Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

373 – Die Maulfaulheit

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Liebe Frauen,

wer müde ist, hat keine Lust zu ficken.

Bild: Theodor Roussel

Bild: Theodor Roussel

Soweit die Quintessenz der vergangenen Woche.

Doch das ist bei weitem nicht das Schlimmste, was einem passieren kann, wenn man zu wenig Schlaf bei zu viel Anstrengung bekommt.

Denn Müdigkeit macht auch maulfaul. Und damit meine ich jetzt nicht, dass man auch keinen Oralverkehr mehr hat, das war schon beim Ficken mit eingeschlossen. Nein, mit maulfaul meine ich, dass man keine besondere Lust zu reden hat.

Und ein müder Mensch kommt nach Hause und lässt sich müde aufs Sofa fallen, nachdem er müde seine Schuhe von den Füßen gestülpt und unversorgt hat rumliegen lassen. Und ein anderer Mensch lässt müde einen Satz durch die gemeinsame Wohnung fallen, der da lautet: „Und?“

Und damit ist die obligate Frage nach dem Tag gemeint, wie es einem ergangen ist, was man erlebt hat, Schönes und Unschönes, welchen Erlebnissen man vielleicht noch nachhängt, und was einen sonst noch so beschäftigt. Und es ist auch Ausdruck dessen, dass man teilhaben will am Leben des anderen, an seinen Gedanken und Gefühlen, denn, ja, es ist der Mensch, den man liebt, den man mit einem müden „und?“ zum Mitteilen auffordert.

Und der aufgeforderte müde Mensch antwortet pflichtbewusst: „Ja“, und meint damit, dass der Tag in Ordnung war, dass nichts Außergewöhnliches passiert ist, nichts Mitteilenswertes zumindest, dass es ein Tag war, der nicht ein Leben ins Wanken gebracht hat, und auch keine Welten. Weshalb dem bedeutsamen „Ja“ ein empathisches „und?“ nachgeworfen werden kann, was mit einem ebensolchen „Ja“ quittiert wird.

Und die Konversation am Ende und müde beenden zwei Menschen ihren Tag.

Und auch wenn so viel in diesem minimalistischen Dialog „Und?“ – „Ja. Und?“ – „Ja.“ steckt, was unausgesprochen bleibt, so liegt doch genau da das Problem: Es bleibt unausgesprochen. Dabei geht es beim Aussprechen nicht darum, was man ausspricht, sondern dass man ausspricht. Dass man den anderen an seinem Leben teilhaben lässt, auch wenn es vollkommen langweilig ist. Denn tut man das nicht, entfernt man sich langsam aber sicher, die Tektonik der Beziehung.

Deshalb ist Müdigkeit weit schlimmer, als dass man weniger Sex hat. Man redet nicht mehr miteinander. Weil selbst reden schon als zu anstrengend anmutet. Und man behilft sich damit, dass man sich in den Glaubenssatz versteift, dass man sich so gut kennt, dass man die vielen kleinen Kleinigkeiten gar nicht mehr auszusprechen genötigt ist, man versteht sich ja auch so.

Tut man nicht.

Rafft Euch auf. Überwindet den Schlafmangel. Und sagt meinetwegen, dass Ihr müde seid, aber sagt etwas. Und wisst Ihr was? Wenn Ihr schon dabei seid, miteinander zu reden, dann könnt Ihr auch zum Thema machen, dass Ihr zwar so elendliglich müde seid, dass Ihr nicht einmal mehr zu Sex fähig seid, trotzdem aber ganz gern welchen hättet. Denn selbst wenn es dann doch nicht dazu kommt, weiß der andere wenigstens, dass es nicht an ihm liegt.

Euer Adam

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2 Kommentare

  1. Kann man ausnahmsweise mal machen, sich einen Abend auf “Ja / Und” und allenfalls noch “ich bin so müde” beschränken und den Rest des Abends maulfaul gemeinsam auf dem Sofa lümmeln.
    Vollkommen richtig, als Dauerzustand ist Maulfaulheit aufgrund Müdigkeit (bzw. sei es auch nur, weil man sich kennt) vollkommen ungeeignet.
    Egal, wie müde man tatsächlich ist und egal, wie gut man sich kennt, hat sich Maulfaulheit in einer Beziehung “eingebürgert”, dann frage ich mich, wie groß ist das Interesse am Partner und an dem, was er tagsüber getan hat, tatsächlich noch? Dauerhaft ein schlichtes “Und?” hört sich für mich eher danach an, als wäre mir eine etwaige Antwort ohnehin völlig egal.

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© Raoul Biltgen

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