Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

367 – Das Bemuttern

| 34 Kommentare

Liebe Frauen,

kocht Ihr für Euren Mann?

Bild: Martin van Maele

Bild: Martin van Maele

Und schmeißt Ihr seine Wäsche in die Wäsche und hängt sie nach dem Waschen auch brav auf?

Kocht Ihr ihm Tee, wenn er kränkelt, und bedauert Ihr ihn fest, wenn es ihm in der Arbeit schlecht geht. Sagt Ihr ihm, welche Farbe ihm steht und dass er sich mal wieder die Fingernägel schneiden soll. Und zum Frisör muss er und zum Zahnarzt und er soll sich besser ernähren, gesünder, genau, Sport treiben, geh doch mal joggen oder kickboxen oder so. Und warum setzt du nicht die Brille auf beim Autofahren? Und stütz die Ellenbogen nicht auf den Esstisch ab und zieh dir warme Hausschlapfen an und ich muss mal wieder deine Hose flicken, die ist ganz durchgescheuert im Schritt, was machst du denn da nur?

Und ich glaube, du brauchst auch mal wieder Sex, oder? Ja, dochdoch, ich hol dir schnell noch einen runter, bevor du runter gehst, zum Spielen mit deinen Kameraden, ja?

Und ab da wird es irgendwie komisch.

Falsch, komisch ist es schon viel früher, nur ab da merken wir es.

Liebe Frauen, Ihr seid nicht die Mutter Eurer Männer. Also behandelt sie auch nicht so.

Natürlich ist nichts dabei, für den Mann mit zu kochen, wenn Ihr es seid, die kocht. Wer in der Beziehung kocht, ist, nein, sollte heutzutage eine Verabredung zwischen den beiden Beteiligten sein. Wer halt mehr Zeit dafür hat oder mehr Spaß daran. Oder es besser kann. Oder man wechselt sich ab. Und so ist es auch mit der Wäsche und mit so viel anderem Zeug. Es kommt nicht auf die einzelne Tätigkeit an, sondern auf die Fülle. Es kommt darauf an. Ob Ihr irgendwann all das macht, was früher seine Mutter für ihn gemacht hat, als er noch ein Kind war. Oder von mir aus auch, was seine Mutter leider nicht für ihn gemacht hat, als er noch ein Kind war, weil sie nicht da war, sich nicht genügend gekümmert hat, was auch immer.

Aber, ich wiederhole es: Ihr seid nicht seine Mutter.

Also macht Euch nicht dazu.

Auch wenn er das will. Auch wenn es den Macho-Männern dieser Welt gefällt, sich bemuttern zu lassen. Und da geht es nicht nur um die kleinen Haushältigkeiten. Das beginnt schon damit, dass so viele Frauen meinen, der eine oder andere Mann müsse halt erst erwachsen werden. Das wird er nicht, wenn Ihr genau das sagt. Oder denkt. Wenn Ihr ihn nicht schon als das seht, was er ist. Erwachsen. Und ihn so behandelt. Zu denken: „Der braucht halt noch“, ist, in ihm ein Kind zu sehen. Und das ist nicht gut. Für ihn, für Euch, für die Beziehung. Denn er ist kein Kind mehr. Körperlich. Also sollte er es auch nicht im Kopf sein. Zumindest was all das angeht. Und so vieles mehr.

Davon abgesehen: Er ist auch nicht Euer Vater, also lasst Euch auch nicht bevatern, so von oben herab, jaja, das Mädel, kriegt eine Barbie und dann ist auch gut.

Und das geht jetzt an alle, an Euch, liebe Frauen, aber auch an die lieben mitlesenden Männer: Seid erwachsen. Behandelt Erwachsene wie Erwachsene. Das heißt gleichgestellt. Gleichberechtigt und gleichverpflichtet. Menschen ziehen aus gutem Grund irgendwann mal von Zuhause aus. Zieht nicht wieder bei Mama oder Papa ein. Auch nicht, wenn Ihr Mama oder Papa in wem anderen seht. Noch weniger dann. Und sucht Euch keine Ersatzkinder. Entweder Ihr kriegt welche, mit einem erwachsenen Menschen, oder eben nicht.

Danke.

Appell Ende.

Euer Adam

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34 Kommentare

  1. Die Bezahlung und Würdigung von Hausarbeit:

    Die direkte Bezahlung von Hausarbeit würde zu großen Ungerechtigkeiten führen. Wenn sich nämlich die Ehefrau eines reichen Mannes auf dem Tennisplatz austobt, dann sollte man sie nicht bezahlen.
    Eine Honorierung unter Berücksichtigung der Kinder wäre möglich. Dass Frauen pro Kind nur ca. 30 € mehr Rente bekommen ist keine gerechte Anerkennung.
    Aber auch hier prallen wieder die Interessen aufeinander.
    In meinem Bekanntenkreis haben fasst alle 2 Kinder. Sie bekommen also insg. nur ca. 1,3 bis 1,5 Renten.
    Die Ehepare mit 1 Kind bekommen überwiegend 2 Renten. Bei den Renten von Arbeitern ist eine Einkommensdifferenz von beispielsweise 600 bis 800 € sehr gravierend.
    Die Doppelverdiener sagen, dass sie doppelt in die Rechtenversicherung eingezahlt haben. Folglich wollen sie auch 2 Renten haben. Dabei wird vergessen, dass die Renten nicht aus dem Beitrag bezahlt werden, den sie mal einbezahlt haben, sondern von den Kindern. In diesem Fall zahlt 1 Kind die Rente für 2 Rentner.
    Wenn in diesem Fall ein Ehegatte stirbt, dann bekommt die/der Hinterbliebene in den meisten Fällen auch noch Hinterbliebenenrente. Das kann sich zu einem stattlichen Nettoeinkommen summieren.

    Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass dieser sog. Generationenvertrag nicht mehr funktioniert, aber es ändert sich nichts Gravierendes. Nur Stückwerk!

    • Beim Thema finanzielle Anerkennung der Arbeit im Haushalt und gleiche Bezahlung für Frauen geht es immer schnell emotional her. Und dann kommt die Frage, wer das bezahlen soll. Und dann hat man schon einen “Schuldigen”, warum das nicht geht. Abgesehen davon, dass die Frauen selber schuld sind, wenn sie für weniger arbeiten (wollen).
      Ich denke aber, das sind nur Teilaspekte. Tatsächlich geht es meiner Meinung nach um das Selbstverständnis der Aufteilung von Geschlechterrollen. Und dass es diese sind, die nicht hinterfragt werden. Wenn eine Frau den gleichen Job für weniger Geld macht, dann hat sie zwar den Vertrage “freiwillig” unterschrieben, sie wurde aber dazu gezwungen, “weil es halt nunmal so ist”. Wenn die Alternative arbeitslos ist, dann ist es nicht freiwillig. Dann ist es Selbstausbeutung. Ich finde es schön, wenn Frauen für ihre Familie leben und darin Würdigung erhalten, dass es der Familie gut geht. Hat für mich aber nichts damit zu tun, auch Geld zu verdienen. In immer mehr Familien müssen beide Elternteile arbeiten gehen, weil es sonst nicht ausreicht für den Haushalt. Die Kinder kommen also in eine Kinderkrippe o.ä. Was vom Staat bezahlt wird. Mit der Begründung: Dass auch Frauen berufstätig sein können. Ja, gut so. Aber sollte es Frauen (und Männern!!!) nicht auch ermöglicht werden, den Haushalt zu führen und sich um die Kinder zu kümmern, ohne dass dafür der gesamte Haushalt(!) finanzielle Einbußen hinnehmen muss?
      Ich denke, in der Diskussion sollte es nicht um Machbarkeiten gehen, sondern um grundsätzliche Haltungen. Und ich kann nur aus der Sicht eines Mannes sprechen: Es geht hier nicht (nur) darum, dass Männer den Frauen endlich zugestehen, was ihnen gebührt, denn dies ist immer noch der Blick “von oben herab”, “wir gönnen ihnen das”. Männer sollten auch sich als auf der gleiche Stufe wie Frauen sehen. Und also auch bereit sein, “Frauenberufe” zu machen. Zum Beispiel wäre es wichtig Männer in der Kinderbetreuung (zuhause und in Institutionen) oder in der Pflege zu haben. Und zwar nicht nur aus Prinzip, sondern weil es für die Betroffenen (Kinder, Pflegebedürftige usw) wichtig wäre, männliche Bezugspersonen zu haben. Die derzeitige Einstellung bedeutet nämlich auch für Männer erhebliche Nachteile. Ein schnelles Beispiel: Es wäre heutzutage nur schwer möglich für einen Mann, Schreibkraft zu werden. Weil er entweder Richtung Handwerk gehen soll, oder aber in Büros wesentlich mehr von ihm erwartet wird, als “nur” Schreibkraft zu sein.
      So, kleiner Exkurs meinerseits ;-)
      Ich sollte mehr über Sex schreiben :-P
      Euer Adam

      • Back to the roots? Oh ja, bitte!

      • Führt aber auch zu “Das Abhaken” bzw. den kommentierten Listen. Und ist ebenfalls eine absolut unbezahlbare und recht umfangreiche Tätigkeit meiner Frau, welche sie neben allem anderen leistet.
        Früher habe ich mich mit den ganzen Sachen rund ums Haus am Wochenende beschäftigen müssen und teilweise während der Arbeitszeit. Heute komme ich nach Hause und… nichts mehr in der Art steht an.
        Da können wir Kerle alle noch so sehr dafür plädieren, dass die Arbeit von unseren Frauen endlich auch einmal finanziell gewürdigt wird und nicht nur ideell, aber WIE? Ich wäre dankbar, könnte mir das endlich einmal jemand sagen.

      • Hallo Adam,
        in den letzten 50 Jahren hat sich bei Frauen UND Männern sehr viel in deren Einstellung geändert. Das heißt aber auch, dass noch viel zu tun ist. Ich habe den Kinderwagen durchs Dorf geschoben, mein Vater wahrscheinlich nicht. Heute ist das normal.

        Mit dem Service haben viele Männer noch große Probleme. Meistens bedienen sie lieber 8 Stunden eine Maschine anstatt jemand ein Bier zu servieren. Es wird auch immer noch komisch gesehen, wenn die Frau die Familie ernährt. Wie gesagt, es ändert sich.
        Heute bekommt kein Mädchen mehr gesagt: Du heiratest und bekommst Kinder. Brauchst keinen Beruf.
        Aber es gibt immer noch Frauen, die sich in ihrem Beruf wenig angagieren. Diese wollen sich in ihrem Beruf wohl fühlen, er soll Spaß machen. Aber von Männern wird immer noch erwartet, dass sie Karriere machen.
        Ein befreundeter Betriebsleiter wollte die Frauen (warum nur Frauen) von ihrer stumpfsinnigen Fließbandarbeit befreien. Sie wollten nicht. Vielleicht wollten sie weiterhin bei der Arbeit übers ficken reden und den Männern nachpfeifen.
        Dein letzter Satz: …..oder aber in Büros wesentlich mehr von ihm erwartet wird, als “nur” Schreibkraft zu sein.
        Ich denke, dass die Erwartungen aus dem Büro kommen, von ihm selber und von der Gesellschaft.

        • “Ich denke, dass die Erwartungen aus dem Büro kommen, von ihm selber und von der Gesellschaft.” Genau darauf möchte ich hinaus. Erwartungen an Frauen und Männer gleichermaßen. Für beide kann das Vorteile haben, aber auch Nachteile. Sich aber über diese Erwartungen (gesellschaftliche Konventionen) hinwegzusetzen, das ist die ganz große Kunst.

          • Adam, ich weiß was passiert, wenn man sich über Konventionen hinweg setzt. Besonders im öffentlichen Dienst. Hat mich viel Geld gekostet.

          • was die Angelegenheit zwischen Männlein und Weiblein also nur noch schwerer zu lösen macht.

          • Adam,
            wenn man Probleme lösen will, dann muss man sich um die Ursache kümmern. Nur ständig rufen, dass etwas falsch ist, bringt doch nichts. Wenn man aber die Ursache erforschen will, trifft man meistens auf Widerstände. Das wäre gut, wenn der “Gegner” wüsste von was er redet.

          • vielleicht weiß der “Gegner” wovon er redet, es ist nur etwas anderes, als man selber ;-)

    • Sicher würde die direkte Bezahlung von Hausarbeit zu Ungerechtigkeiten führen, wie du schon schreibst, es sind ja nicht einmal die Voraussetzungen, unter denen diese stattfindet, gleich einzustufen.
      Das geht doch schon damit los, ob eine Frau alles selbst erledigen muss oder ob sie sich eine Hauswirtschaftshilfe leisten kann, die ihr einen Teil der Arbeit abnimmt. Kümmert sie sich selbst um ihre Kinder oder macht das ein Kindermädchen? Welchen Gegenwert setzt man als Berechnungsgrundlage an, evtl. mit Abstufungen aufgrund der tatsächlich selbst erbrachten Leistungen? Und wie soll man die kontrollieren? Und überhaupt, welchen Wert hat dann der Beruf Hausfrau, z. B. auf Stundenlohn bezogen? Wo willst du da die Basis für ein Berechnungsmodell erstellen? Und welchen Wert hat diese Arbeit ganz genau volkswirtschaftlich gesehen (dürfte immens sein, leider kann ich auch da nicht mit Zahlen dienen)? Machst du finanziell einen deutlicher erkennbaren Unterschied zwischen Einzel- und Doppelverdienern, bei denen eine andere Lastenverteilung herrscht?
      Der fiktive Generationenvertrag, wodurch soll man ihn ersetzen? Wie soll man das Problem lösen, dass viele Menschen sich private Vorsorge (es sei denn, ihnen wird vom Gehalt nicht mehr die “staatliche Zwangsabgabe” abgezogen und sie können diesen Gegenwert einbringen) kaum bis gar nicht leisten können?
      Wir ziehen drei Kinder auf, die später hoffentlich Arbeitseinkommen erzielen und in die Rentenkasse einzahlen, um ihre alten Eltern die Rente zu finanzieren. Was aber machst du mit Paaren, die Kinder wollen, jedoch keine bekommen können? Soll man sie zwingen, ein Kind zu adoptieren, damit auch das für seine alten Eltern mal einen Beitrag leistet? Soll man kinderlose Paare, die nun einmal nicht für ihre Kinder investieren müssen, abstrafen und sie von der staatlichen Rentenversorgung streichen nach dem Motto “sorgt ausschließlich selbst für euch”? Wie soll man das demographische Ungleichgewicht beseitigen?
      Was der Politik an Lösungen eingefallen ist wie Leistungskürzungen oder Erhöhung der Regelaltersgrenze ist keine Lösung, die können ja selbst nicht einmal sicher sagen oder sogar real einschätzen, welche negativen Auswirkungen sie damit in Gang gesetzt haben (Senkung des Versorgungsniveaus oder Klärung der Frage, wie können die entstehenden Sicherungslücken wirksam beseitigt werden). Steuerfinanzierte Grundrente oder zusätzliche kapitalgedeckte Privatvorsorge (auch nicht für jeden ausreichend genug machbar) als Alternative sind mehr als fragwürdig, noch mehr Menschen nähern sich der Armutsgrenze. Die einzigen, die sich darüber bestimmt freuen würden, wären Arbeitgeber.
      Ich glaube nicht daran, dass es ein wirklich für alle gleich gerechtes System geben kann. Und selbst falls eines gefunden wird, frage ich mich, wieviele Milliarden Verwaltungskosten für die Systemumstellung dann jahrelang “verbrannt” werden müssen.

  2. Susanne, dein letzter Satz am 22. Januar 2017 um 14:23 Uhr:
    Sorry macho, auch wenn du deine Frau verteidigen wolltest (was ich durchaus würdige), deren hausfrauliche Tätigkeit (von) dir nicht genug anerkannt wurde.

    Hast du nicht richtig gelesen oder willst du mich falsch verstehen? Habe ich irgend wo geschrieben, dass ich die Hausarbeit meiner Frau nicht genug würdige? Das Gegenteil habe ich mehrfach geschrieben. Deshalb auch meine Aufregung, dass Tippsen die Arbeit nicht würdigen.

    Nach dem man mich auf Grund meiner Schilderungen bei Nr. 297 wahrscheinlich als Rassist einstuft, will ich AUCH hier versuchen, mich jeder Stellungnahme zu enthalten und nur Fakten schildern. Wahrscheinlich bin ich auch noch frauenfeindlich.
    Ich habe in der Verwaltung mit ca. 6 Leuten die Lehre begonnen. Darunter nur 1 Mädchen. Folglich konnten auch Mädchen eine Lehre machen. Es gab die gleiche Anzahl Anlehrlinge, alles Mädchen, alles Schreibkräfte.
    Ich habe immer auf dem Land gewohnt. Dort waren die Kindergärten überwiegend nur vormittags geöffnet. Es gab nur KindergärtnerINNEN. Diese wußten also, dass sie mit ihrer Halbtagstätigkeit keine Familie ernähren konnten. Übrigens: Die Ausbildung der Erzieherinnen ist viel umfangreicher als die der Schreibkräfte. Trotzdem werden viele Schreibkräfte genau so bezahlt.
    DAS SIND NUR FESTSTELLUNGEN, kein Urteil, weil früher die Denkweise so war.
    Ständig wird beklagt, dass Frauen für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden als Männer. Warum?
    Es gibt einige Arbeiten, die wegen der körperlichen Anforderungen von vielen Frauen nicht gemacht werden können. Darüber hinaus gibt es viele Arbeiten, die Frauen machen könnten, aber nicht wollen (z. B. Handwerker).
    Ob die Arbeitsstättenverordnung jetzt anders ist weiß ich nicht. Vor über 20 Jahren hat sie Frauen von Männerberufen durch die Anforderungen ausgeschlossen. Auch wieder ein Gesetz zum Wohle einer Bevölkerungsgruppe (hier der Frauen), aber das Gegenteil bewirkt.
    Die Arbeitsplätzsuche von Frauen konzentriert folglich auf eine ganz bestimmte Art. Auch hier bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis (Lohn). Deshalb werden Frauen in manchen Branchen so schlecht bezahlt, dass ich dafür nicht mal aufstehen würde.
    Wer hat schon mal beim Arzt eine männliche Sprechstundenhilfe gesehen.

    Niemand bekommt für die gleiche Arbeit des gleiche Geld. Auch unter Männern nicht. Denn gleiche Arbeit heißt nicht automatisch gleiche Leistung. Beispiel: Alle Fußballer spielen Fußball, aber alle werden unterschiedlich bezahlt.

    Vor einiger Zeit gab es in der Presse einen großen Aufschrei, weil eine Frau “nur” 75.000 € bekam, ihr Kollege aber 125.000 €. Darüber könnte man sich aufregen, aber das war Verhandlungssache. Diese Frau hat ganz freiwillig ihren Arbeitsvertrag unterschrieben. Folglich war sie auch mit ihrem Gehalt zufrieden. Aber nur so lange bis sie wusste, was ihr Kollege bekommt.

    • macho, 1. ich habe doch gar nicht geschrieben “von dir”, sondern dir nicht genug (was ein himmelweiter Unterschied ist)…, ist doch eindeutig, dass dieses nicht würdigen der Tätigkeit einer Hausfrau eben nicht von dir stammt. Ich bin schon des Lesens insofern mächtig, um den tieferen Sinn deiner Aussage zu erkennen.
      2. Kannst du evtl. verstehen, dass ich mich grundsätzlich ärgere, wenn ein Mann eine Frau mit einem derart abschätzigen Begriff in Verbindung bringt? Natürlich sollte man in diesem Beruf sein Arbeitsgerät beherrschen, darüber müssen wir gar nicht diskutieren. Nur berechtigt auch das in meinen Augen keinen Mann, sich in dieser Form abwertend zu äußern. Gibt es für das Wort eigentlich ein männliches Äquivalent?
      2. Was bringt dich auf die Idee, dass dich irgendwer als Rassisten eingestuft hat? Ich hoffe sehr, dass nicht ich den Eindruck hinterlassen habe. Ich halte dich nicht für frauenfeindlich und hoffe, dies auch niemals nur angedeutet zu haben, weil ich genau den gegenteiligen Eindruck von dir habe.
      3. Die Bezahlung von Arbeitskräften in sozialen Berufen halte ich generell für zu niedrig. Ich war 5 Jahre lang Chefarztsekretärin in einer Uniklinik und hatte ein höheres Gehalt (wenn auch deutlich niedriger als in der freien Wirtschaft bei gleicher Position) als Pflegekräfte. Und das, obwohl ich keinenn Schichtdienst hatte. Gerecht? Nein, auf gar keinen Fall!
      4. Sehr lange Zeit gehörten Bürojobs zu den wenigen Arbeitsplatzangeboten, die Frauen offen standen. Was gab es noch? Verkäuferinnen im Einzelhandel usw. Lange hatten Frauen keine anderen Möglichkeiten, auch wenn Sie evtl. gerne Elektrikerin oder Maler- und Anstreicherinnen oder Dachdeckerinnen geworden wären bzw. gerne Berufe gewählt hätten, die höhere körperliche Anstrengungen voraussetzen. Sie durften es nicht! Erst Anfang des 20. Jahrhunderts erhielten sie in unserem Land vollen Zugang zum Universitätsstudium. Soweit ich weiß, gab es zwar im 12. oder 13. Jahrhundert einige wenige, universitär (italienische Uni) ausgebildete Ärztinnen, das waren Einzelfälle. Noch im 18. Jahrhundert gab es für Frauen erheblich weniger Studienmöglichkeiten und so gut wie keine, danach eine Anstellung zu finden. Es war nun einmal so bis weit in das 20. Jahrhundert hinein, dass Frauen sich um Heim und Herd zu kümmern hatten. Ihre Möglichkeiten wurden und waren eingeschränkt. So war das nun einmal in einer von Männern dominierten Welt, muss man jetzt nicht mehr jammern. Heutzutage? Ich denke, auch da werden Frauen handwerkliche Berufe, die schwerere körperliche Belastungen verursachen, noch immer nicht umfassend zugetraut. Ich wollte vor knapp 15 Jahren eigentlich Kfz-Mechanikerin (hieß damals noch so, chancenloses Vorhaben) werden. Was denkst du?
      4. Sicher ist Gehalt Verhandlungssache und sicher hat sie freiwillig den Arbeitsvertrag unterschrieben. Aber konnte sie wissen, dass ein Kollege nahezu das Doppelte bekam? Konnte sie wirklich wissen, welche Diskrepanz da herrscht? Ich glaube, hätte sie das präzise gewusst, hätte sie ihre Gehaltsverhandlung auch anders geführt bzw. wäre direkt mit einer anderen Verhandlungsbasis an die Sache herangegangen. Ich unterstelle da eher, dass sich Frauen auch heute nicht immer so ganz über ihren Wert als Arbeitskraft im Klaren sind. Oder dass Männer ihren Wert für den Arbeitgeber direkt mal höher ansetzen.
      5. Gleiche Arbeit heißt nicht automatisch gleiche Leistung. Ja, und wieso? Gesellschaftspolitisches Problem, oder? Wir beide werden das sicher nicht lösen und beseitigen können. Fußballer? Nun ja, ein Lionel Messi ist sicher von anderem Kaliber und von anderer Spielerqualität als ein Fußballer des DFC Arminia Bielefeld oder gar von Holstein Kiel aus der 3. Liga. Messi hat auch einen deutlich höheren Vermarktungswert. Aber kann man das 1:1 auf Frauen und Männer in der Berufswelt umsetzen?
      6. Abschließend entschuldige ich mich, falls du den Eindruck gewonnen hattest, dass ich dich evtl. falsch verstehen will. So habe ich das meines Erachtens auch nicht ausgedrückt.

      • Hallo Susanne,
        in letzter Zeit reagiere ich immer öfter etwas gereizt, weil wir in Deutschland kein gutes Streitklima mehr haben. Ich meine jetzt nicht hier. Es geht oft GEGEN etwas oder jemanden. Selten FÜR etwas. Alternativen fast nie. Besonders von Politikern.
        Was denkst du, wenn ich gegen die Frauenquote bin. Frauenfeind? Nein, das Gegenteil. Nicht nur weil ich es für verfassungswidrig halte, sondern weil es sich irgendwann negativ für die Frauen auswirken wird. Vor vielen Jahren hatte ich einen langen Bericht über die Probleme in Norwegen gelesen. Der Schlusssatz war interessant: Die Frauen sind gegen die Quote, nehmen sie aber gerne in Anspruch.
        Quoten für Migranten gibt es bereits in Berlin.

        Letzte Woche hat mich eine Freundin rassistisch genannt. Eine Frau, die nach eigenen Angaben keine Ahnung von Politik hat. Ich habe das Telefonat beendet. Jetzt ist eine 25-jährige Freundschaft beendet.

        Du hast geschrieben:
        3. Die Bezahlung von Arbeitskräften in sozialen Berufen …..
        Hier stimme ich dir uneingeschränkt zu.
        4. Sicher ist Gehalt Verhandlungssache und ….
        Ich weiß genau wie ärgerlich das ist. Ich bin auch nicht von gestern. Beispiel im Alltag: Du kaufst etwas und siehst um die Ecke das Gleiche billiger. Dann hast du Pech gehabt.
        5. Gleiche Arbeit heißt nicht automatisch ….
        Da kann ich als Beamter in Lied von singen. Ich wurde mehrfach bis zu 3 Stufen schlechter bezahlt als mein Vorgänger, weil ich die Wartezeit nicht erfüllt hatte oder „zu jung“ war.
        Ich hatte kürzlich ein Gespräch zwischen 2 jungen Männern mitbekommen. Der eine hat bemängelt, dass die Fußballerinnen erheblich weniger verdienen als die Männer. Der andere hat ihn gefragt: Warst du schon mal im Stadion bei Frauen? Guckst du wenigstens im Fernseher? Hast du jemals Fanartikel von Frauen gekauft? Als das verneint wurde war das Gespräch beendet.

        Wenn ich das aufliste, dann heißt das nicht, dass das meine Zustimmung findet. Es ist aber so.

        • Hallo macho,
          sehr sehr schade, wenn eine 25-jährige Freundschaft durch so etwas Dummes (und das, was dir da in dem Telefonat durch eine Freundin passiert ist, ist saudämlich und zwar von ihr) beendet wird bzw. werden muss. Hat sie nach derart vielen Jahren noch immer nicht wirklich gewusst, was deine tatsächliche Meinung zu manchen Dingen ist? Das ist traurig, denn echte Freundschaft ist kostbar.
          Soll ich dir mal was sagen? Frauenfußball muss ich nicht unbedingt haben, ähnlich geht es mir mit dem American Football. Da bist du gewöhnt, dass 140 kg (oder mehr) Tackles auf dem Feld stehen und plötzlich laufen da 60 kg Frauen herum. Und wenn jetzt alle Frauen der Welt auf mich draufhauen: Frauenboxen ist für mich ebenso verzichtbar wie Catchen. 1857 gab es bei den Männern den ersten Fußballverein und ab 1863 den ersten Fußballverband. Da haben sich im Lauf der Zeit völlig andere Strukturen entwickeln können. Frauenfußball ist zwar gesellschaftlich akzeptiert, aber ich befürchte, er wird es nie in dem Umfang wie bei den Männern sein. Und ich denke, da wird es auch niemals eine derart ausgefeilte Talentsichtung und -förderung wie bei den Männern geben.
          Zu 5. Meinst du u. a. etwas, was es heute im TVöD nicht mehr gibt? Bewährungs-, Fallgruppen- und Tätigkeitsaufstiege?

    • macho, guten Abend!
      Habe mir die Texte von heute gerade zu Gemüte geführt. Ich bitte dich, dir Susannes Satz nochmal mit Ruhepuls durchzulesen. Dir wird schnell klar werden, dass sie dich sehr wohl richtig verstanden hat und dir eben nicht unterstellt, dass du die Arbeit deiner Frau bzw. von Hausfrauen generell nicht anerkennst.
      Wenn jemand meiner Frau etwas vorwirftt, was sie entweder nicht getan oder, wie in diesem Fall, gar nicht wie verstanden kommuniziert hat, dann werde ich nämlich gallig. Richtig gallig, auch wenn sie meint, sie selbst sei wehrhaft genug und ich müsste mich nicht ins Schlachtengetümmel werfen. Doch, muss ich in so einem Fall, genau wie du das für deine Frau tust. Sieht für mich sehr danach aus, als wäre ihre Aussage von dir missverstanden worden.

  3. Tja Adam, interessante Frage, insbesondere aus historischer Sicht.
    Ursprünglich wurde der Beruf “Schreibkraft” zu allergrößten Teilen von Männern ausgeübt: in der Antike durch einen Acturarius (allerdings waren die alten Ägypter diesbezüglich recht fortschrittlich gesonnen), später in einem Scriptorium durch Mönche (jedoch lag da die Tätigkeit wohl überwigend im Kopieren von z. B. Schriften), bis fast Ende des 19. Jahrhunderts ebenfalls eher durch Männer, Vorreiter waren da die USA weil Männermangel aufgrund Krieg.
    Ich vermute, es war einer der ganz wenigen Berufe, die man Frauen zugetraut hat, von denen Männer annahmen, Frauen haben dafür die Qualifikation, zumal das wenig Eigeninitiative oder selbstständiges Denken verlangte, was man(n) ihnen offensichtlich eher nicht zutraute. Stenogramme aufnehmen und abschreiben verlangt weniger selbstständiges Denken.
    Außerdem waren Frauen für den Berufszweig “billig” zu haben, Männer verdienten da deutlich mehr (Parallelen zu heute?). Und Männer können keine Kinder bekommen, die werfen wegen Schwangerschaft nicht das Handtuch, habe ich als Arbeitgeber mehr investiert in einer höher dotierte Position. Auch heutzutage ist eine Schreibkraft aus unternehmerischer Sicht preiswerter als eine sehr gut ausgebildete Sekretärin, die aber auch ein anderes Berufsbild hat. Immerhin bin ich sehr froh, dass wir, wenigstens in diesen Breitengraden, unsere Männer nicht mehr fragen müssen, ob wir arbeiten gehen dürfen.
    Es ist einer der wenigen Berufe, in denen Frauen so nach und nach den Männern das Wasser abgegraben haben.
    Und jetzt werde ich bösartig (ja, ich weiß, ich hacke gerade auf euch Männern rum): Männer haben an so einer “minderwertigeren” Tätigkeit offenbar irgendwann das Interesse verloren und deshalb uns das Feld überlassen. Oder wollten sie uns erst gar nicht die Chance bieten, sie abschätzig als “Tippse” zu bezeichnen?
    Sorry macho, auch wenn du deine Frau verteidigen wolltest (was ich durchaus würdige), deren hausfrauliche Tätigkeit dir nicht genug anerkannt wurde.

  4. Meine Mutter war eine typische Hausfrau und meine Frau ist es auch. D. h., dass alles, was mit Haus und Familie zu tun hat, zu IHREN Aufgaben gehört. Das verwalten und organisieren sie alleine. Jede Mithilfe ist auch nur einer Mithilfe. Niemals gleichberechtigt. Das darf man keinesfalls negativ sehen.
    Ich hatte mal meiner Mutter gesagt: “Hol mir mal ne Flasche Bier”. Sie ist tatsächlich aufgestanden und hätte es getan, wenn ich sie nicht zurück gehalten hätte.

    Obwohl wir beide Rentner sind, ist der Haushalt ist immer noch die Aufgabe meiner Frau. Wenn ich sage, sie solle weniger Kuchen backen, das interessiert sie nicht. Sie ist immer noch geneigt mir bei Kleinigkeiten Empfehlungen zu geben. Natürlich nicht beim Haare- oder Fingernägel schneiden. Aber bei den Klamotten und vielen anderen Tätigkeiten. Ich kann vieles alleine. Manchmal ärgert mich das, weil ich den Eindruck haben könnte, dass sie mich für einen Trottel hält. Deshalb spreche ich sie manchmal mit dem Vornamen meiner Mutter an. Aber sie meint es nur gut, so wie meine Mutter.

    Es geht aber auch anders. Im Fitnessstudio hatte ich oft eine Frau getroffen, die jedesmal 1 Stunde auf dem Stepper gestrampelt ist. Sie kann nicht beruftätig gewesen sein. Ich habe sie gefragt, ob sie am Abend ihrem Mann ein Bier aus dem Keller hole. Das hat sie energisch abgelehnt.

    Wenn aber beide Partner berufstätig sind, wird die Arbeit oft penibel aufgeteilt. Dabei gibt es oft Streit. Dann habe ich das Gefühl, dass jeder Angst hat er würde etwas mehr arbeiten als der Andere.

    • Sieht bei uns ziemlich ähnlich aus. Haus, Grundstück, Haushalt, dies alles liegt in ihrem Ermessen und obliegt ihren Entscheidungen, auch wenn wir größere Sachen besprechen. Kann man auch zusammenfassen, ich sagte das schon einmal an anderer Stelle, dass sie mir den Rücken freihält.
      Bis ich mit Susanne zusammengezogen bin, war es für mich ein Haus, in dem ich mich zwar niemals unwohl gefühlt habe und das ich immer sehr mochte, jedoch, ich kann das nicht oft genug wiederholen, mit ihr und durch sie ist es ein Zuhause geworden, das mich abends willkommen heißt, in dem wir uns beschützt und behütet fühlen und in das wir uns gerne einkuscheln.
      Empfehlungen? Möchte ich eine, dann frage ich sie und bekomme eine. Und natürlich halten sie uns hin und wieder für Trottel! Ich neige dazu, geht sicher vielen Männern so, meine Klamotten und Schuhe ewig lange für noch gut zu halten und ja nichts zu entsorgen. Hatten wir letzte Woche: “Susanne, wo sind meine schwarzen Budapester?” “Beim Schuster für neue Absätze, du könntest dir wirklich mal ein neues Paar zulegen, sie haben ihr Leben eigentlich hinter sich.” Äh ja, also ich finde, sie sind noch gut.

      • Hallo Stephan,
        es gibt viele solcher Frauen wie deine und meine. Ich muss allerdings sagen, es sind meistens ältere. Eigenartiger Weise sind diese Frauen nur selten stolz auf ihre Leistung. Sie müssten es aber sein.
        Wir Arbeitnehmer haben mehr oder weniger Zeit eine Arbeit nach der anderen zu erledigen. Oft können wir uns darauf verlassen, dass jemand die Vorarbeit gemacht hat.
        Hausfrau oder Hausmann muss planen und organisieren. Wenn eine Bäckerin einen Kuchen backen soll, dann hat jemand die Zutaten besorgt und alle Voraussetzungen sind gegeben.
        Eine Hausfrau muss prüfen was sie noch einkaufen muss und muss den Zeitpunkt des Backens planen. Sie wird gestört, durch Telefon, Kinder müssen von der KiTa abgeholt werden, Kinder kommen aus der Schule, der Eismann oder die Freundin klingelt, und der Zeitpunkt des Mittagessen muss abgestimmt swerden, weil der Mann vielleicht anschließend einen wichtigen Termin hat.
        Zusammengefasst: Eine Hausfrau muss unternehmerisch tätig sein. Das schaffen viele Frauen nicht.
        Liebe Hausfrauen, lasst euch nicht von den Frauen nieder machen, die als Tippse arbeiten. Als Beamter kann euch sagen, dass viele von denen nicht mal ihr Arbeitsgerät (den PC) verstehen.

        • Hallo macho,
          Susanne ist fuchsteufelswild wegen Nutzung des Begriffs “Tippse”. Sie sagt, das ist herabsetzend, denn auch diese Frauen kommen nach der Arbeit nach Hause, müssen sich dann um Haushalt und ggf. Familie kümmern und können nur hoffen, dass ihre Männer helfen und mit anpacken, dass sie das aufgrund ihrer Berufstätigkeit eben nicht im gleichen Umfang leisten können wie deine Frau und sie. Dem stimme ich zu. Und mir gefällt der Begriff ebenfalls gar nicht. Außerdem ist sie stinkig wegen des pauschalen “Frauen und PC(Technik)-Urteils. Sie sagt, an ihrem früheren Arbeitsplatz, als sie noch nicht daheim gearbeitet hat, hat sie genug Männer erlebt, für die der PC auch eher ein Außerirdischer war.
          Du hast Recht, wir müssen überhaupt nicht groß darüber reden, was unsere beiden Frauen und alle Frauen in gleicher Situation leisten. Mir ist das sehr deutlich bewusst. Alleine die “Verwaltung” von Haus und Grundstück, da ist immer was vorausplanend zu erledigen und aktuell fällt ebenfalls immer etwas an, dazu Haushalt und tagsüber alleine mit unseren Babys und und und. Ich komme abends heim, kann mich entspannen, bekomme immer eine sehr leckere Mahlzeit etc.
          Beispiel: Ursprünglich hatten wir zum 1. Weihnachtsfeiertag 12 Personen eingeladen plus 3 Kinder (Susanne meinte, besser bei uns, machen wir uns auf den Weg, hat das den Charakter des Umzugs eines kleinen Dorfes). Ich habe sie gefragt, ob ihr das denn nicht zuviel wird, an dem Tag die Bude so voller Menschen zu haben und sie zu versorgen. Sie meinte nein, ist eine Frage der Organisation. Kurzfristig kamen dann noch 4 Erwachsene dazu, Umplanung notwendig.
          Sie erklärte mir, die Torten macht sie am Mittwoch davor und friert sie dann ein (der große Stollen müsste sowieso eine Woche lagern, um Geschmack zu entwickeln), ebenso zweierlei Dessert. Am Donnerstag macht sie die Kartoffelknödel und friert sie auch ein. Am Freitag hat sie den Braten in Marinade eingelegt und gesagt, den muss sie am Sonntag anbraten und kann ihn dann schmoren lassen, nur hin und wieder drehen und mit Sauce übergießen. Da wegen mehr Personen kurzfristig noch ein Coq au Vin auf den Speiseplan kam, hat sie das Fleisch ebenfalls am Freitag eingelegt. Die Nudeln hat sie am Samstag morgen gemacht und dann zum Trocknen weggestellt. Am Sonntag durfte ich helfen (abgesehen von Suppe bin ich ein Küchendepp) und Kartoffelscheiben hobeln (wusste bis dahin gar nicht, dass das hobeln heisst) für Gratin. Sie meinte, das ist ideal, stellt man in den Ofen und kann es dann erst mal vergessen. Die Nudeln würden eh nur 5 Minuten Kochzeit benötigen. Originalzitat: Eine Riesenschüssel voll gemischtem Salat zu machen, ist keine große Aktion.
          Tja, mir geht es da in etwa wie dir. Ich habe nur noch große Augen gemacht, weil: alles präzise wie ein Uhrwerk geplant. Alles, was ich beigetragen habe, war, zum Metzger zu marschieren (der von ihr ebenfalls vorgewarnt worden war durch Vorbestellung), um am Freitag morgens Speck, 6 Hähnchenbrüste und das Fleisch für den Schmorbraten abzuholen. Glaub mir, ich weiß, was sie alleine schon für diesen Tag geleistet hat. Und dabei hat sie niemals die Babys auch nur eine Sekunde vergessen.
          Panik? Nein! Aufregung? Nein? Schweiß auf der Stirn? Nein! General stand, entspannt aussehend, in der Küche und rüttelte hier mal an einer Pfanne, schüttelte da mal an einem Topf, guckte kurz in den Ofen…
          “Schatz, deck du bitte den großen Tisch, dafür hast du ein Händchen. Aber nimm bitte aus dem Schrank die 4. weiße Decke von unten, die kleinen Tannenzweige und die Christrosen zur Deko sind im Keller, nimm dafür bitte die kleinen Tumbler als Vasen, stell für die Kinder nicht die Riesenteller hin, darauf würden sie die Menge ihres Essens kaum finden, aber ich hätte gerne die Rubinglas-Schälchen für das Dessert, und bring mir aus dem Keller die 4 kleinen roten Körbchen aus dem 2. Schrank von links fürs Knoblauchbrot mit usw. usw. usw.
          Jetzt weisst du, warum sie uns manchmal für Trottel halten.

          • dem ist wohl kaum noch viel hinzuzufügen. Außer dass auch diese Arbeit mal (finanziell) gewürdigt werden sollte.

          • Hallo Stephan und Susanne,
            der Ausdruck Tippse stört euch. Kann ich verstehen, aber es waren bisher nur Schreibkräfte, die sich negativ über Hausfrauen geäußert haben. Niemals ein Mann. Eine hat mal meine Frau gefragt: Arbeitest du nichts?
            Ich weiß, dass auch viele Männer keinen Zugang zum PC haben, aber für die Schreibkräfte ist das ihr Arbeitsgerät. Die meisten benutzten es nur als reine Schreibmaschine. Dass die Software auch eine Datenbank beinhaltet war unbekannt. Ich hatte mal einer Schreibkraft die Schriften installiert (noch unter DOS) obwohl ich ganz neu am PC war. Ich will nicht alles auflisten, aber wenn eine Frau den Bildschirm druckt, weil sie kein Unterverzeichnis anlegen kann, dann ist das gravierend. Die kam übrigens ins Frauenbüro und 2 Gehaltsgruppen höher.

            Stephan, deinen letzten Absatz habe ich meiner vorgelesen. Sie hat gelacht, weil sie sich selbst gesehen hat.

          • Nein, wir halten euch nicht für Trottel. Wir tun nur etwas, was wir zufällig recht gut können im Vergleich zu euch und was wir sehr gerne tun, nämlich für unsere Familien zu sorgen. Euer Können liegt eben auf einem anderen Gebiet, aber dadurch sorgt ihr dafür, dass wir unser Leben so leben können wie wir es gerne möchten.
            Andere Frauen führen lieber eine andere Art von Leben oder müssen es sogar. Und macho, den Ausdruck finde ich nach wie vor unangebracht, stimme dir aber zu, sein Arbeitsgerät sollte man beherrschen (übrigens auch als Mann).

          • Hallo Susanne,
            ich war im öffentlichen Dienst. Dort sind die Frauen nicht gleichberechtigt, sie wurden schon vor über 50 Jahren gravierend bevorzugt.
            Natürlich gibt sehr gut ausgebildete Frauen, die wie selbstverständlich mit dem PC arbeiten. Aber leider auch Schreibkräfte, die nicht wirklich arbeiten, sondern sich eher beschäftigen, weil es oft keine Überprüfung gibt. Und wenn so jemand eine Hausfrau kritisiert, dann bin ich stinksauer.

          • wieso sind Schreibkräfte (scheinbar) immer weiblich?

          • Hallo macho,
            mich würde die Frage “arbeitest du nichts” viel weniger aufregen als dich. Ich weiß, was ich den ganzen Tag tue, Familie und Freunde wissen es, mehr Menschen geht es nichts an.
            Es gab vor Jahren einen netten Werbespot, ich weiß nicht mehr, wofür, Situation war, glaube ich, das Bewerbungsgespräch einer Frau. Antwort war: “Ich leite ein sehr erfolgreiches kleines Familienunternehmen.” Und mehr Antwort wäre mir die Frage überhaupt nicht wert.
            Und jetzt noch was zum Thema Männer und PC bzw. dessen Peripherie. An meinem letzten aushäusigen Arbeitsplatz kam eines Morgens einer unserer neuen Assistenzärzte panisch an, erklärte, er hätte am Wochenende sein Büro etwas umgeräumt und jetzt würde sein Drucker nicht mehr drucken. “Aber ich muss doch dringend was für den Chef ausdrucken, sofort, die Morgenbesprechung ist gleich.”
            Wenn ich daran denke, muss ich noch heute grinsen. Der Klassiker: er hatte vergessen, das serielle Druckerkabel wieder anzuschließen.

          • Susanne, diese Werbung war von Vorwerk mit Katja Weitzenböck.
            Es war die beste Werbung!

          • Hallo Adam,
            diese Arbeit sollte finanziell gewürdigt werden? Das ist wohl war. Aber wer bezahlt und in welcher Höhe? Ganz sicher eine Summe, die hochqualifizierten Fachkräften entspricht.
            Von mir erwartet Susanne keine Bezahlung, sie macht, es weil sie das will, weil sie es gerne macht und weil sie ihre Familie liebt. Sie kann sich jederzeit von unserem Konto nehmen, was sie möchte, das ist ja wohl selbstverständlich.
            Ich habe einen Weg gefunden, ihre Arbeit wenigstens ein ganz klein wenig finanziell zu entlohnen. Sie hat sich sehr dagegen gesträubt und es hat mich ausufernde Diskussionen gekostet. Am Ende konnte ich sie mühsam von meiner Idee überzeugen, man muss ja auch an später denken. Ich zahle jeden Monat den Betrag auf ihr Rentenkonto ein, man kann ja auch freiwillig Leistungen einzahlen, den ihr letzter Arbeitgeber (AG+AN-Beitrag) pro Monat dorthin überwiesen hat.
            Ich habe keine Ahnung, wie man das Problem, dass Leistungen von Hausfrauen nicht finanziell gewürdigt werden, lösen kann.

          • Bei dem Thema werde ich wohl nie einer Meinung mit meinem Mann sein. Es ist das Leben, das ich mir ausgesucht habe und das ich genau so führen möchte. Und er ermöglicht mir das durch seinen Verdienst für uns alle. Seine Abschlussargumentation war: “Bitte lass mich das machen, ich möchte es gerne. Du konntest nur knapp 14 Jahre durch Berufstätigkeit in die Rentenkasse einzahlen, mehr als weit unter Armutsgrenze wirst du dafür als Rente nicht erhalten. Wenn ich aber die Zahlungen fortführe und ich will das unbedingt tun, dann hast du, wenn wir zusammen in Rente gehen, wenigstens einen Betrag nur für dich, der den Namen auch verdient. Punktum.” Wir hatten das Gespräch, als ich mit Beginn der 32. SSW meinen Teilzeitjob aufgegeben habe.
            Größeres Problem scheint mir zu sein, wie soll diese finanzielle Würdigung aussehen? Was ist die Arbeit von Hausfrauen und Müttern wert? Welche Summe willst du da ansetzen? Welchen Stundenlohn willst du zugrundelegen? Da kommt pro Woche einiges an Stunden zusammen. Wer soll das bezahlen?
            Mir persönlich genügt es zu wissen, dass ich meine Arbeit gut mache und dass es meiner Familie auch dadurch gut geht. Mir reicht das Wissen, dass mein Mann sich daheim wohl fühlt und jeden Abend gerne wieder nach Hause kommt, dass unsere Kinder sehr gut versorgt und zufrieden sind (sie meckern extrem selten). Dadurch bin auch ich glücklich und zufrieden.

  5. Ich möchte den Begriff bemuttern teilweise lieber durch umsorgen ersetzen. Bei uns ist die Teilung nun einmal so, dass meine Frau daheim ist und sich um Haushalt inklusive meiner Wäsche und tagsüber alleine um die Kinder kümmert, insofern sorgt erst einmal sie dafür, dass aus einem Haus ein Zuhause geworden ist, in dem wir uns beide wohlfühlen. Mein Part besteht zunächst darin, das Geld dafür zu verdienen.
    Doch, in Grenzen bemuttert sie mich auch, wir hatten das Thema schon einmal bei Nummer 342. Und wenn ich im Büro einen wirklich schlimmen Tag hatte, auch die gibt es hin und wieder, dann sieht sie das abends, streicht mir über das Gesicht, drückt mich dann erst einmal in einen bequemen Sessel und sagt “lass es los, mach 10 Minuten die Augen zu und atme tief durch, ich bringe dir was Kühles zum Trinken.”
    Aber: das hat Grenzen! Sobald ich daheim bin, habe ich die Pflicht, mich genau wie sie um die Kinder zu kümmern und das würde ich ganz sicher nicht anders haben wollen. Dann kann sie erwarten, dass ich auch beim Haushalt helfe und sei es nur, dass ich abtrockne und den Müll rausbringe. Sie muss es nicht und ich möchte es auch nicht, dass sie mir die Klamotten farblich passend zusammenstellt, das schaffe ich durchaus alleine.
    Wie Du schon schreibst, sie ist nicht meine Mutter (wobei die uns Kinder beizeiten dazu erzogen hat, uns eben nicht alles und jedes abnehmen zu lassen). Ich habe eine Frau geheiratet, die meine gleichberechtigte Partnerin ist und nichts anderes sein soll, ganz sicher kein Mutterersatz. Übrigens finden wir beide es (ganz anderes Thema) schrecklich, wenn sich (Ehe)partner mit Vater und Mutter ansprechen, das gibt es.
    Das Thema “Bemuttern” kann man durchaus gegenseitig sehen, muss es meiner Meinung nach sogar. Sie hat nach der Geburt bzw. infolge des Kaiserschnittes über einen langen Zeitraum starke Schmerzen aushalten müssen und drei Kinder zu stillen, das bringt deine Frau durchaus an den Rand dessen, was sie verkraften kann und führt zu völliger Erschöpfung. Habe ich da nicht die Pflicht, meine Frau ein wenig zu “bemuttern”? Dafür zu sorgen, dass sie ein klein wenig Zeit für sich hat, um wieder etwas zu Kräften zu kommen. Dafür zu sorgen, dass sie eine ruhige halbe Stunde hat, ihr einen Becher ihres heißgeliebten Kaffees zu bringen oder ihr mal eine frische Suppe zu kochen (Suppe kann ich)?
    Du merkst es sicher, ich kann nicht wirklich verstehen, wenn sich a) Männer einen Mutterersatz als Partnerin suchen und b) Frauen denken, sie müssten für ihre Männer ein Mutterersatz sein.

    • deswegen stelle ich eben den begriff “bemuttern” gegen “umsorgen”. “bemuttern” umschreibt für mich eben diese überschrittene Grenze, wo wir nicht mehr über gleichberechtigte Partner reden, die sich natürlich um den anderen sorgen und ihn umsorgen.

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© Raoul Biltgen

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