Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

387 – Das Betatschen

| 16 Kommentare

Liebe Frauen,

ich weiß, wenn Ihr nur das Wort „Betatschen“ hört, zucken schon Eure Hände gen männliche Wangen.

Bild: Félicien Rops

Bild: Félicien Rops

Und doch möchte ich an dieser Stelle ein Plädoyer fürs Betatschen schreiben.

Aber.

Aber damit meine ich natürlich nicht, dass ich Männern eine Freikarte ausstellen möchte, immer und überall Frauen anzugrabschen, weder schweißnasse Hände auf Pos und Brüste und Hüften oder auch nur Schultern zu legen, noch selbiges mit trockenen zu tun. Denn in solchen Fällen, wenn Männer Frauen ungefragt berühren, dann werden sie sehr zurecht ungefragt zurückberührt, und zwar mit voller Wucht und oben erwähnter Hand mitten im Gesicht.

Umgekehrt (Frauen betatschen Männer) halte ich mich an dieser Stelle mal zurück, denn es gibt sehr viele Männer, die sich nichts sehnlicher wünschen, als von wildfremden Frauen betatscht zu werden. Und zwar überall.

Worauf ich aber heute hinaus will, dass ist das Betatschen in Beziehungen. Ich könnte es allerdings auch anders nennen, damit es weniger grauslich klingt: Sich berühren. Sich in den Arm nehmen. Händchen halten. Sich küssen. Körperkontakt herstellen. Denn während all diese schönen Sachen zumeist am Anfang von Beziehungen ständig stattfinden (so dass Freunde und Bekannte schon beim Anblick des frischverliebten Pärchens die Augen verdrehen und „Nehmt euch ein Zimmer“ murmeln), verliert sich das im Lauf der Jahre irgendwie.

So wie der Sex.

Ja, es ist eine Tatsache, dass in langjährigen Beziehungen meistens weniger gevögelt wird. Während man sich in den ersten Wochen und Monaten noch schnell mal krankschreiben lässt, um sich genüsslich bettlägerig pflegen zu lassen, kommt einem irgendwann dann doch der Spruch über die Lippen: Heute nicht, ich muss arbeiten. Und plötzlich ist so vieles andere wichtiger als Sex. Und plötzlich wohnen Bruder und Schwester zusammen.

Dabei kann es so einfach sein. Man muss nur darauf achten. Und sich berühren. Touchy sein. Und bleiben. Denn das erfüllt erstens den Zweck, körperliche Nähe aufrecht zu erhalten. Und wer sich körperlich nahe ist, der mag sich mehr. Ist so, gibt es wissenschaftliche Studien dazu. Zweitens aber ist der Schritt zu noch mehr Nähe, zur körperlichen Vereinigung also, ein nicht mehr ganz so großer. Wenn man eh schon Händchen hält … Zum Beispiel. Und drittens: Selbst, wenn man dann doch noch immer nicht so viel Sex hat wie mal vor Jahren, lang lang ist’s her, versichert man sich mit den kleinen alltäglichen Berührungen, dass es wirklich nicht daran liegt, dass man sich egal geworden ist oder sich sogar körperlich nicht mehr anziehend findet. Denn nicht nur: Wer sich körperlich nahe ist, mag sich mehr, sondern auch: Wer sich mag, berührt sich.

Euer Adam

P.S.: Heute mal einen Ohrwurm mit in den Alltag: “Touch me, touch me, I wanna feel your body, your heartbeat next to mine. Touch me, touch me now …” Gern geschehen.

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16 Kommentare

  1. Hallo Adam, ich lese deine Weisheiten seit etwa einem Jahr jede Woche. Schreib bitte mal was über Tinder und Online-Dating. Deine Ansichten gefallen mir.
    Lg Christine

  2. Schon deutlich besser! Das Betatschen geht fröhlich weiter: I wanna be dirty. Thrill me, chill me, fulfill me.

  3. Schreck lass nach, welche Musik hörst du denn? Oder soll man den Song unter Jugendsünde/Jugenderinnerung verbuchen? Gibt noch eine bessere, weil am Ende weiterführende Strophe: Touch me, touch me, I want to feel your body, your heart beat next to mine.. ‘Cos I want your body all the time (wenn wir schon mal beim Thema Betatschen sind). Ja, ich gebe es ja zu, ich kenne das Lied auch (aber hör dir mal Touch me von den Doors an).

    Ich stimme mal wieder komplett zu. Wir mögen diese kleinen Berührungen sehr. Mal kurz beim Vorbeigehen über einen Arm streicheln oder vorhin, als Stephan zum Frühstück angeschlichen kam, mir eine Hand auf die Schulter legen, das hat was. Wenig Aufwand, viel Wirkung, auf die Art und Weise einfach mal wortlos sagen: ich bin bei dir und/oder ich hab dich lieb und/oder schön, dass du da bist….

    • zur Wiedergutmachung: “toucha, toucha, touch me” aus der Rocky Horror Show

      • Rocky Horror Show? Gemeinsame Erinnerung, das war das erste Mal, dass mir bei Susanne die Kinnlade runtergefallen ist. Wurde hier monatelang aufgeführt und wir sind mal hin, weil sie meinte “Stephan, du hast was verpasst, wenn du da nicht mal dabei warst”.
        Sie tauchte in voller Montur auf, Beutel mit Konfetti und Reis dabei plus Klopapier (ich hatte bis dahin keine Ahnung, dass man auch was mitbringt). Habe sie beim Time Warp kaum noch wiedererkannt. Danke für die unbeabsichtige Erinnerung an eine Erinnerung.

        • Mein Bruder hatte ein Poster von Samantha Fox, das hat mich- ehrlich gesagt- mehr beeindruckt als ihre Musik.

          • Dein Bruder hatte… So so!

          • Ja, mein Bruder. Der hatte auch die Singles von Modern Talking. Aber ich gebe zu, eine meiner ersten drei Singles war Stéphanie ;-)

          • Da war ich auch nicht besser. Ungefähre Reihenfolge der ersten drei Singles: Everybody von den Backstreet Boys (und die waren ja so niedlich), gefolgt von Coolio mit Gangsta’s Paradise und dann Puff Daddy feat. Jimmy Page mit Come with me (die Nummer mag ich heute noch sehr).

          • Bei mir gab’s noch “we are the world” und eine seltsame Mischung aus “satisfaction” und der Arie der Königin der Nacht.

          • Musikalische Jugendsünden (oder auch nicht), auch ein interessantes Thema. Meine erste Platte war Love is all around von Wet Wet Wet, ich mag es noch immer, ist auch toll zum Betatschen.
            Dann habe ich mir Without you von Mariah Carey gekauft, was ich heute in der Version ohnehin nicht mehr mag (Mariah Carey ebenfalls nicht), weil Susanne mir eines Tages erklärte, die hätte das Lied vergewaltigt, ich soll mir die Version von Harry Nilsson anhören. Sie hatte Recht, von ihm ist der Song wirklich wunderschön, echter Evergreen.
            Und dann kann ich mich ungefähr zur gleichen Zeit noch an Always von Erasure erinnern, heutzutage laufe ich davor weg, wenn es irgendwo ertönt. Hätte wohl nicht sein müssen. Meine Mutter erzählte mir mal, als das zum ersten Mal aus meinem Zimmer zu hören gewesen war, hätte sie nur gedacht “er leidet an Geschmacksverwirrung.” Nix zum Betatschen!

          • Satisfaction und die Königin der Nacht? Wer hat denn dieses Verbrechen begangen? Lebt er noch oder wurde er von Stones-Fans gelyncht?

          • Leider ist die Single wohl verloren gegangen. Aber es gibt ja alles auf YouTube, wenn auch in schlechter Qualität: https://www.youtube.com/watch?v=pn3WLmgi3Rw&feature=share

          • Danke für den Link. Klingt für meine Ohren nach einem Grund, jemanden in die ewigen Jagdgründe zu befördern.

          • Damals fand ich’s gut. Und meine Familie hat mich wohl gehasst dafür

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© Raoul Biltgen

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