Zum Hauptmenü Zum Inhalt

397 – Die Schönheit

13. August 2017

6 Kommentare

  • Körper

Liebe Frauen,

findet Ihr Euch schön?

Gut, das freut mich.

Ja, ich nehme an, dass Ihr mit Ja geantwortet habt.

Allerdings höre ich eher so ein: Ja, im Grunde schon, im Großen und Ganzen, bis auf hier und da und …

Und dann höre ich schon gar nicht mehr zu. Eigentlich möchte ich schon beim „Ja“ aufgehört haben zuzuhören. „Ja“ reicht.

397 - die Schönheit | Adam sprichtAuf die Frage, wann man schön ist, gibt es wahrscheinlich so viele Antworten, wie es Menschen gibt. Und gab. Und geben wird. Und da können sich die Damen und Herren Wissenschaftler lange die schönen Köpfe darüber zerbrechen, was es denn nun ist, was Menschen schön finden, sie können Diagramme basteln und Symmetrien ausmessen und Verhältnismäßigkeiten nachrechnen, am Ende ist all das vertane Zeit. Denn, nun folgt der Stehsatz der Woche: Schön ist, was gefällt. Und selten war ein solcher Satz so wahr.

Nicht nur über die Jahrhunderte hat sich extrem verändert, was wir schön finden, was wir an anderen Menschen und an uns schön finden. Schön über die Jahrzehnte, ja, Jahre ist alles auf einmal anders. Zu Rubens‘ Zeiten waren offensichtlich die etwas molligeren Frauen höchst angesagt. Heute kämpfen ein paar wenige dafür, dass plussize als schön angesehen wird, aber allein, dass man einen nett umschreibenden Begriff wie plussize hat erfinden müssen, zeigt, dass plussize meilenweit weg davon ist, als genau so schön wie die Models angesehen zu werden, die keine Sonderbezeichung bekommen. Und das Ende der Ära der Magermodels wurde auch schon des Öfteren heraufbeschworen. Aber ich möchte gar nicht von den Menschen reden, die per Beruf schön zu sein haben, vielmehr geht es mir um uns, die wir in der Regel eher normal sind. Durchschnittlich? Vielleicht. Aber dann auch nicht so besonders oft. Und ja, es stimmt, es gibt Menschen, die werden von einer Vielzahl anderer Menschen, zumindest zu einem gewissen Zeitpunkt, für schöner gehalten als andere. Und ebenso gibt es welche, die eher als nicht so schön angesehen werden. Und dann?

Dann sieht man wie die Menschen, diese und jene, durch ihr Leben wandeln und dieses und jenes tun, was man halt so im Leben tut, und gerne denkt man sich, ach, die Schönen, die haben es leichter, die kriegen bessere Jobs und reichere Männer und schönere Frauen und … Und dann stocke ich. Denn was Jobs angeht, gibt es wieder irgendwelche Statistiken, die gerade mal wieder das beweisen, was es zu beweisen gilt. Was aber die Partnerschaften angeht, hat doch sicher ein jeder und eine jede gedacht: Wie jetzt? Der und die? Das passt doch nicht zusammen. Und warum nicht? Die Schöne und das Biest. Die Hässliche und der Prinz. Pierce Brosnan und seine Frau. Hugh Jackman und seine Frau. Keine Ahnung und noch wer anderer. Wie geht denn das? Ist es denen wirklich egal? Sehen wir da tatsächlich jene Menschen, die nicht nur behaupten, dass es auf die inneren Werte ankommt? Die das leben? Denen es wurscht ist, ob ihre Frau Hüftspeck hat, ihr Mann nicht muskulös ist, die auf Falten und Hängebusen und Schrumpelschwänze und Glatzen und Hakennasen und verdrehte Augen und Akne und Haare am Rücken pfeifen? Die sehen darüber hinweg?

Iiih.

Und zugleich auch Bewunderung, dass die das können.

Und ich sage: Die können das nicht. Die müssen das nicht. Die finden die schön. Ich bin überzeugt, dass Menschen die Menschen, die sie lieben, auch schön finden. Und zwar ohne zu vergleichen. Denn Schönheit hat nichts mit Vergleich zu tun. Ja, auch die werden feststellen, dass irgendwelche anderen Menschen mehr hier und weniger da und also super schön sind. Und sie werden auch bemerken, dass der Mensch, den sie lieben und den sie schön finden, diesen angeblichen Idealen nicht entspricht. Sie sind ja nicht blind. Und Liebe macht auch nicht blind. Liebe macht sehend. Und sie sehen, dass der Mensch, den sie lieben, schön ist. So wie er ist. Mit ihren eigenen Augen sehen sie das. Weil sie hinschauen.

Und jetzt weiß ich gar nicht, mit welchem Satz ich enden soll. Mit: „Das ist Liebe.“ Oder mit: „Das ist Schönheit.“

Sucht es Euch aus.

Euer Adam

Dir gefällt mein Artikel? Dann sag's bitte weiter:


6 Kommentare zu "397 – Die Schönheit"

  • schönes thema, adam

    spontan fällt mir der song true colors ein. hier ein textauszug – dem habe ich nichts hinzuzufügen 😉

    \“…
    Und ich werde deine wahren Farben sehen
    Welche durchschimmern
    Ich sehe deine wahren Farben
    Und deshalb liebe ich dich
    Also hab keine Angst, sie zu zeigen
    Deine wahren Farben
    Wahre Farben, wahre Farben
    Denn sie schimmern durch
    Ich sehe deine wahren Farben
    Und deshalb liebe ich dich
    Also hab keine Angst, sie zu zeigen
    Deine wahren Farben, wahren Farben
    Wahre Farben sind wunderschön
    So schön wie ein Regenbogen

    Zeig mir deine Farben
    Zeig mir deinen Regenbogen
    Zeig mir deine Farben
    Zeig mir deinen Regenbogen
    (Deshalb liebe ich dich)
    ….\“

    Phil Collins/TRUE COLORS SONGTEXT

  • Adam, du schreibst \“schön ist was gefällt \“. Das bringt es auf den Punkt.
    Als ich noch Kind war, sagte mir meine Mutter: \“Schön ist nicht schön, gefallen ist schön!\“ Das habe ich mir behalten.
    Natürlich ist niemand ganz unbeeinflusst vom allgemeinen Trend. Aber ich bemühe mich.
    Zum Glück ändert man selbst seine Anschauungen, sonst würde niemand so alte Typen ansehen. Eine Frau mit Falten und grauen Haaren und mit einem strahlenden Lächeln kann ich schön finden. NIEMALS wird mich ein Hängebusen stören. Der gehört im Alter dazu.

    • Heute Abend kommt im Fernsehen ein Film mit Hildegard Schmahl. Das ist so eine Frau, die ich meine: graue Haare, Falten und ein nettes Lächeln. Sie ist 77 J. alt.
      Als junger Mann hätte ich so etwas natürlich nicht geschrieben. Es wäre nur eine alte Frau gewesen. Deshalb werdet ihr das auch so sehen wie ich damals. Aber wie gesagt, man ändert seine Sichtweise. Zum Glück!

  • Ich möchte mich mit einem Gedicht von Khalil Gibran anschließen, einem der vielen, die er zum Thema geschrieben hat.

    Schönheit

    Gesichtszüge, welche die Geheimnisse unserer Seele enthüllen,
    verleihen dem Gesicht Schönheit und Anmut,
    selbst wenn diese seelischen Geheimnisse schmerzlich und leidvoll sind.
    Gesichter hingegen, die – Masken gleich – verschweigen, was in ihrem Innern vorgeht,
    entbehren jeglicher Schönheit, selbst wenn ihre äußeren Formen vollkommen symmetrisch und harmonisch sind.
    Ebenso wie Gläser unsere Lippen nur anziehen,
    wenn durch das kostbare Kristall die Farbe des Weines hindurchschimmert.

Kontaktformular

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*