Erfolg. Übrigens ist dieses winzige Gerät funktionstüchtig und wird für ganz feine Arbeiten benutzt.

  2. Lieber Adam,

    wir vermeiden es nach Möglichkeit, über ein Geschenk Freude heucheln zu müssen. Wir sind beide ohnehin nicht die Typen, die auf jeden Feiertag anspringen, d. h. an Geburtstagen gehen wir abends bestenfalls zu dem kleinen kuscheligen Italiener um die Ecke und an Weihnachten oder Valentinstag vermeiden wir den Geschenkerausch ohnehin. Wir passen beide lieber das Jahr über auf, ob es einen kleinen Hinweis für ein Geschenk gibt, wenn beispielsweise Susannes Lieblingsparfum leer und leerer wird, dann bringe ich gerne eine neue Flasche mit…
    An Weihnachten gab es nur für die Kinder meiner Geschwister Geschenke und unsere bekamen neue Greiflinge, weil sie derzeit momentan nach allem greifen, was in der Nähe ist. Das war es mit Geschenken.
    Wir hatten zum 1. Weihnachtsfeiertag meine Eltern und meine Geschwister, meine beiden Großväter und unsere allerbesten Freunde zum Essen zu uns eingeladen, auch das war bereits ein Geschenk, einen wirklich schönen Tag mit den Menschen, die uns am meisten etwas bedeuten, verbringen zu können. Außerdem wurden wir im Frühjahr mehr als reichlich beschenkt.

    Bei Dir bedanken wir uns erneut für ein Jahr, in dem uns Deine Artikel wieder Anregung und Gesprächsstoff geboten haben. Susanne bedankt sich speziell für einige Kopfkino-Filme. Dir wünschen wir einen guten Rutsch und feiere nicht so heftig, dass Du das direkt am ersten Tag des neuen Jahres bedauerst. Und wir wünschen uns, dass Du weiterhin unverdrossen für Anregungen und Gesprächsstoff sorgst.

    Liebe Grüße
    Stephan und Susanne

    • Liebe Susanne, lieber Staphan,
      vielen Dank für die Wünsche und die Rückmeldungen und dass ihr das ganze Jahr über fleißig eure Meinungen zu meinen Gedankenspielereien abgebt, das bringt mir sehr viel. Ich habe die Feiertage so ruhig wie möglich zu verbringen versucht. Was mal gelungen ist, mal gründlich nicht. Aber auch damit lässt es sich leben, denn die Feiertage gehen vorbei, so oder so.
      Was Geschenke angeht: Ja, man kann sich eben auch Geschenke selber machen, die nichts mit Kaufen und so zu tun haben. Weil dann entfällt die ganze Heuchelei. Und vielleicht wollte ich ja auch genau darauf hinaus: Manche Menschen kann man als Geschenk an sich ansehen, wenn man sieht, dass sie einem selber ein Geschenk machen/sein wollen. Und dann ist das käuflich erworbene Geschenk nurmehr Symbol für die viel viel größere Bedeutung dahinter.
      Ich wünsche euch beiden alles Gute für das kommende Jahr. Und euren drei Rackern und allen weiteren Lieben natürlich auch.
      Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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