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384 – Das schlechte Gewissen

14. Mai 2017

3 Kommentare

  • Liebe
  • Männer
  • Sex

Liebe Frauen,

wir Männer sind schlechte Menschen. Das wissen wir. Darunter leiden wir. Weil Ihr es uns ständig sagt.

Es beginnt nicht mit dem Wichsen. Schon Kindern wird gerne gesagt, was sie alles falsch machen. Und dass sie sich zu schämen haben. Aber wenn es dann mal losgeht mit der Selbstbefleckung vor dem Herrn, wenn Jungs ihren Spatzi rubbeln und Spaß daran haben, dann geht es erst so richtig ab. Und ich spreche nicht von der Kirche und dem Gebot, nichts Unkeusches tun zu dürfen, neinnein, auch die atheistischsten Familien haben – wie es scheint – ein Problem mit der aufkeimenden Sexualität der Buben.

Aber, gottseidank, scheren sich die Jungs nicht drum und wichsen fröhlich weiter.

Bis sie erwischt werden.

384 - das schlechte Gewissen | Adam sprichtOh ja, die meisten Männer wissen, wovon ich rede, denn kaum jemandem ist es gelungen, die Pubertät zu verleben, ohne irgendwann mal diesen einen ganz bestimmten Blick auf sich zu spüren, nämlich den der Mutter, wenn sie unverhofft die Tür zum Schlafzimmer aufmacht und ihren Sohnemann da stehen sieht, und das Sperma rinnt ihm durch die Finger und tropft auf das Pornoheft am Tisch. Stille. Und diese Stille als peinliche Stille zu bezeichnen, wäre die Untertreibung des Lebens, nein, da geht es nicht darum, dass das peinlich ist, das ist die Hölle. Und gleichzeitig das Gegenteil der Hölle, denn so eisig können Augen wohl nur in diesem Augenblick schauen. Und dann?

Dann wird es schlimm. Dann wird nämlich die Tür einfach wieder zugemacht. Statt etwas zu sagen. Oder zu schimpfen. Oder zu lachen. Oder zu predigen. Nein, Tür zu. Und jetzt soll der arme Junge seiner Mutter wieder unter die Augen treten? Wie denn? Wie, umhimmelswillen, wie?

Und wisst Ihr, liebe Frauen, was genau in diesem Moment passiert?

Es wird geprägt. Fürs Leben. Dieses Gefühl des schlechten Gewissens wird den heranwachsenden Mann nie mehr verlassen. Es wird ihn leiten in all seinen Entscheidungen. Vor allem jenen, die mit Frauen zu tun haben. Und er wird versuchen, alles alles alles gut zu machen, wenn er mit einer Frau in einer Beziehung lebt, um ja nicht dieses schlechte Gewissen noch einmal aufkochen zu lassen. Und er wird darin ein Meister werden. Er wird schon vorauseilend ein schlechtes Gewissen haben, egal was er tut. Oder nicht tut. Vor allem natürlich, wenn es ums Wichsen geht. Allein der Gedanke daran, er könnte sich – obwohl in einer Beziehung – einen runterholen wollen. Da schrumpelt gleich alles vor lauter schlechtem Gewissen wieder zusammen. Aber nicht nur da. Ständig wird der Mann auf der Lauer sein, ob der Blick seiner Frau auch nur annähernd jenem gleicht, den er damals geerntet hat. Und er wird leiden. Ständig. Weil seine Frau genau das tut: Ihn anschauen. Und damit sagen, ohne es in Worte fassen zu müssen: Falsch.

Und damit habt Ihr, liebe Frauen, uns in der Hand.

Falls Euch das noch nicht bewusst war: Jetzt wisst Ihr es.

Und den lieben Männern, die mitlesen, vor allem den Teenagern, die sich mit nichts anderem beschäftigen als der Frage, wo sie ohne erwischt zu werden wichsen können: Eure Mütter schauen nur so, weil sie nicht wissen, was sie sagen sollen. Sobald aber die Tür zu ist, lächeln sie. Weil auch sie Menschen sind und Sex haben und wissen, was man als Teenie halt so tut. Und weil sie wissen: Der kommt mir nicht mehr aus.

Euer Adam

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3 Kommentare zu "384 – Das schlechte Gewissen"

  • Eigentlich finde ich, es ist fast schon ein Verbrechen, seinem Kind dafür ein schlechtes Gewissen einzuimpfen. Es gehört zum Erwachsen werden dazu, seinen eigenen Körper zu entdecken, die langsam aufkeimende Sexualität zu erforschen (wir haben doch alle früher oder später an uns rumgefummelt). Was hindert mich als Mutter daran, auch bei meinem Kind an die Tür zu klopfen und zu warten, dass da jemand \“Ja und/oder herein\“ sagt (ich sollte auch seine Privatsphäre akzeptieren). Dauert es länger, bis ein solcher Ruf ertönt, kann ich mir ja grinsend vor der Tür stehend meinen Teil denken, vermeide aber, dass mein Kind mich sehr verlegen ansehen \“muss\“ und dass es evtl. denkt, mein Körper ist etwas Verbotenes . Der Tag wird kommen!
    Ähm, gilt auch für meinen Mann, ich möchte nicht, dass da was schrumpelt.

    • Ja, es ist schon seltsam, dass so manche Eltern ihren Kindern gerade das verbieten, was sie selber mal getan haben. Gut, wenn es um Alkoholexzesse oder ähnliches geht, ist es vielleicht nachzuvollziehen, dass man Kinder davor bewahren will, die gleichen Fehler zu machen. Aber wenn es ums Wichsen geht? Da muss man halt als Erwachsener lernen, dass auch die nächste Generation eine sein wird, die irgendwann erwachsen wird. Und eben nicht ewig Kind bleibt. Selbst wenn sich so manche Eltern genau das zu wünschen scheinen.

      • Ich bin meinen Eltern noch heute dankbar, dass sie so unverkrampfte und auch tolerante Menschen sind.
        Mein Bruder hatte so ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Eines Tages stand unsere Mutter in seinem Zimmer, sie brachte frische Wäsche, und er lag mit heruntergelassener Hose auf dem Bett. Er erzählte mir das einmal: \“Sie lächelte mich freundlich an, wünschte weiterhin gutes Gelingen und schloss die Tür wieder.\“ Irgendwann bekam ich die Geschichte bei einem Gespräch von meinen Eltern zu hören. Sie erklärten, dass sie sich eigentlich erst da wirklich bewusst gemacht hätten, dass auch wir sehr gute Gründe für Privatsphäre hatten.
        Alkohol- oder Drogenexzesse sind natürlich ein ganz anderes Thema. Ich glaube nicht, dass Susanne und ich dann noch viel von Privatsphäre halten. Einen Vollrausch hatten wir in unserem jugendlichen Leichtsinn bestimmt fast alle einmal. Drogen habe ich nie probiert, aber ich zitiere jetzt meine Frau: \“Mit 18 oder 19, ich war neugierig und blöd, habe ich mal einen Joint probiert. Das Bedürfnis, es zu wiederholen, hatte ich nie, weil hinterher stundenlang reihernd mit dem Kopf über der Kloschüssel gehangen.\“

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