Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

399 – Die Literaturliebhaberinnen

| 1 Kommentar

Liebe Frauen,

Bücher sind schlecht für die Beziehung.

Ja, richtig gelesen, Literatur verdirbt die Liebe.

Und nicht etwa, weil die lieben Liebenden den ganzen Tag nur mehr auf Papier starren, statt einander tief in die Augen, denn die meisten Paare starren noch viel tiefer auf Bildschirme, Computer-, Fernseh- und Handyschirme, und da spiegeln sich höchstens die eigenen Pupillen, die sich ob der endlosen Berieselung mit Klatsch und Tratsch und Scheiß und Knatsch in ebenso endlos anmutende schwarze Löcher weiten. Und es ist lange her, dass dies aufgrund sexueller Erregung passiert ist. Aber nein, das hat nichts damit zu tun, warum ich dafür plädiere, Bücher zu verbieten, sobald man in einer Beziehung ist.

Falsch, ich verbiete sie ja gar nicht grundsätzlich, ich verbiete sie nur Euch, liebe Frauen.

Erstens lesen Männer ja sowieso kaum was. Zweitens ist das, was sie lesen, einer Liebe nicht gefährlich. Denn sie lesen Bücher, in denen Liebe eher weniger eine große Rolle spielt. Fantasy und Science-Fiction. Jaja, auch Trolle ficken und Elfen verlieben sich sogar auf immer und ewig. Aber es geht doch um die Schlachten. Und Intrigen. Und Zaubersprüche. Respektive Raumschiffe. Und wenn ich mir so die Raumschiffromanzen anschaue, dann geht es auch da eher selten um die Liebe, es wird nur so genannt, damit der liebe Mann mit Freundin ins Kino gehen kann, wenn Prinzessin Leia im knappen Bikini die Waffe schwingt, während Han Solo schockgefrostet auf seine Errettung wartet.

Was aber lesen Frauen?

Ja, seid ehrlich, Ihr habt schon nichts dagegen, wenn es um die Liebe geht. Um Männer. Um den Einen und Richtigen. Um Prinzen auf Schimmeln. Um Heirat. Am Ende ja dann doch. Und auch um Sex, klar, aber um den, der über allem steht, weil er sich über mehrere Hundert Seiten im Kampf gegen das eigene Begehren gezogen hat. Und am Ende weiß die Heldin endlich, dass sie sich nicht dem Helden mit dem großen Schwert (im übertragenen Sinn) hingeben soll, denn der ist zwar unglaublich gutaussehend und reich und wird mit Sicherheit wie alle unglaublich gutaussehenden und reichen Helden mit großen Schwertern und Dackelblick schon lang nicht mehr von Hugh Grant gespielt, denn der ist dafür dann doch zu alt, aber er ist nicht der Eine und Richtige. Der Eine und Richtige ist der eine, der anfangs eher als Langeweiler empfunden wurde. Der beste Freund. Nur halt sexuell eher nicht direkt so anziehend. Nicht auf den ersten Blick zumindest. Aber zuverlässig, das ist er, und wie. Weil er selbst nach den vielen vielen Seiten des verarscht und warten gelassen Werdens noch immer treu und ergeben wartet, bis sie sich ihm hingibt. Und Heirat, hurra.

Und nun sagt Ihr Euch: Aber das ist doch gut. Wir Frauen lernen was aus diesen Schmonzetten. Nämlich, dass wir nicht auf die Arschlöcher dieser Welt hereinfallen, sondern uns die Guten schnappen. Und wollt Ihr nicht die Guten sein?, fragt Ihr uns.

Ja, eh, weil wir nicht anders können, als die Guten zu sein, auch wenn wir eigentlich immer die Weiberhelden sein wollen.

Nur. Vergleicht mal die, die sich die Buchfrauen dann am Ende aussuchen mit den wahren Männern, die am Ende die Wirklichkeit bevölkern.

Die Literatur-Langweiler sind doch immer noch um Klassen besser, als es die echten da draußen jemals sein können. Denn Literatur-Langweiler haben dann doch keinen Bauch, keine Haare am Rücken und keine Pickel am Sack. Oder sie haben dann doch einen wesentlich interessanteren Job, als Steuerberater klingt. Und sie sind dann doch Romantiker und rennen den Frauen bis zum Abfluggate hinterher und lassen es Rosen regnen. Und sie schlagen sich mit den Cowboys. Und all das machen die Männer in echt nicht. Werden sie auch nie. Selbst wenn sie wollten. Wollen sie aber auch nicht. Weil es nichts mit dem wahren Leben zu tun hat. Wo man eine schlechte Haut hat, auch wenn es zum finalen Date geht. Und wo man am Tag nach dem finalen Date trotzdem ins Büro muss, wo es keine wollwollenden Kolleginnen gibt, die wissend lächeln, wenn du mit zerzaustem Haar und dem gleichen Hemd wie am Vortag erscheinst. Da wirst du geschimpft. Also tust du es gar nicht. Egal wie romantisch alles andere hätte sein können.

So. Und weil die Literatur Euch Frauen lehrt, nach den Abenteuern mit den Arschlöchern bei den Normalos zu landen, müssen wir Normalos zwar nicht mehr den Casanovas ihrer Zeit entsprechen, aber doch zumindest das erfüllen, was Euch Eure Schmöker als Normalo vorgeben. Darunter tut Ihr es nun wirklich nicht.

Und schon stehen wir mal wieder unter Druck.

Ach, wir armen armen Männer, was sollen wir nur tun?

Richtig, wir verbieten Euch den Schund zu lesen, dann können wir so sein, wie wir wollen, ohne uns mit den Papierhelden welcher Art auch immer vergleichen zu müssen.

So einfach ist das.

Euer Adam

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Ein Kommentar

  1. Die Frage aller Fragen wäre doch hier: Will ich als erwachsener Mann mich tatsächlich mit einer Schnulzenfigur überhaupt verglichen, die a) völlig an den Haaren herbei gezogen ist und b) nie, nie, niemals der Realität entsprechen wird?

    Nein das will ich sicher nicht. Und ich will auch erst gar keine Frau, die in einer Phantasiewelt lebt. Ich will eine Frau, die weiß was sie will und Realität – jaja ich weiß, jeder hat seine eigene und “Die Realität”, also die eine und einzigste, gibt es nicht – und Fiktion auseinander halten kann. Dann muss man Frau auch keine Literatur verbieten und Mann sich nicht vergleichen. As gilt natürlich auch für Mann. Wenn Frau einen Mann hat, der weiß was er will und sie auch, dann muss sie sich auch nicht mit all den Heldinnen der männlichen Literatur und Fiktion vergleichen.

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© Raoul Biltgen

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