Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

374 – Die Swinger

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Liebe Frauen,

ab und zu bekomme ich den Auftrag, mit Vorurteilen aufzuräumen.

Bild: Thomas Rowlandson

Bild: Thomas Rowlandson

Immer wieder gebe ich mir diesen Auftrag selber.

Doch manchmal, möchte ich meinen, ist es ganz gut, es bei den falschen Vorstellungen der breiten Masse zu belassen.

Duke Ellington sitzt also da, nickt zufrieden im Takt der Musik, hebt die Hände zu den Tasten und spielt. Musik liegt in der Luft. Die Stimmung ist unbeschwert, die Menschen hören gerne zu, sie tanzen, sie erfreuen sich ihres Lebens. Sie küssen sich und entkleiden sich und alle ficken mit allen.

Ja, herrgott, auch in einem Swingerclub darf Swing gehört werden. Aber ich weiß natürlich, dass Ihr nichts über den Duke lesen wollt, sondern darüber, wie das so ist, in einem Swingerclub, wo man hingeht, um mit irgendwelchen wildfremden Menschen rumzuvögeln, nur um des lieben Vögelns willen. Tut man das? Soll man das tun? Soll man das tun wollen? Bin ich pervers, wenn ich das will? Oder sind vielmehr alle pervers, die das pervers finden, weil wir sind erwachsene Menschen und können vögeln, mit wem wir wollen.

Menschen, mit denen ich zuletzt gesprochen habe, die noch nie in einem Swingerclub waren, reagieren erstmal alle ziemlich ähnlich. Nämlich: Iih. Auch wenn sie es so nicht sagen, so finden sie die Vorstellung eher schmuddelig. Und in der Vorstellung ist auch der besagte Club eher schmuddelig. Im wahrsten Sinne des Wortes: Spelunke, Klitsche, Plüschpuff. Gedämmtes Licht und Pornomusik, unterbrochen vom ständigen Gestöhne und Gegrunze der Menschen, die dort Kunde sind. Und auch die scheinen schmuddelig. Also schön auf keinen Fall. Nein, das sind doch sicher die zu kurz gekommenen, die sonst keinen Sex abbekommen, weil sie nicht dem entsprechen, was ein normaler, ich betone: ein normaler Mensch im Bett haben will. Deshalb gehen sie da hin. Weil es billiger ist, als ins Puff zu gehen. Weil sie den Eindruck haben wollen, es mit Menschen treiben zu können, die es tatsächlich deshalb mit ihnen treiben, weil sie es mit genau ihnen treiben wollen, und sich nicht von jedem, der Geld springen lässt, rannehmen lassen. Weil sie wiederum auf die Kunden von Prostituierten hinabblicken, so wie die normalen, ich betone: normalen Menschen auf sie hinabblicken, die armseligen Ficker, traurig ist das, traurig. Und ja, ich habe die Geschichte gehört von dem 40jährigen Mann, der noch nie eine Freundin hatte, und der zusammen mit seiner Mutter zum Swingen geht, weil dann kommt er umsonst rein, in Begleitung einer Frau. Und ja, ich habe gehört, wie darüber gelacht wird, wenn einer sagt, er geht dahin, um jemanden kennen zu lernen. Und ja, ich habe auch die anderen gefragt.

Ich weiß, dass Menschen in Swingerclubs gehen, die auch sonst Gelegenheit zu Sex haben. Die dahin gehen, weil sie dahin gehen wollen. Weil es sie anmacht. Mit anderen Menschen zu schlafen. In Beisein ihres fixen Partners. Und beide sind keine, die man von der Bettkante stoßen würde. Und alle sind sich bewusst, was über sie gedacht wird, wenn sie es sagen. Weshalb sie es nur dann sagen, wenn sie davon ausgehen können, dass derjenige, dem sie es sagen, nicht so über sie denkt. Und dann ärgern sie sich darüber, dass die meisten dann doch so denken, wie sie denken. Und sie denken eben doch nichts anderes als: pervers.

Und ich sage: Ja, richtig, das ist voll pervers, iih, ich warne Euch, liebe Frauen, die Ihr das eklig findet, geht nicht dahin, probiert es nicht doch mal aus, nein, haltet Euch fern von diesen Wäh-Etablissements, mir graust’s, es ist so, wie Ihr denkt, dass es ist, und viel schlimmer.

Denn ich glaube, manchmal ist es ganz gut, wenn nicht die Massen überall hinrennen. Denn mit Sicherheit werden Swingerclubs nicht mehr das, was sie jetzt sind, wenn es eh alle voll okay finden. Denn spielt nicht auch das eine Rolle bei der Faszination Swingerclub? Dass man etwas tut, was selbst in der heutigen übersexualisierten Gesellschaft noch ein wenig was Frivoles hat?

Na eben.

Und der gute Duke haut in die Tasten.

Euer Adam

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7 Kommentare

  1. Laut einem Artikel in der WELT – Veröffentlicht am 27.10.2013 – hat sich die Szene verändert.. Das entspricht auch meiner Beobachtung als aktive Swingerin seit 2009.. Die Soziologin Miriam Venn, die zum Thema Swingen ihre Doktorarbeit an der Bergischen Universität Wuppertal schrieb, fand heraus:

    Zitat: „(Das) Swingerdasein entspricht nicht mehr dem Klischee vom dunklen Kellerclub, wo Leute über 40 in Lack und Leder herumspringen und es nur um Sex mit einer anderen Person geht (..) Es sei vielmehr auch ein Trend unter jungen Menschen und jungen Paaren unter 40.

    Das entspricht auch meiner Beobachtung in diversen Clubs von München bis Hamburg und quer durch die Nation von Leipzig bis in die Eifel oder den Schwarzwald..

    Es geht in erster Linie um eine gute Party, um frivoles Ausgehen und um eine interessante Location zum Beispiel um eine alte Burg, eine exklusive Wohnung mit Blick auf den Hamburger Hafen oder um eine Schiffstour am Bodensee.. Das Buffet muss exquisit sein ebenso wie die Musik und die gesamte Stimmung.

    Die Ansprüche sind hoch. Clubs, die sich am Markt behaupten wollen, müssen stets “aufrüsten” und dem Trend folgen.

    Die gemütlichen, plüschigen gibt es auch noch. Hier trifft man auch das betagte Paar, welches für ein gemeinsames Schäferstündchen einen Swingerclub bevorzugt, weil sonst vielleicht keine Möglichkeiten bestehen, zum Sonntagsbrunch oder Kaffeeklatsch der anderen Art.

    Ich traf sogar auf einen Mann, dem es im Seniorenwohnheim zu langweilig war.. Er hatte Spaß am Ambiente, an gepflegter Unterhaltung und am Zuschauen. “Man(n) muss auch gönnen können!” sagte er mit einem Lächeln.

    Sehr beliebt sind auch die After-Work Angebote.. Die einen gehen halt nach dem Büro zum Fitness oder Tanzen – die anderen gehen vögeln.

    Jedem Tierchen sein Pläsierchen .

    Alles kann – nichts muss :-)

  2. Nichts für uns, wir bestehen auf Exklusivrechten. Aber wer wil, der soll, wer nicht will, der soll es lassen.

    macho, Thema Callboys. Eine gute Freundin (sehr gepflegte Frau, inzwischen 52) meiner Schwiegereltern war 24 Jahre verheiratet, Mann gestorben und sie wollte nicht mehr heiraten, aber auch keine feste Beziehung mehr, jedoch von Zeit zu Zeit Sex. Also hat sie sich über eine Escort-Agentur anhand der Fotogalerie einen gesucht, 15 Jahre jünger als sie, den sie hin und wieder bucht. Klares Arrangement: ca. 4 Stunden, erst ein schönes Abendessen in einem Restaurant oder ein Kinobesuch, dann fahren sie zu ihr. Ist natürlich auch eine Geldfrage, kostet jedesmal 600€. Aber diese Regelung ist das, was ihren Wünschen entspricht.

    • Und auch da gilt: wer will (und es sich leisten kann), der soll.

      • Ich finde es sehr gut, dass sie so offensiv damit umgeht und das Thema nicht als eines ansieht, was unter dem Deckmäntelchen der Heimlichtuerei stattfinden muss.
        Ja, man muss sich das leisten können, gar keine Frage. Aber Qualität hat auch da ihren Preis. Susanne und ich waren auf dem Gebiet ziemlich blank, haben also mit ihr mal ein Gespräch geführt, muss zugeben, wir waren neugierig.
        Erfahren haben wir: Ein gebildeter Mann, mit dem auch tiefschürfende Gespräche zu allen möglichen Themen wie Politik, Literatur usw. möglich sind, sehr gepflegt, Sex grundsätzlich nur mit Kondom, er lässt regelmäßig Kontrolluntersuchungen durchführen und weist seinen Kundinnen auch die Atteste vor, die bezeugen, dass er keinerlei Infektionen hat usw. Und sie sagte, dass sie in der Zeit, die sie zusammen verbringen würden, noch nie das Gefühl gehabt hätte, für ihn nur ein Job zu sein, den man(n) möglichst schnell erledigen möchte, sondern deutlich das Gefühl, dass er dann nur auf sie fokussiert ist, und insbesondere, dass er sich ausschließlich nach ihren Vorlieben richtet. Besonders wichtig sei auch, dass er nie auf die Uhr sehen würde, wären es mal 4 1/2 oder 5 Stunden, käme nie eine Nachforderung. Dafür zahlt sie gerne.

  3. Vor längerer Zeit hatte ich mal den Bericht einer Witwe gelesen. Sie hatte irgend wie Probleme ohne Sex. Auf Anraten oder mit einer Freundin ist sie in einer Swingerclub gegangen und hat sich wieder weiblich gefühlt.

    Adam, du schreibst es selbst, dass im Swingerclub Leute vögeln, weil sie gerne vögeln und nicht weil sie dafür bezahlt werden. Das ist ein großer Unterschied.
    Ein Mann, der öfter in diese Clubs geht, schrieb, dass die Initiative bei Paaren überwiegend von den Frauen ausgehen würde. Es beobachtete, dass sich oft die Frau vergnügt, während der Mann an der Bar sitzt. Hat natürlich auch mit der Ausdauer zu tun.
    Auf Grund der Preisgestaltung gehe ich davon aus, dass dort überwiegend Männer anzutreffen sind. Frauen bezahlen recht wenig. Bei Callboys wird es sicherlich wesentlich teurer. Außerdem wird es die wahrscheinlich nur in Großstädten geben.

    Für so einen alten Sack wie mich wäre der Besuch natürlich ein großes Risiko, weil ich bezahlt hätte, aber vielleicht gar nicht zum Schuss käme.

    • es kann sich ja auch lohnen, ohne zum Schuss zu kommen. Manchmal ist es auch spannend, nur zu schauen … Und dann vielleicht zuhause in Erinnerung zum Schuss zu kommen.

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© Raoul Biltgen

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