Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

368 – Das Abhaken

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Liebe Frauen,

ich liebe Listen. Weil man so schön all das Abhaken kann, was man erledigt hat.

Bild: Fortepan

Bild: Fortepan

Doch, das alleine ist oft Motivation für mich, gewisse Dinge zu tun, die ich nun wirklich nicht besonders gerne tu. Abhaken. Super. Oder auch streichen. Hervorragend. Zack, weg isses. Ein Punkt weniger auf der Liste. Ein Punkt weniger, der schon viele zu lange auf der Liste stand, und der mich jedes Mal angenervt hat durch seine Präsenz auf dieser Liste. Aber ha, jetzt wird er abgehakt und gestrichen und weg damit.

Und dann kann ich irgendwann eine neue Liste anfangen, auf der manche Punkte nicht einmal mehr durchgestrichen aufscheinen.

Das Leben ist schön und es geht immer weiter.

Weswegen es ja auch durchaus opportun ist … Weswegen es sich ja durchaus anbietet, nicht nur für die Kleinigkeiten im Leben Listen anzufertigen. Es gibt nunmal Dinge, die brauchen etwas länger. Und manche kann man auch nicht gleich erledigen. Aber man weiß, sie gehören erledigt. Irgendwann. Oder man will sie erledigen. Irgendwann. Bevor man sich ins Grab legt und sich denkt: Warum bist du einfach nie mit dem Fallschirm gesprungen? Weil ich es nicht mehr auf meiner Liste hatte. Weil ich keine Liste hatte. Mist. Zu spät. Buddelt mich aus und schmeißt mich aus einem Flugzeug, bitte, muss noch sein.

Und was noch? Männer wissen es: Haus bauen, Baum pflanzen, Kind zeugen.

Frauen wissen es: Männer können vor allem letzteres nicht alleine bewältigen.

Also die Liste aller Listen: Guten Job finden, der Spaß macht und genügend Kohle bringt. Gute Frau finden, die Spaß macht und … genügend Freude im Leben bringt. Sinn des Lebens entdecken, Buch drüber schreiben, reich werden, Job schmeißen, Frau austauschen … Nein, natürlich nicht. Für das glückliche Leben auf diesem Planeten reichen die ersten zwei Punkte: Beruflich und privat ankommen.

Und wenn die Ausbildung geschafft ist, wenn die Bewerbungsgespräche Material für lustige Anekdoten sind, wenn mein Job sicher ist und ich ihn gern mache, dann kommt ein schöner großer Haken auf die Liste meines Lebens.

Und wenn die Frau, mit der ich zusammen bin, die Frau ist, die ich liebe, die mich liebt, und wir schaffen es, zusammen zu sein, ohne uns gegenseitig auf die Zehen zu treten, dann kommt der zweite große Haken auf die Liste und …

Und ich genieße es, dass es keine offenen Punkte mehr gibt, nichts, wofür ich kämpfen muss, das mir die Nächte schwer macht und das Leben sauer, das meine Gedanken kreisen lässt, und das mich in Unzufriedenheit ob seiner nicht-Erfülltheit stößt. Denn es ist erfüllt. Und ich genieße. Und hurra.

Und dann geht es bergab.

Denn ein Job, der am Anfang noch spannend ist, kann doch auch zur Routine werden.

Und ein Mensch, der am Anfang noch spannend ist, ist doch ein Mensch, der auch seine eigenen Ansichten hat, seine eigenen Gefühle, die sich vielleicht verändern, so wie er sich verändert, wie ich mich verändere, wie das Leben sich und uns verändert. Und wenn ich mir immer nur den schönen fetten Haken auf meiner Liste anschau, merke ich vielleicht nicht, dass sich das, was ich da abhakt habe, nach und nach in Luft auflöst.

Ja, Listen machen ist gut, Abhaken ist super, aber aber aber.

Aber nicht, wenn es ums Leben geht.

Und nicht, wenn es um die Liebe geht.

Euer Adam

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8 Kommentare

  1. Für die wesentlichen Dinge brauche ich keine Liste. Das habe ich im Kopf. Aber ich habe Termine und Aufgaben im Smartphone. Die entfernteste Aufgabe ist ein Impftermin 2027. Das wird mit dem Laptop synchronisiert und ist aus dem Kopf. Das ist doch in 3 Sek. gelöscht und in 15 Sek. verändert.
    Finanzielle Dinge habe ich schon immer geplant. Das ist besonders wichtig. Das Lächeln meiner Mitmenschen übersehe ich.
    Aufgaben in und am Haus, Auto usw. schreibe ich auf. Deshalb muss ich mich ja nicht krampfhaft an den Listen festhalten. Ich bleibe trotzdem spontan.

  2. Ich könnte meine Löffelliste ebenso gut als Zielliste bezeichnen, die drei Punkte möchte ich gerne noch abhaken können, bevor ich den Löffel abgebe. Der eine oder andere Traum befindet sich auch nicht darauf, die schwirren variierbar in meinem Gehirn herum, tauchen irgendwie von Zeit zu Zeit wieder auf.
    Ich bin allerdings nicht der größte Freund von Listen. Wie soll ich das erklären? Die lassen mir zu wenig Raum für Spontanität, erscheinen mir zu unflexibel, erzeugen eher das Gefühl von Zwang und nicht das einer Chance, die einem praktisch vor die Füße fällt und sagt, nutze die Möglichkeit, die sich dir gerade bietet.

    • genau das meine ich mit Träume haben statt Liste machen. Aber im Alltag wäre ich ohne to-do-Listen vollkommen aufgeschmissen.

      • To-do-Liste ist eben meine EXCEL-Liste, verbunden mit einem Kalender. Steht was dringend zu erledigendes im Bereich Haus und Grundstück an, poppt ein Erinnerungsfenster auf, wenn ich den PC anschalte.
        Alltagsgeschäft geht bei mir ohne, der größte Teil besteht aus Routine, kehrt jeden Tag aufs Neue wieder.
        Mehr Listen mag ich auch deshalb nicht haben, weil die ja auch angepasst werden müssen. Am Ende bin ich mehr damit beschäftigt, meine Listen anzupassen als wirklich Wichtiges zu erledigen.
        Ich hatte mal einen Kollegin, die auf ihrem PC 7 oder 8 Listen führte. Sie war mir unterstellt, deshalb habe ich mit ihr bei einem Kaffee ein Gespräch zum Thema Zeitmanagement geführt und ihr erklärt, es könnte einfach dauerhaft nicht sein, dass sie sich pro Tag ungefähr eine Stunde mit ihren Listen beschäftigen würde, weil das schlichtweg von der Arbeitszeit abginge und dass deshalb Teile ihres Aufgabengebietes jeden Tag nicht erledigt würden. Sie hatte Listen für praktisch jeden denkbaren Furz. War eine schwierige Situation, für sie war es schon zwanghaft notwendig, diese Listen zu bearbeiten, ohne wurde sie fast panisch. Auch dazu können Listen führen. Aber sie war eine sehr sympathische Kollegin und (Schreibkraft übrigens) gut auf ihrem Gebiet. Habe dann mit ihr zusammen behutsam nach und nach alles auf 3 Listen reduziert, sie verbrachte pro Tag nur noch 15 Minuten damit, das war durchaus akzeptabel. Und sie fühlte sich danach nicht unwohl, hatte nicht das Gefühl, nun fehlt ihr etwas. Listen können dich auch knechten.

        • absolut ja, da kann ich dir nur recht geben. Ich hatte meine to-do-Liste in Kategorien eingeteilt, bis ich draufgekommen bin, dass das nur versteckt mehrere Listen gleichzeitig sind. Und Überblick hat es keinen Gebracht. Also wieder reduziert und nur das drauf gegeben, was wirklich reingehört, weil es gemacht werden muss, aber eben nicht jetzt. Also so wie du es machst: ein reminder.

          • Beruflich wäre ich ohne komplett aufgeschmissen: Termine, Fristenwahrungen und und und. Reminder sind schon sehr angenehm und noch angenehmer, hast du jemanden, der dir die entsprechenden Listen führt.
            Sogar privat bekomme ich von meiner Frau einmal pro Jahr im April eine Erinnerung auf den PC geschickt: Steuerberater, Steuererklärung steht an. Perfekte Rundumversorgung, ich bin schon extrem verwöhnt! Habe keine Löffelliste, aber ein paar Träume.

  3. Löffelliste, meine ist derzeit recht kurz. Einmal die Geysire auf Island besuchen und einmal ein Spiel der 49ers live vor Ort im Levi’s Stadium in Santa Clara sehen. Langfristig gesehen steht auf ihr noch, dass unsere Kinder gesund und glücklich aufwachsen können. Aber sie ist eine Liste, die einen Spaßfaktor hat.
    Hingegen meine EXCEL-Terminliste? Die besteht aus Notwendigkeiten, an die gedacht werden muss. Die mag ich nicht immer ohne Einschränkungen. Heute ist so ein Tag, an dem auf dieser 4 Haken gemacht werden mussten. Schöne neue Welt, weil so viel online erledigt werden kann.
    Und ein Mensch, der am Anfang noch spannend ist…? Muss doch nicht sein, dass sich diese positive Spannung in Rauch auflöst. Kann doch ebenso spannend sein, genau diese Veränderungen eines anderen Menschen sowie bei sich selbst mitzuerleben, sich darauf einzustellen, dadurch wird unter Umständen ein neuer spannender Punkt auf der Liste erzeugt. Ewig auf der Stelle treten ist schlimmer.

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© Raoul Biltgen

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